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Einst ein bei den Gegner gefürchteter Kreisläufer: Christian Schwarzer.
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Einst ein bei den Gegner gefürchteter Kreisläufer: Christian Schwarzer.

Interview

„Das Gefühl der Unbesiegbarkeit“

  • vonPatrick Reichelt
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Der früherer Handball-Nationalspieler Christian Schwarzer spricht über Teamgeist, Träume und den WM-Titel.

Herr Schwarzer, Absagen von Leistungsträgern sind vor Turnieren ja Normalität. In diesem Jahr sind es auch bedingt durch die Pandemie gleich neun Spieler, die nicht dabei sind. Nachvollziehbar?

Ich kann die Jungs total verstehen. Wenn jemand sagt: In der aktuellen Situation will ich meine Familie nicht alleine lassen, dann ist das total nachvollziehbar. Ich meine, es ist gut und wichtig, dass der Sport präsent ist. Die andere Seite ist: Es werden Olympische Spiele verschoben. Und ob es angesagt ist, eine WM zu spielen, während anderswo Menschen um ihr Leben kämpfen, darüber kann man sicher geteilter Meinung sein.

Zur Person

Christian Schwarze r, 51, wurde als Kreisläufer mit Deutschland Welt- und Europameister und Olympia-Zweiter. Heute ist das deutsche Handballidol Jugendkoordinator beim Saarländischen Landesverband. (FR)

Ein Argument ist: Die Beteiligten sind geschützt in einer Blase.

Ja, klar. Aber ob das so funktionieren kann, bleibt abzuwarten. Klar, die NBA etwa hat es vorgemacht, dass das gehen kann. Aber die größte WM aller Zeiten. In der Bundesliga fürchtet man ja, dass es ähnlich läuft, wie in der EM-Qualifikation. Spieler stecken sich an und der Betrieb der Liga wird schwierig. Auch das kann ich gut verstehen.

Die NBA spielte in Disney World in Orlando, die WM findet in Ägypten statt. Sie haben 1999 dort selbst eine WM gespielt. Halten Sie einen vergleichbaren Standard für denkbar?

Es gibt schon renommierte Hotelketten dort, die sehr hohe Standards bieten. Aber die Rahmenbedingungen sind natürlich völlig anders. Das geht ja bis hin zum Essen. Es ist ja nicht so, dass man den eigenen Koch mitbringt. Bei uns gab es Durchfallerkrankungen. Ansonsten erinnere ich mich zum Beispiel an eine Taxifahrt, bei der wir die Türe zuhalten mussten, weil sie sonst aufgegangen wäre. Wir haben ja manchmal Programm gemacht, damit einem nicht die Decke auf den Kopf fällt. Ägyptisches Museum oder der Markt. Aber das geht diesmal ja gar nicht.

Wie hat der Zeitvertreib bei Ihnen ansonsten funktioniert?

Bei uns gab es damals das Spiel „Siedler von Catan“. Das war relativ neu. Vor allem Stefan Kretzschmar, Klaus-Dieter Petersen, Markus Baur und ich haben das über diese Schiene ganz gut hingekriegt. Ansonsten hattest du natürlich den Pool, auch wenn man da natürlich auch nicht zu viel Zeit verbringen darf.

Sie waren bei der WM 2007 Nachrücker in ein Team, das zunächst auch niemand auf der Rechnung hatte. Dann wurden Sie Weltmeister. Halten Sie eine solche Dynamik für denkbar?

Das ist immer möglich. Klar fehlen Leistungsträger, aber in der Bundesliga ist das Niveau so hoch, da sind viele gute Jungs. Und das sind Jungs, die sich den Arsch aufreißen werden. Und wenn du dann auch noch Erfolge hast, und das sollte jetzt nicht das Problem sein, dann kann ein Gefühl der Unbesiegbarkeit entstehen. Man hat das ja jetzt auch beim THW Kiel in der Champions League gesehen oder bei uns 2007. Manchmal gewinnt die beste Mannschaft.

Aber wie wird eine Mannschaft zur Besten? Ex-Bundestrainer Heiner Brand sagte einmal, es brauche einen emotionalen und einen rationalen Leader.

Du brauchst vor allem eine klare Hierarchie. Aber die hast du. Leute wie Uwe Gensheimer oder Andi Wolf haben ja schon viele Turniere gespielt. An ihnen kann man sich orientieren. Dann muss der Trainer für jeden eine klare Aufgabe finden. Dass jeder sieht, dass er seine Bedeutung hat. Die einzige Frage ist für mich: Wer der Lenker auf dem Spielfeld sein kann.

So wie es Markus Baur 2007 war...

Die erfolgreichen deutschen Mannschaften haben eigentlich immer so einen Spielertypen gehabt. Martin Strobel war der letzte, der in diese Richtung ging. Da sehe ich momentan eine Lücke. Juri Knorr wäre einer, dem ich zutraue, da reinzuwachsen. Der Junge ist halt erst 20 Jahre alt. Aber wer weiß, einen Mimi Kraus hat man 2007 auch nicht unbedingt auf der Rechnung gehabt.

Was trauen Sie der deutschen Mannschaft zu?

Ach, natürlich ist sie dort nicht Favorit. Aber ich sehe nicht, warum die Mannschaft nicht trotzdem das Halbfinale anpeilen sollte. Und wenn das erst einmal erreicht ist, dann kann bei so einem Turnier alles passieren.

Interview: Patrick Reichelt

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