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Hat ab Sonntag ausgedient: das Dreisamstadion des SC Freiburg. imago images
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Hat ab Sonntag ausgedient: das Dreisamstadion des SC Freiburg. imago images

Ein Fußball-Stadion hat ausgedient

Ende Legende

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Am Sonntag spielt der SC Freiburg zum letzten Mal in der Bundesliga im Dreisamstadion. Abschied von einem Unikat in der deutschen Stadion-Landschaft.

Dieses Fußballstadion ist eine Unverschämtheit. Das Spielfeld: ein paar Meter zu kurz und mit einem Gefälle von einem Tor zum anderen von einem ganzen Meter. Der Gästeblock: reingezwängt in die letzte Ecke, zu niedrig, man sieht schlecht. Die sanitären Anlagen sind veraltet, es gibt viel zu wenig Parkplätze, und wer das Dreisamstadion als Journalist besucht, landet erst unter der Haupttribüne in einem sardinenbüchsenartigen Presseraum aus Blech, dann auf einer Pressetribüne, auf der man neben dampfenden Kollegen sitzt wie Hühner auf der Stange.

Ja, es ist eine Zumutung. Eine wunderschöne, einzigartige Zumutung, und jetzt ist es dann vorbei.

Am Sonntagnachmittag, um 17.30 Uhr, wird zum letzten Mal ein Bundesligaspiel im Freiburger Dreisamstadion angepfiffen: SC Freiburg gegen den FC Augsburg. Dann, nach 360 Spielen in der Ersten und 406 Spielen in der Zweiten Fußball-Bundesliga, verlässt der Sport-Club seine alte Heimat ganz im Osten der Stadt und zieht in den Nordwesten. Dort steht bereits eine nigelnagelneue Fußballarena, weißglänzend, wie aus einem großen Stück Marmor rausgeschlagen.

Weil nichts passt, passt alles

Es muss sein, weil es halt sein muss, wenn dieser Klub von der Modernisierungsmaschinerie des Profifußballs nicht geschreddert werden will. Aber geht es auch gut? „Man hat ja oft automatisch Angst vor Veränderung. Dementsprechend habe ich auch die Sorge gehabt, dass wir unsere Werte verlieren könnten – werden wir zu groß?“, hat Freiburgs Stürmer Nils Petersen neulich in der „Sportbild“ gesagt, stellvertretend für viele Fans und Traditionalisten. Und ist das nicht der eigentlich gefährliche Schredder: dass ein Klub sich irgendwann selbst nicht mehr erkennt, weil er versucht mit den anderen mitzuhalten?

In Freiburg treibt nicht wenige die Frage um, wie viel Verwechselbarkeit sich ein Verein sich leisten kann, der ohnehin regelmäßig für Mainz 05 und den FC Augsburg gehalten wird und den manch unbeholfener Beobachter hin und wieder tatsächlich noch FC Freiburg nennt. Der ab Oktober zwar in ein ohne jede Frage tolles Stadion einzieht, das nicht nur drinnen schön atmosphärisch ist und draußen diese feinen Stahlverstrebungen zeigt, sondern auch klimaneutral sein soll, mit angeschlossenen Fernwärmeleitungen und einem Solarkraftwerk auf dem Dach. Aber, was das Äußere angeht: Das neue Stadion des badischen Rivalen Karlsruher SC sieht ziemlich ähnlich aus. Und beim Inneren verhält es sich bei modernen Fußballstadion inzwischen so wie bei den meisten Innenstädten: Wüsste man nicht, wo man wäre – man wüsste nicht, wo man wäre. Weil alles gleich aussieht, wie geschleckt.

Das Stadion an der Dreisam, zu Füßen des Schwarzwalds, dessen Tannenwipfel über die Nordtribüne lugen, als würden sie sich für Fußball interessieren, war ein letztes Unikat im deutschen Profifußball. Jede der vier Tribünen hat seinen eigenen Stil, wurde zu einer anderen Zeit hochgezogen im Laufe der vergangenen 30 Jahre, und gerade weil nichts zusammenpasste, passte alles zusammen. Der SC Freiburg wuchs stetig hinein in den großen Fußball und mit ihm sein Stadion an der Schwarzwaldstraße, Pass für Pass, Stein für Stein.

Welche Geschichten die Steine wohl erzählen würden, könnten sie reden? Vielleicht würden sie von Uwe Wassmer erzählen, dem Stürmer, der beim 3:1-Sieg in der ersten Bundesligasaison 93/94 gegen den großen FC Bayern München alle drei Tore schoss. Bestimmt vom 5:1 gegen die Bayern in der Saison drauf, welche die Freiburger sensationell auf Platz drei abschlossen. Gewiss vom Golfball, der Oliver Kahn im Jahr 2000 gegen den Kopf flog und eine blutende Wunde hinterließ. Oder von Volker Finke, der ersten Freiburger Trainerlegende, der in einem Strandkorb am Spielfeldrand saß. Und auch vom inzwischen nicht weniger legendären Trainer Christian Streich würden die Steine sicherlich erzählen, der wie kaum ein anderer für die SC-Werte steht und die Hoffnung verkörpert, dass dieser Klub sich so schnell nicht fremd wird.

Es ist ja wie immer: Man lässt etwas da. Man nimmt etwas mit. Und dann geht es weiter.

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