1. Startseite
  2. Sport

Experte sagt, was Deutschland gegen Frankreich braucht

Erstellt:

Von: Björn Mahr

Kommentare

Finn Lemke fehlt bei der WM wegen einer Sprunggelenksblessur.
Finn Lemke fehlt bei der WM wegen einer Sprunggelenksblessur. © Laci Perenyi/Imago

Verletzter Nationalspieler Finn Lemke verrät, was die deutschen Handballer alles brauchen, um Frankreich zu besiegen.

Youngster Juri Knorr schwor die deutschen Handballer noch mal mit markigen Worten auf den Kampf um die erste WM-Medaille seit dem Gold-Triumph vor 16 Jahren ein. „Von diesem Spiel haben wir geträumt“, sagte Knorr vor dem Klassiker gegen Olympiasieger und Rekordchampion Frankreich im Viertelfinale am Mittwoch (20.30 Uhr/ZDF). „Ich kann versprechen, dass wir da noch einmal mit einer ganz anderen Energie auftreten werden. Es hört sich vielleicht martialisch an, aber wir müssen um unser Leben spielen, denn natürlich wollen wir weiterkommen.“

Doch wer, Deutschland oder Frankreich, ist eigentlich im Vorteil beim Viertelfinalduell in Danzig. Der langjährige Nationalspieler Finn Lemke, aktuell aktiv beim nordhessischen Bundesligisten MT Melsungen, nahm beide Teams genau unter die Lupe. Seine Einschätzungen:

Die Torhüter

Die deutschen Torhüter Andreas Wolff und Joel Birlehm haben bisher einen besseren Eindruck hinterlassen als Frankreichs Nummer eins Vincent Gerard. Wolff dürfte helfen, dass er mit den Franzosen Nedim Remili, Nicolas Tournat und Dylan Nahi auf drei Vereinskollegen trifft. Er weiß genau, was ihn erwartet. Der zukünftige Kieler Gerard versteht es aber, praktisch aus dem Nichts seinen Kasten zu vernageln. Zudem hat er eine starke Abwehr vor sich.

Vorteil Deutschland

Die Abwehr

Die Franzosen sind im Gegensatz zur deutschen Mannschaft maximal eingespielt und haben mit Ludovic Fabregas und Lukas Karabatic eine Top-Innenverteidigung. Die Equipe Tricolore profitiert in der Abwehr von der Blockbildung: Sie haben mehrere Spieler aus Barcelona, Paris und Kielce. Die deutsche Verteidigung ist sehr stabil geworden und hat sich mit Johannes Golla und Julian Köster im Zentrum stetig gesteigert. Gegen Frankreich könnte auch die gegen Norwegen praktizierte 3-2-1-Deckung ein Mittel sein, um etwas den Dampf aus dem Rückraum des Gegners zu nehmen. Vorteil Frankreich

Die Strategen

Spielmacher und Shootingstar Juri Knorr entwickelt im deutschen Team unglaubliche Torgefahr. Seine ansatzlosen Schlagwürfe sind beeindruckend. Durch seine eigene Durchschlagskraft schafft er auch Räume für die Nebenleute. Bei den Franzosen ist Kentin Mahé nicht so gefährlich aus dem Rückraum, durch seine schnellen Bewegungen reißt er aber Lücken in die gegnerische Abwehr. Daraus ergeben sich gute Chancen für die Halbpositionen im Rückraum.

Vorteil Deutschland

Der Angriff

Die Franzosen leben von ihrer individuellen Klasse mit Spielern wie Dika Mem und Remili. Die deutsche Mannschaft besticht durch ein gutes Kollektiv und hat sich eine gewisse Ballsicherheit erarbeitet. Während bei Frankreich die Kreisläufer Räume für die Rückraumschützen schaffen müssen, nutzt Deutschland den Kreis zu Toren. Dem Team gelingt es durch Spieler Golla und Jannik Kohlbacher in Szene zu setzen. Ein Pfund, mit dem das DHB-Team wuchern kann, ist das Tempospiel. Es ist durch Knorr und Köster schnell vorn.

Vorteil Frankreich

Die Trainer

Frankreichs Coach Guillaume Gille hat für einen Umschwung gesorgt. Das wurde mit dem Triumph bei den Olympischen Spielen in Tokio deutlich. Er hat sich bewährt. Allerdings muss er auch Profis wie den Karabatic-Brüdern, Nikola und Luka, nicht viel an die Hand geben. Bundestrainer Alfred Gislason verfügt über große Erfahrung. Er zeigt sich bei der WM super-erfolgshungrig. Seine Spieler sind bisher auf alle Gegner gut vorbereitet gewesen. Er stattet seine Jungs mit viel Selbstvertrauen aus.

Vorteil Deutschland

Das Fazit

Es wird ziemlich sicher ein enges Duell. Frankreich kennt den Druck eines K.o-Spiels nur zu gut, kennt die Belastung. Wenn Deutschland die bisherigen Auftritte bestätigt, kann sich der Begeisterungs-Handball des DHB-Teams gegen das stärkere Individuelle der Franzosen durchsetzen. Die deutsche Mannschaft braucht aber sicher einen starken Wolff, ein gutes Tempospiel und muss die technischen Fehler vermeiden. Wenn ihr das alles gelingt, dann hat sie eine gute Chance.

Aufgezeichnet: Björn Mahr

Auch interessant

Kommentare