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Endstation Viertelfinale

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Von: Günter Klein

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Viel los vorm deutschen Tor: Matej Blumel (links) gegen Moritz Müller.
Viel los vorm deutschen Tor: Matej Blumel (links) gegen Moritz Müller. © dpa

Für die deutschen Eishockeyspieler ist WM in Finnland nach 1:4 gegen Tschechien beendet.

Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm hat seine Coaching-Ausbildung beim EHC München gemacht, seine erste Assistentenstelle 2016/17 war unter Don Jackson, dem mit acht Meisterschaften erfolgreichen Trainer der Deutschen Eishockey Liga. Man merkte Söderholm seine Sozialisierung an: Sein amerikanischer Lehrmeister pflegt, in entscheidenden Spielen verrückte Dinge zu unternehmen, um eine Niederlage abzuwenden – und so ließ auch der Finne Söderholm nichts unversucht, um doch noch das Halbfinale der Weltmeisterschaft 2022 zu erreichen.

Zehn Minuten vor Schluss, beim Stand von 0:3, begann er, seinen Torhüter Philipp Grubauer bei jeder Gelegenheit vom Eis zu winken und einen zusätzlichen Stürmer zu bringen. Seinen besten Block ließ er einmal sogar drei Minuten am Stück spielen und erzwang den Anschluss zum 1:3. „Warum warten?“, meinte Söderholm. Doch belohnt wurde sein Wagemut letztlich nicht. Tschechien kam noch zu einem „Empty net goal“ – und so schied Deutschland nach einer imponierenden Vorrunde im Viertelfinale mit einem 1:4 (0:2, 0:1, 1:1) gegen den Weltmeister von 2010 aus.

Ein Fall von „Raus mit Applaus“, denn man war näher dran, als es das Ergebnis vermuten ließe. Drei deutsche Treffer ans Aluminium waren Beleg dafür. Was halt nicht klappte: das Penalty-Killing. 0:1 (David Pastrnak/3.), 0:2 (Roman Cervenka/11.) und 0:3 (David Krejci/33.)) kassierten die Deutschen, als einer von ihnen auf der Strafbank saß. Erfolgsquote in Unterzahl somit 0,0 Prozent – ungewöhnlich. „Da haben wir die Fehler gemacht, das war entscheidend“, fand der machtlose Torhüter Philipp Grubauer. „In den Special Teams hätten wir einiges besser machen können – dafür übernehme ich die Verantwortung“, sagte Söderholm, der bekannte: „Ich hatte alle Pläne.“ 2021 in Riga hatte er das WM-Halbfinale erreicht.

Die Mischung aus Pech bei den eigenen Offensivbemühungen und der Schwäche in einigen Zweikämpfen (Söderholm: „Manchmal fehlen nur Millisekunden“) hob auf, „dass wir bei Fünf gegen fünf einen ganz guten Job gemacht haben“, wie Abwehr-Routinier Korbinian Holzer fand. Die Bilanz des Viertelfinalspiels war also gemischt – die des gesamten Jahres für die deutsche Mannschaft ebenfalls.

„Wir haben die richtige Antwort auf Olympia gegeben“, sagte Holzer, der bei beiden großen Turnieren dabei gewesen war. Peking sei „ein Schritt zurück“ gewesen, doch bei der WM „haben wir diesen Schritt wieder nach vorne gemacht“. Bei Olympia war Söderholms Team in der Qualifikation zum Viertelfinale gescheitert, überzeugte in keiner seiner vier Partien. Bei der WM in Finnland gewann sie von acht Spielen fünf. Ab dem Auftaktspiel gegen Kanada „sind wir in jedem Drittel mehr zusammengewachsen“, analysierte Holzer.

„Die Truppe hat Spaß gemacht“, so lautete die Bilanz von NHL-Goalie Philipp Grubauer, der als Nummer eins gesetzt war und Meistertorhüter Mathias Niederberger zurückdrängte. Die Personalauswahl der nächsten Jahre „wird spannend“, erwartet Grubauer, nach etlichen Absagen von Stammkräften musste Söderholm notgedrungen auf „neue Impulse“ setzen. Die Preise für die besten Turnierspieler auf den Positionen Tor – Abwehr – Sturm verteilte Söderholm aber auf seine etablierten Spieler aus Nordamerika: Philipp Grubauer, Moritz Seider (schoss das 1:3), Marc Michaelis.

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