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Blutiger Nasenstüber: Lionel Messi musste in Manchester ordentlich einstecken.

FC Barcelona

Auch schlecht noch gut

Lionel Messi kassiert in Manchester eine blutige Nase und versteckt sich lange – am Barças 1:0-Sieg hat er dennoch großen Anteil.

Lionel Messi rann das Blut von der Nase, und beim FC Barcelona stockte allen der Atem. Eine halbe Stunde war gespielt beim Viertelfinalhinspiel zwischen Manchester United und den Katalanen (0:1), als sich der englische Verteidiger Chris Smalling dem argentinischen Superstar näherte. Von vorne kam der Ball geflogen und von hinten der Smalling, ein gewaltiger Mensch, 1,93 Meter, 90 Kilogramm, und bevor Messi zu seinem besten Freund gelangte, dem Ball, wurde er vom United-Verteidiger regelrecht überfahren.

Wie ein schwer getroffener Boxer ging Messi zu Boden – und sah auch so aus. Die katalanische Zeitung Sport schrieb von „gruseligen Bildern“: Das linke Auge zierte ein dicker Bluterguss, die unaufhörlich blutende Nase, in der wohl die Scheidewand riss, ein Cut. Dazu kam eine Schramme auf der Wange. Für „Mundo Deportivo“ war Messi „der Verwundete“, die Sun stöhnte wortspielend: „Bloody Messi!“

Solskjaers gute Erinnerung

Barça-Coach Ernesto Valverde schimpfte über den „heftigen Schlag“, für den Smalling nicht mal Gelb gesehen hatte. Messi durfte sich damit trösten, dass er vor dem Eigentor von Luke Shaw (13.) die entscheidende Vorarbeit geleistet hatte. „Es war nicht sein bestes Spiel“, schrieb das Sportblatt „Marca“, „und doch war er der Schlüssel.“ Das war die Botschaft an diesem Abend: Selbst wenn Messi nicht gut ist, ist er immer noch Weltklasse. Mit der brillanten Vorlage hatte der 31-Jährige ein insgesamt uninspiriertes Barça mal wieder gerettet.

United, das keinen einzigen Schuss aufs Tor von Marc-Andre ter Stegen abgab, hält sich an der Erinnerung ans Achtelfinale und den Sieg bei Paris St. Germain (3:1) fest. „Das gibt uns Hoffnung und den Glauben, es schaffen zu können“, sagte Teammanager Ole Gunnar Solskjaer, der die Mannschaft im vergangenen Dezember von José Mourinho übernommen hatte und kürzlich vom Interimstrainer zur Dauerlösung befördert wurde. Zumal der Auftritt im Camp Nou für Solskjaer von historischer Bedeutung ist.

Dort, vor 20 Jahren, gelang dem Norweger im Finale der Champions League gegen den FC Bayern in letzter Sekunde der Siegtreffer für United, nach einer Ecke. Der Geist von damals soll die Mannschaft von heute motivieren, findet der Trainer. „Wir wissen, wie man nach Ecken und Flanken Tore schießt im Camp Nou“, sagte Solskjaer schelmisch, um ernsthaft anzufügen: „Wir haben Torgefahr. Aber wir müssen unsere Waffen besser einsetzen.“

Und Messi und Barça? Mit dem Sieg im „Theater der Träume“ setzte der aktuelle und aller Wahrscheinlichkeit nach auch zukünftige spanische Meister den Grundstein für ein Ende des Viertelfinalfluchs. In den vergangenen drei Jahren war für Barça die Runde der letzten acht Teams stets Endstation gewesen. Eine große Enttäuschung für den Klub, der die Königsklasse 2009, 2011 und 2015 gewann und hernach immer dem Erzrivalen Real Madrid auf europäischer Bühne den Vortritt lassen musste. Auch Messi hatte nicht überzeugen können, als es wirklich drauf ankam in den vergangenen Jahren. Dafür, dass es diesmal besser läuft, nimmt er eine blutige Nase vermutlich gerne in Kauf. (sid/FR)

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