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Gemeinsam jubeln in Corona-Zeiten: Was am Montag im Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden möglich war, sollen bald alle dürfen. dpa

Kommentar

Fans als Vorbild

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die einheitliche Regelung zur Auslastung der Stadionkapazität ist ein gutes Signal. Vom Verhalten der Klubs und des Publikums hängt viel für den Fußball, aber auch andere Sportarten ab. Ein Kommentar.

Auf einmal ging alles ganz schnell. Fast auf den letzten Drücker hat die Politik dem deutschen Profifußball einen Vertrauensvorschuss gewährt, mit dem gar nicht mehr gerechnet wurde. Fans sollen überall wieder Zutritt haben, Richtmarke 20 Prozent der Stadionkapazität. Vorweg: Dieser Entschluss ist begrüßenswert, weil angesichts einer beherrschbaren Infektionslage und des gesellschaftlichen Alltags angemessen. Autobahnen und Straßen, Fußgängerzone und Einkaufsmeilen sind teilweise so belebt wie vor der Corona-Krise, da ist die teilweise Zulassung von Publikum im Profisport nur folgerichtig.

Trotzdem kommt der Bescheid so spät, dass gar nicht alle Vereine zum ersten Spieltag passende Hygienekonzepte auflegen können. Vorbildliche Vorarbeiten wurden teils mit langem Vorlauf in Frankfurt und Leipzig, Köln, oder Berlin erledigt. Damit die neue Saison nicht mehr ganz so geisterhaft wie der Restspielbetrieb aus 2019/2020 aussieht. Gut so.

Fachleute fanden es sicherlich lohnend, die Anweisungen der Spieler (und Trainer) bis unters Tribünendach zu verstehen, aber die Wechselwirkung zwischen Fans und Fußballern ist nun einmal elementarer Bestandteil fürs Stadionerlebnis. Der erste Schritt zurück in die Normalität ist getan, die nächsten werden noch ausgesprochen mühsam. Zunächst dürfen die Erwartungen nicht zu hoch geschraubt werden. Wenn wie in Frankfurt zunächst nur jeder fünfte Platz belegt ist, kann die Akustik gar nicht mitreißend sein. Dazu boykottieren die Ultras, die lautstärksten Fan-gruppierungen, das mit unvermeidlichen Einschränkungen versehene Konzept. Das kann eine Chance sein, dass sich der Geräuschpegel mehr dem Spielverlauf anpasst, birgt aber das Risiko, dass eine Atmosphäre entsteht wie bei Länderspielen. Abwarten.

Am wichtigsten: Jeder Anhänger sollte wissen, dass ihm beim Betreten des Stadions eine Vorbildrolle zukommt. Nur wer sich an die aufgestellten Regeln hält, wirkt daran mit, dass sich nach und nach wieder mehr Publikum kommen darf. Überdies hat es jeder Einzelne mit seinem Verhalten im Fußball-Probetrieb in der Hand, bald auch Sportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey die Fan-Rückkehr zu ermöglichen. Und die hängen wirklich am Tropf der Ticketeinnahmen. Wer meint, er müsse sich am ersten Bundesliga-Wochenende der Saison 2020/21 danebenbenehmen, sollte das im Hinterkopf haben. Das wäre gegenüber dem gesamten deutschen Sport rücksichtslos.

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