1. Startseite
  2. Sport

Epischer Zweikampf

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jörg Hanau

Kommentare

Unzertrennlich bei der Tour: Tadej Pogacar (vorne) und Jonas Vingegaard. afp
Unzertrennlich bei der Tour: Tadej Pogacar (vorne) und Jonas Vingegaard. afp © afp

Die Experten waren sich einig: Tadej Pogacar wird der Hattrick bei der Tour de France gelingen. Doch Jonas Vingegaard ist vorne und sorgt dafür, dass es spannend wie lange nicht zugeht.

Wenn man ihn ließe, Jonas Vingegaard, diesen drahtigen Dänen, würde er Tadaj Pogacar vermutlich selbst am Ruhetag der Tour de France bis auf die Toilette begleiten. Der Träger des Gelben Trikots hing während der letzten Etappen wie eine Klette am Stilisten aus Slowenien. Was auch immer Pogacar versuchte, jede noch so kleine Attacke, der Kapitän des Teams Jumbo-Visma lutschte in den vergangenen Tagen stets am Hinterrad des zweimaligen Tour-de-France-Siegers. Seine Botschaft, so klar wie unmissverständlich: du kommst hier nicht weg.

Seit Vingegaards taktischer Meisterleistung und Pogacars überraschendem Einbruch am Col du Granon rollt der Däne nun in Gelb über französische Landstraßen. Sein Vorsprung klingt respektabel, zwei Minuten und 22 Sekunden sind im Radsport eine kleine Ewigkeit. Und doch, wie schnell es gehen kann, die Minuten dahinschmelzen wie ein Lavendeleis in der französischen Mittagshitze, haben wir in der zweiten Tourwoche miterleben können. Und das ist gut so.

Denn selten war die Tour durch Frankreich so spannend wie in diesem Jahr. Die Dominanz Pogacars im Vorjahr ließ eigentlich nichts Gutes erahnen für die 109. Auflage der bedeutendsten Rundfahrt der Welt. Die Experten waren sich unisono einig: Tadej Pogacar wird der Hattrick gelingen. Von wegen.

Nun ist alles anders. Ein Duell auf Augenhöhe - wenn der Tour-Tross am Dienstag in Richtung Pyrenäen aufbricht, liegen die Vorteile klar bei dem 25 Jahre alten Dänen. Pogacar muss angreifen. Vingegaard kann das Rennen kontrollieren. Zwei schwere Bergetappen und ein 40 Kilometer langes Zeitfahren am vorletzten Tag der Tour de France bleiben Pogacar noch, die alten Machtverhältnisse herzustellen.

Ein epischer Zweikampf bei 40 Grad im Schatten - unmenschlich und irgendwie auch wahnsinnig. Und doch verbunden mit einer großen Faszination für all jene, die den Radsport lieben. Ob dabei alles mit rechten Dingen zugeht? Oder geschluckt und gespritzt wird, was die Apotheke hergibt? Wir wissen es nicht. Seit sieben Jahren gab es während der Frankreich-Rundfahrt zwar keinen Dopingfall mehr - der Zweifel bleibt dennoch ein ständiger Begleiter.

Ebenso wie das Coronavirus. Bislang erwischte es acht Fahrer. Am Montag standen in Carcassonne die nächsten verpflichtenden Tests an. Es wäre positiv, blieben alle negativ. Nicht auszudenken, würde die Entscheidung über den Toursieg nicht auf dem Rad, sondern per PCR-Test fallen. Ein Virus als unsichtbarer Rivale im Kampf um Gelb? Nicht für Pogacar: „Covid ist kein Rivale. Es ist nur ein Virus, das Dinge beeinflussen und eine Tour ruinieren kann.“ Das freilich möchte niemand, nicht Pogacar, nicht Vingegaard - und schon gar nicht der Veranstalter.

Auch interessant

Kommentare