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Erfolgreich in der Nische

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Von: Günter Klein

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Königin der Rodelpiste: Natalie Geisenberger.
Königin der Rodelpiste: Natalie Geisenberger. © dpa

Die deutsche Medaillenflut sollte nicht überhöht werden. Sie ist auch ein Abbild fehlender internationaler Konkurrenz in vielen Wintersportarten. Der Kommentar.

Die Olympischen Sommerspiele sind unglaublich vielfältig, was ihr Programm betrifft – doch sie haben zwei klare Kernsportarten: das Schwimmen und die Leichtathletik. Denn theoretisch könnte jeder auf der Welt schnell laufen, weit springen oder ein Gewässer zügig und ausdauernd durchkraulen. Und wie steht es im Winter? Was ist da die Sportart, das Event, um das sich die anderen ranken? Ist es das Abfahrtsrennen im alpinen Skisport? Oder die Kür im Eiskunstlauf? Die längste Langlaufstrecke? Ein spektakulärer Sprung mit dem Snowboard? Das disziplinübergreifende Spektakel der Ester Ledecka?

Man muss sich mit diesen Fragen auseinandersetzen beim Blick auf den Medaillenspiegel, der Deutschland zur Halbzeit der Spiele 2022 in einer tollen Position findet. Was sagt das aus? Sind wir eine Wintersportnation, obwohl wir hierzulande kaum noch Schnee erleben und von den Bergen viel weniger abbekommen haben als Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien? Nun, es wäre wohl vermessen, ein solches Bild von sich zu pflegen. Richtig ist vielmehr: Wir sind an den vielen nasskalten Wochenenden eine Wintersportfernsehnation. Samstags und sonntags füllen Rodeln, Bob, Skeleton, Biathlon, Skispringen und Co. die öffentlich-rechtlichen Kanäle bis zum Anschlag.

Ohne Anlagen keine Chance

Diese breite mediale Abdeckung aber ist eine Basis, auf der etliche Sportarten gut leben können. Machen wir uns nichts vor: Rodel, Bob und Skeleton sind keine Weltsportarten, sondern nur Nationen zugänglich, die sich die dafür notwendigen Sportanlagen halten. Und ein ernsthafter Skispringer kann nur werden, wer nahe einer Schanze aufwächst – ansonsten wird es maximal eine Eddie-the-Eagle-Karriere.

Deutschland bietet zudem über Bundeswehr und Polizei Absicherung für seine Sportler, hat also gute Voraussetzungen, damit sich eine Weltspitze bilden kann. Der Erfolg hält das Modell am Laufen. Wie die Rodler-Crew (auch dank kreativer, medaillenträchtiger neuer Wettkampfformate) abgeräumt hat in Peking, ist ein nicht zu schlagendes Argument: Die sturmzerstörte Bahn am Königssee muss wieder aufgebaut werden.

Das Bild des weltweiten Leistungsstands im Winter ist ein Mosaik aus Nischensportarten: Die Niederländer stehen im Medaillenspiegel auch top da – aber nicht dank breiter Streuung. Sie können gut auf Schlittschuhen mit langen Kufen laufen. Eisschnelllauf ist ihr Rodeln. Ansonsten sind die Niederlande ein Wintersportreiseland.

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