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Preisträgerin: Malaika Mihambo.
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Preisträgerin: Malaika Mihambo.

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Es geht um mehr

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Bei der Wahl „Sportler des Jahres“ fließt ins Gesamtbild die Popularität einer Sportart genauso mit ein wie die persönliche Aura oder charakterliche Eignung – und im Corona-Jahr zählen noch andere Aspekte.

Vermutlich haben sich Katrin Müller-Hohenstein und Rudi Cerne, die ZDF-Moderatoren bei der alljährlichen Preisverleihung „Sportler des Jahres“, selten so unwohl gefühlt wie diesmal. Fast ohne Gäste ist solch eine Ehrungsveranstaltung noch steriler als ein Sportereignis ohne Zuschauer. Ihr ist der feierliche Resonanzboden unter den Füßen weggezogen worden.

Malaika Mihambo hat im Vorjahr unter donnerndem Applaus die Bühne in Baden-Baden betreten – nun aber wunderte sich die Ausnahmeweitspringerin im leeren Saal selbst, dass sie ohne großen Leichtathletik-Wettkampf im Corona-Jahr 2020 erneut Deutschlands beste Sportlerin gewesen sein soll. Klar, sie führte mit 7,03 Meter die Weltrangliste an, aber in normalen Zeiten hätte das kaum gereicht.

Speziell in der Pandemie, in der Sportler für Unterhaltung sorgen und am besten noch gesellschaftliche Vorbilder sind, geht es um mehr als höher, schneller, weiter. Womöglich ist eine Aktion wie Mihambos Projekt „Herzsprung“, das sich den leider oft vergessenen Kindern widmet, die aktuell viel zu wenig Sport treiben, mehr wert als eine Platzierung bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft. Dass es die dreifache Bahnradweltmeisterin Emma Hinze oder die Biathlon-Medaillensammlerin Denise Herrmann gemessen an ihren Erfolgen sogar eher verdient hätten, steht außer Frage. Einerseits. Andererseits sind die Leistungen ohnehin kaum vergleichbar. Und eine solche Wahl ist sowieso subjektiv. Ins Gesamtbild fließt die Popularität einer Sportart genauso mit ein wie die persönliche Aura oder charakterliche Eignung. 960 Sportjournalisten dürften nach bestem Wissen und Gewissen entschieden haben. Trotzdem kann kritisch hinterfragt werden, warum der Triathlet Jan Frodeno mit einem für einen guten Zweck (und das eigene Image) veranstalteten „Ironman daheim“ noch auf dem Podium landet, wo er doch keinen echten Ironman bestreiten konnte.

Hinter ihm lagen der zurückhaltende Skispringer Karl Geiger (Vierter) oder der aufbrausende Tennisspieler Alexander Zverev (Sechster). Letzterer hat in 2020 viele Fortschritte im Umgang mit dem Racket gemacht, und Tennis ist immer noch eine überaus attraktive Sportart, aber gerade Deutschlands einziger Weltklassespieler sollte das Ranking als Anreiz verstehen: Mitten in einer weltweiten Krisensituation reicht es für einen Profisportler nicht, so gut wie möglich seinen Job zu erledigen. Wer neben dem Court auch nur ab und an den Eindruck erweckt, die Lebenswirklichkeit nicht wahrzunehmen, bekommt Punktabzug. Insofern hat die eigenartige Sportlerwahl schon die richtigen Sieger hervorgebracht.

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