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Führt ihr Team mit einer flachen Hierarchie: U18- und Bundestrainerin Franziska Busch (links). imago images
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Führt ihr Team mit einer flachen Hierarchie: U18- und Bundestrainerin Franziska Busch (links). imago images

Frauen-Eishockey

„Es ist ein großes Miteinander“

  • Günter Klein
    VonGünter Klein
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Bundestrainerin Franziska Busch über den hohen Männeranteil im Frauen-Eishockey.

Frau Busch, werden Sie bei der WM überwiegend auf Kolleginnen oder Kollegen treffen?

Definitiv auf mehr Kollegen. Eine Trainerin kenne ich nur bei Ungarn.

Warum herrscht ein solcher Männer-Überschuss?

Die Argumente sind die gleichen wie überall, wenn es um Frauen in Führungspositionen geht: Es ist ein zeitintensiver Job und ein unsicheres Geschäft – und der Fairness halber muss man ja auch sagen: Es gibt nicht annähernd so viele Eishockey-Trainerinnen wie Eishockey-Trainer. Und Männer sind selbstbewusster.

Sollte es mehr Frauen an der Bande geben? Halten Sie ein Plädoyer!

Man kann das nicht pauschalisieren, jeder ist anders, daher werde ich kein Plädoyer halten. Es gibt gute Männer und gute Frauen in diesem Bereich. Es zählt mehr der Typ, der man ist.

Wie wurden Sie Trainerin?

Das war eher zufällig. Nachdem ich als Spielerin aufgehört hatte, fand in meiner Heimat Braunlage gerade eine Trainerausbildung statt. Da bin ich hingegangen. Wenn es nicht bei mir vor Ort gewesen wäre, weiß ich nicht, ob ich den Aufwand betrieben hätte. Hat man dann eine Trainerlizenz, ist man sehr beliebt. Ich wurde sofort eingebunden, als Trainerin in Braunlage im Nachwuchs.

Beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) sind Sie Bundestrainerin der U18-Frauen, erhielten nun aber das Upgrade für die A-Mannschaft.

Upgrade hört sich gut an, aber für die U18 zuständig zu sein, das ist für mich auch ganz wertvoll, darauf lasse ich nichts kommen.

Eigentlich ist Christian Künast Frauen-Bundestrainer, er wurde im November aber, als sich die Trennung des DEB von Stefan Schaidnagel abzeichnete, Interims-Sportdirektor. Inzwischen ist er es dauerhaft.

Mit Christian hatte ich schon im Perspektivteam zusammengearbeitet, er ist auf die Interimsstelle gerutscht, und da die U18-WM wegen Corona abgesagt wurde, war ich dann auch verfügbar.

Sie sind Headcoach und haben vier Männer als Assistenten: Zwei Co-, ein Torwart-, ein Athletiktrainer. Klappt das?

Zur person

Franziska Busch , 35 Jahre, tritt mit dem deutschen Eishockeynationalteam der Frauen vom 6. bis 16. Mai bei der Weltmeisterschaft in Kanada an. Für sie, zeitgleich Chefin der deutschen U18-Frauenauswahl, ist es das erste Turnier als Bundestrainerin - und das ausgerechnet in komplizierten Corona-Zeiten. (FR)

Die Hierarchie ist nicht so, wie sie auf dem Papier erscheint. Und man sollte sich das nicht so vorstellen, dass ich die neue Chefin bin, die da reinkommt. Es ist ein großes Miteinander.

Mit der üblichen Aufgabenverteilung zwischen Chefin und Assistenten?

Ich mache das Mannschaftstaktische und unser Spiel Fünf gegen Fünf. Norbert Weber ist für die Verteidiger und das Unterzahlspiel zuständig, Thomas Schädler kümmert sich um die Stürmer und das Powerplay.

Wie steht es denn um das Frauen-Eishockey? Die Bundesliga mit ihren sieben Klubs wurde als Profiliga deklariert, Nachwuchsathletinnen mit Kaderstatus durften während Corona zumindest trainieren.

Es ist eine noch nie dagewesene Situation, sie hat alle vor Probleme gestellt, die Auswirkungen werden wir erst im nächsten Sommer sehen, wenn wir wieder Lehrgänge abhalten können. Der Kaderstatus hat enorm geholfen, einige junge Spielerinnen haben sich, wo es ging, Bundesliga-Teams angeschlossen. Aber es musste teilweise ein großer Aufwand betrieben werden. Wir haben in Nordrhein-Westfalen eine Torfrau, die in ihrem Heimatverein die einzige Kaderathletin ist. Der Verein konnte ihr also kein Training anbieten. Sie fuhr dann zu Landeskadertrainings in NRW und schloss sich dem Bundesligateam in Mannheim an. Das waren aber zweieinhalb Stunden Fahrt. Die einfache Strecke.

Die Frauen-Bundesliga scheint gut durch die Saison gekommen zu sein. Bubbles wie die Männerklubs und konnte sie nicht bilden und keine hohe Testfrequenz anschlagen. Wie konnte es trotzdem klappen?

Ich erkläre es mir so: In der Bundesliga haben wir wenige Schülerinnen, die viele Kontakte gehabt hätten. Die meisten Spielerinnen studieren, das mussten sie von zu Hause aus tun, oder sie arbeiten im Homeoffice.

Jetzt steht die WM an. Deutschland spielt in der Gruppe mit Tschechien, Japan, Ungarn, Dänemark, da muss man unter die ersten Drei kommen, sodass man fürs Viertelfinale mit den fünf Großen (Kanada, USA, Finnland, Russland, Schweiz) qualifiziert ist.

Das Viertelfinale muss unser Anspruch sein. Aber die Gegner, auf die wir treffen werden, habe ich dieses Jahr nicht gesehen, und die letzte WM liegt schon zwei Jahre zurück. Wir werden vor allem auf uns schauen müssen.

WM in Kanada – da würden normalerweise auch reichlich Fans kommen, wenn sie dürften.

Ich habe selbst schon eine WM in Halifax gespielt, und das ist wirklich eine große Sache, bei der auch Spiele ohne kanadische und amerikanische Beteiligung bemerkt und die Teams erkannt werden, wenn sie mal in die Stadt schauen.

Alles wohl nicht möglich diesmal. Wie sieht das Hygienekonzept aus?

Wir müssen nach der Ankunft acht Tage in Einzelquarantäne. Das heißt acht Tage das Einzelzimmer im Hotel nicht verlassen zu können. Nach dieser Phase müssen die Spielerinnen weitere sechs Tage Einzelzimmer haben, damit man auf 14 Tage kommt.

Interview: Günter Klein

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