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Guter Fang: Amon-Ra St. Brown (rechts) in einem College-Spiel.
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Guter Fang: Amon-Ra St. Brown (rechts) in einem College-Spiel.

American Football

Familie verpflichtet

  • vonNico-Marius Schmitz
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Der Deutsch-Amerikaner Amon-Ra St. Brown könnte seinem Bruder EQ in die NFL folgen – der Vater hat es von Anfang an so geplant

Amon-Ra St. Brown ist kein Sportler, der zurückblickt. An das Spiel, das ihn endgültig auf die Zettel aller NFL-Scouts katapultiert hat, denkt er schon nicht mehr. Letztes Jahr im Dezember fing der Footballer vier Touchdowns in nur einem Viertel für die USC Trojans und stellte einen neuen College-Rekord auf. „Ich gebe darauf nicht viel“, sagt der 21-Jährige.

Ende April findet der NFL-Draft statt, die Talentlotterie für die beste American-Football-Liga der Welt. Der nächste Schritt in der Karriere des Deutsch-Amerikaners. Es ist eine Karriere, die schon seit dem Kindesalter in Planung ist. Der Architekt des Erfolgs: der Papa. John Brown lernte auf einer Fitnessmesse in Essen die Deutsche Miriam – seine zukünftige Frau – kennen. Der ehemalige Bodybuilder und zweimaliger Mr. Universe wählte bewusst eine sportliche Partnerin aus. Schon bei den Genen sollte nichts dem Zufall überlassen werden. John hatte von Anfang an den Plan, seine Söhne zu Athleten, zu Stars zu formen. Auch die Nachnamen wurden verändert, aus Brown wurde St. Brown, schließlich wolle Brown seinen Kindern „keine Sklavennamen geben.“

Die drei Brüder Equanimeous „EQ“, Amon-Ra und Osiris (beide nach ägyptischen Göttern) benannt, stemmten schon im Alter von sechs Jahren in der heimischen Garage im kalifornischen Anaheim Gewichte. Als Ernährungsgrundlage dienten rotes Fleisch und Proteinshakes. „Mein Vater war sehr hart zu uns, als wir klein waren“, erinnert sich Amon-Ra, „Aber das hat uns nur besser gemacht. Er war bei jedem Spiel von uns anwesend. Ohne ihn wäre ich niemals da, wo ich heute bin.“

Der Plan von John scheint aufzugehen: Equanimeous – mit 24 Jahren der älteste Bruder – läuft seit 2018 als Receiver in der NFL bei den Green Bay Packers auf. Osiris (22) spielt Football für die Stanford University. Und mit Amon-Ra ist der wohl talentierteste Receiver der St. Brown-Familie auf dem Sprung in die NFL. „Das fasziniert mich am meisten“, sagt Bruce Rollinson, einst Trainer von Amon-Ra, der „Sports Illustrated“: „Die St. Browns sind für mich eine normale Familie mit drei anständigen Söhnen. Erst wenn man sich ansieht, wie gut die drei nicht nur im athletischen, sondern auch im akademischen Bereich sind wird man sagen, ok, das ist nicht normal.“

Schnell, stark, intelligent

Amerikanische Experten rechnen damit, dass Amon-Ra beim Draft schon in der zweiten Runde ausgewählt wird. Bereits nach seiner Zeit auf der High School erhielt der Ausnahmesportler Angebote für ein Stipendium von 21 Universitäten. Die Website 247Sports ordnete St. Brown als Fünf-Stern-Spieler ein, also als einen der 30 besten Spieler seines Jahrgangs.

Beim Pro Day, ein Probetraining des Abschlussjahrgangs, überzeugte Amon-Ra Ende März die Scouts einmal mehr. Der Athlet lief die 40 Yards (36,58 Meter) in 4,51 Sekunden – Usain Bolt hält den Rekord mit 4,22 Sekunden –, sprang aus dem Stand 3,23 Meter (im Hochsprung 0,98 Meter) und schaffte beim Bankdrücken mit 102 Kilogramm 20 Wiederholungen: „Ich habe viel trainiert und will den Teams einfach nur zeigen, dass ich extrem hart arbeiten werde und beständige meine Leistung bringen werde.“

Das zahlt sich aus. Bislang hatte Amon-Ra schon mit 28 der 32 NFL-Teams „Interviews“. Bei den Gesprächen wollen die Teams den Talenten im Vorfeld des Drafts auf den Zahn fühlen. „Die Scouts wollen wissen, wo man herkommt, wie der familiäre Hintergrund aussieht, warum ich mich für mein College entschieden habe. Bei den Coaches geht es um Football. Sie zeigen dir, warum du in ihr System passt und wo man sich noch verbessern muss“, erklärt Amon-Ra.

Sehnsucht nach Deutschland

Der gebürtige Kalifornier tauscht sich aktuell viel mit seinem älteren Bruder aus. „EQ“ spielt schließlich schon in der NFL. Der wichtigste Tipp: Du musst die Playbooks lernen! In den Playbooks halten die Vereine auf hunderten von Seiten ihre Spielzüge fest.

Amon-Ra macht sich da keine Sorgen. Während der Vater die St. Browns körperlich trimmte, legte Mutter Miriam, die nur Deutsch mit ihren Söhnen spricht, „viel Wert auf die Ausbildung. Wir sind schlaue Kinder, das Playbook schaffe ich schon.“

In Deutschland war Amon-Ra seit sechs Jahren nicht mehr. Er vermisst es, da in Amerika alles eine Nummer größer sei. Die Straßen, die Supermärkte, die Wohnungen. „Ich liebe die deutsche Sprache und Kultur. Ich will unbedingt wieder nach Deutschland, sobald ich Zeit habe.“

Doch erst mal liegt der Fokus auf der Nacht zum 1. Mai. Wenn im Draft der Name „Amon-Ra“ erklingt und der nächste St. Brown den Sprung in die NFL geschafft hat.

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