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Ärgert sich über den dünnen Terminkalender im Frauentennis: French-Open-Finalistin Sofia Kenin.

Tennis

„Es ist zum Kotzen“

Während sich die Männer vor Turnieren nicht retten können, haben viele Frauen im Tennis gezwungenermaßen Urlaub. Die Organisatoren der WTA-Tour stehen in der Kritik.

Wenn sich Laura Siegemund den Turnierkalender für den Rest des Jahres anschaut, springt ihr immer wieder ein verflixtes Wort ins Auge: „cancelled“, abgesagt also. Während die männlichen Kollegen um Alexander Zverev derzeit in Köln den Auftakt zu einem vollgepackten Tennisherbst bestreiten, müssen die Frauen notgedrungen die Füße hochlegen und können schonmal ihren Urlaub planen. „Es ist schon recht mager, was angeboten wird“, klagt Siegemund.

Dass im Kalender der Frauen-Tour WTA aufgrund der Corona-Pandemie riesige Lücken klaffen und Ersatzturniere im Gegensatz zu den Männern nur spärlich vorhanden sind, ist für Siegemund zwar erstmal halb so wild. Deutschlands formstärkste Spielerin nutzt die Pause, um ihren angeschlagenen Rücken zu schonen. Doch andernorts ist die Kritik an der WTA umso lauter.

„Es ist zum Kotzen, dass die Saison für uns schon vorbei ist“, ätzte die US-Amerikanerin Sofia Kenin nach dem verlorenen Finale der French Open: „Ich wünschte mir wirklich, dass es noch mehr Turniere gäbe.“ Und auch Julia Görges stellte nach ihrem Aus in Paris verwundert fest: „Unser Kalender ist schon recht nackt.“

Zwei kleinere Turniere stehen noch auf dem Plan. In der kommenden Woche schlagen die Frauen im tschechischen Ostrau auf, ab 9. November wurde kurzfristig ein Turnier in Linz/Österreich organisiert. Das ist aber kein Vergleich zur Männer-Tour ATP: Diese kehrte zwar zwei Wochen später aus der Corona-Pause zurück, bietet aber bis Saisonende noch zehn Turniere an, darunter das Masters in Paris und die ATP Finals in London.

Dabei hätte die WTA durchaus Chancen und genügend Zeit für hochwertigen Ersatz gehabt, nachdem die lukrative Asien-Tour mitsamt des Saisonfinales in Shenzhen bereits im Juli komplett gestrichen worden war. „Das ist mir auch ein Rätsel. Schon in Deutschland wären wohl noch ein, zwei Turniere möglich gewesen“, sagte Siegemund und unterstrich damit eine Aussage von Barbara Rittner, die Turnierdirektorin bei den zwei Männerturnieren in Köln (bis 25. Oktober) ist.

„Wir haben Kontakt zur WTA-Tour aufgenommen, weil auch bei den Frauen ganz viele Termine frei geworden sind“, sagte Rittner jüngst im „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Aber sie hat leider zu träge reagiert.“ Das machte sich die ATP zunutze und übernahm gleich beide Turniere – statt Angelique Kerber und Görges gibt es in Köln eben die doppelte Menge Zverev.

Dass sich an der unbefriedigenden Situation kurzfristig etwas ändert, glaubt Siegemund, die zuletzt bei den US Open den Titel im Doppel gewann und beim Sandplatzklassiker Paris erst im Viertelfinale scheiterte, aber nicht. „Sowohl wir Spieler als auch die Turnierausrichter brauchen im Vorlauf Zeit für die Planung und Vorbereitung auf ein Turnier“, sagte die Schwäbin.

Auch die Kommunikation der WTA erscheint verbesserungswürdig. „Ich habe mehrfach nochmal explizit nachgefragt, aber keine neuen Informationen bekommen“, erzählt Siegemund: „Wir kriegen den Turnierplan präsentiert, werden informiert. Die Gründe, warum so ein Loch entsteht und wir quasi joblos sind, werden aber nicht immer thematisiert.“ (sid)

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