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Erlösung für Vater Modeste

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Von: Peter Schwennecker

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Dortmunds Anthony Modeste (r) bejubelt sein Tor zum 2:2 mit Youssoufa Moukoko.
Dortmunds Anthony Modeste (r) bejubelt sein Tor zum 2:2 mit Youssoufa Moukoko. © dpa

Nach Torflaute: Der BVB-Stürmer wandelt auf schmalem Grat.

Nach dem Schlusspfiff hatte es Anthony Modeste eilig. In der fünften Minute der Nachspielzeit erzielte der 34-Jährige per Kopfball das 2:2 (0:1) im Bundesliga-Gipfel gegen den FC Bayern München und brachte den zum Bersten gefüllten Fußball-Tempel, so wie es Gäste-Trainer Julian Nagelsmann treffend beschrieb, zur Explosion. Der Ex-Kölner lief nicht zu den Fans, sondern steuerte gezielt auf die Westtribüne zu, wo er seine beiden Kinder Brooklyn und Kihanna fest in die Arme nahm. Um sie an seiner Erlösung teilhaben zu lassen.

Nicht auszudenken, was sich der zuletzt so in der Kritik stehende Franzose hätte anhören müssen, wenn er dem BVB nicht den Punkt gerettet hätte. Zuvor hatte er in der 83. Minute freistehend eine Riesenchance zum Ausgleich vergeben. Eine Slapsticknummer, mit der er nicht nur die Fans auf der Süd fast schon zur Verzweiflung getrieben hatte. „Wir haben uns in dem Moment auf der Bank gedacht: Wie brutal kann der Fußball sein, in dem Fall gerade auch für ihn?“, gestand Sportdirektor Sebastian Kehl ein. Und war erleichtert: „Aber dann ist er trotzdem in der 95. Minute da, und das Stadion mal kurz auseinandergerissen worden.“

Die ersten Wochen in Dortmund waren für den 34 Jahre alten Routinier nicht einfach. Am 27. August hatte er das Tor zum 1:0-Erfolg bei Hertha BSC erzielt, danach nicht mehr getroffen. Zuletzt in Sevilla und gegen die Bayern erhielt sogar der erst 17-jährige Youssoufa Moukoko den Vorzug in der Startformation. „Mein Wechsel war schwierig. Ich habe sehr viel auf den Deckel gekriegt“, beschrieb Modeste seine Gefühlslage. „Aber ich bin lange im Geschäft, habe alles gesehen. Ich muss positiv bleiben.“

Und dann verriet er sogar – was im Profibereich sehr selten ist – Interna aus dem Trainingsbetrieb, erzählte von seinem persönlichen Appell an seine Teamkollegen. „Ich habe mich unter der Woche beschwert, weil wir nicht genug Flanken schlagen“, berichtete Modeste. „Ich habe ihnen gesagt, wir müssen nicht mehr sexy spielen, sondern effektiv.“

Terzic ließ ihn nun in den letzten 20 Minuten neben Moukoko stürmen. Modeste bereitete den Anschlusstreffer durch den Youngster vor (74.) und gab alle Komplimente brav an seinen jungen Kollegen weiter. „Ich freue mich auch für Mouki. Er hat in den letzten Spielen sehr, sehr gut gearbeitet. Wir sind eine Familie und ich wünsche ihm das Beste“, beschrieb er sein inniges Verhältnis zum BVB-Talent. „Ich bin sein Vater“, lächelte Modeste.

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