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Gutes Maskottchen mit schwerem Job: Miraitowa posiert zwischen den Olymischen Ringen.
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Gutes Maskottchen mit schwerem Job: Miraitowa posiert zwischen den Olymischen Ringen.

ZEN-KAMPF

Ewigkeit im Mülleimer

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Miraitowa heißt das Maskottchen in Tokio – doch Maskottchen zu sein bei diesen Spielen ist ein trauriges Los, denn ein Maskottchen braucht immer Menschen und keinen Abstand.

Miraitowa heißt das Maskottchen der Spiele in Tokio, das sei dann doch einmal erwähnt, bevor es endgültig zu spät ist, komplett vergessen. Maskottchen zu sein bei diesen Spielen ist ein trauriges Los, denn ein Maskottchen braucht immer Menschen, es braucht die Interaktion mit den Menschen, sonst ist es nichts. Eine Verpuffung aus Plüsch. Und was soll man da machen bei einer Veranstaltung bei der, wegen der Pandemie, keiner sein darf?

Miraitowa gibt sich natürlich trotzdem große Mühe, in Erscheinung zu treten, nach allem, was man so mitbekommt aus der Distanz einer halben Welt. Zum Beispiel lässt Miraitowa in Miniaturform an jeden Blumenstrauß binden, der den Athleten bei der Siegerehrung überreicht wird, aber man muss schon genau hinsehen, um Miraitowa da zu entdecken, festgezurrt wie an einen Marterpfahl, und wer das Schicksal der Blumensträuße kennt, der ahnt auch für Miraitowa nichts gutes; Blumensträuße rauschen oft in den nächsten Mülleimer. Selbst bei Olympia.

Maskottchen aus der Hölle

Immerhin: Miraitowa, eine durchaus putzige, pokemonesque Gestalt, fällt nicht negativ auf. In der Vergangenheit waren ja die Versuche, dem legendären und geradezu perfekten Waldi nachzueifern, jenem Dackel, der Olympia 1972 in München mit aufrechtem Stolz repräsentierte als erstes olympisches Maskottchen in der Geschichte, regelmäßig ins Alptraumhafte entglitten.

Als Höhe- beziehungsweise Tiefpunkt dieses Phänomens sei an dieser Stelle Wenlock erwähnt, Maskottchen von London 2012. Wenlock ähnelte einem langen Stab, womit er an die britische Stahlgeschichte erinnern sollte, er hatte ein Licht auf der „Stirn“, womit er an die Londoner Taxis erinnern sollte, und er hatte ein einziges, riesiges Auge in Form einer Kameralinse, womit er ans digitale Zeitalter erinnern sollte und womöglich all seine Betrachter bis zum Ende ihrer Tage daran, dass sie nie mehr und nirgendwo sichern sein würden vor diesem frankensteinesquen Olympiamonstrum. Hey, hey!

Bei Miraitowa muss der Betrachter nicht befürchten, im Schlaf aufgesucht und erschlagen zu werden. Miraitowa könnte das zwar mühelos tun, denn Miraitowa besitzt seinen Schöpfern zu Folge die Fähigkeit, sich von jetzt auf gleich an einen anderen Ort zu teleportieren. Aber so jemand ist Miraitowa nicht.

Miraitowa weiß ja, dass es schwere Zeiten sind, für alle. Der Name setzt sich aus den japanischen Begriffen für Zukunft und Ewigkeit zusammen, und vielleicht ist das der Trost, denn auf die Ewigkeit gesehen geht alles irgendwann vorbei. Vielleicht sogar Corona.

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