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Emilio knabbert am Gnadenbrot

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Von: Katja Sturm

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Auf Abschiedstour in Wiesbaden: Emilio mit Isabell Werth.
Auf Abschiedstour in Wiesbaden: Emilio mit Isabell Werth. Foto: Imago Images © Imago

Der hochdekorierte Wallach von Isabell Werth geht beim Pfingstreitturnier in Wiesbaden letztmals ins Dressurviereck.

Es wird Emilios erster und zugleich auch letzter Auftritt beim Pfingstturnier in Wiesbaden sein. Die Reiterin des 17-jährigen Westfalen, Isabell Werth, hat nach dem gemeinsamen Kür-Triumph des Dressurpaares vor zwei Wochen in Mannheim verkündet, dass der sportliche Weg des Wallachs zu Ende geht. In diesem Jahr will die Olympiasiegerin noch ein paar Vorstellungen mit dem treuen Gefährten absolvieren; dann darf er im heimischen Rheinberg die Rente genießen.

„17 Jahre ist eine magische Grenze“, erklärt Werth. So gut wie alle ihrer Sportpferde hätten um dieses Alter herum ihre Karriere beendet. Ihr selbst ist es wichtig, dass ihre Partner sich auf höchstem Niveau verabschieden. Emilio zählt in diesem Jahr sogar noch zu dem Trio, mit dem Werth im Championatskader steht, der Auswahl also, aus der heraus die Equipen für die Großereignisse bestückt werden. Zwar setzt die 53-Jährige mit Blick auf die Europameisterschaften Ende Juli/Anfang August in Riesenbeck auf Quantaz und wird den 13-Jährigen auch bei der deutschen Meisterschaft in zwei Wochen in Balve vorstellen, die als erste Sichtung für die Kandidaten von Bundestrainerin Monica Theodorescu gilt. „Aber man weiß nie, was passiert“, sagt die Pferdesportlerin.

Es wäre ein Kuriosum, sollte es Emilio gelingen, sich in das Team hineinzuschieben. Denn trotz seiner beeindruckenden Laufbahn mit etwa 50-Grand-Prix-Siegen und drei nationalen Meistertiteln, die ihn zu einem der erfolgreichsten Vierbeiner unter Werths Sattel machen, hat das „Charakterpferd“ nie den Sprung zu Welt-, Europameisterschaften oder Olympischen Spielen geschafft. „Er hatte das Pech, dass er immer im Schatten stand“, erklärt seine Reiterin, die als weltweit erfolgreichste ihrer Zunft stets über einen gut bestückten Stall verfügt. Vorwiegend waren es die beiden noch stärkeren Frauen nebenan, die dem Kollegen im Weg standen: Weihegold, mit der Werth unter anderem bei der EM 2017 in Göteborg dreimal Gold holte, und ihre geliebten Bella Rose, die bei der WM 2018 zum Titel im Spécial piaffierte und passagierte und bis heute das Maß für alle anderen ist.

Nerven im Griff

Eine gewisse Wehmut sei immer dabei, wenn ein Pferd vor dem Absprung aus dem internationalen Turniergeschäft steht, sagt Werth. Mit Emilio hat sie einiges durchgemacht; das kraftvolle, aber sensible Pferd ließ seine Züchter anfangs verzweifeln, wollte niemanden an sich heran und aufsitzen lassen, weil es Angst hatte. Den Schmied mit seiner Lederschürze mag Emilio zwar noch immer nicht leiden, aber ansonsten hat er sich, auch wenn er manchmal wieder in seine alte Schreckhaftigkeit zurückfällt, bestens gemacht, hat seine Nerven überwiegend im Griff und vertraut vor allem auch seiner Reiterin. Das bewies er im Dezember erst beim Frankfurter Festhallen-Reitturnier, als es mitten im Vortrag der beiden gehörig im kaputt gegangenen Lautsprecher zu knacksen begann. Werth hielt daraufhin an, um ein Ende der Störung abzuwarten; Emilio ließ das stoisch über sich ergehen und knüpfte danach gleich wieder an die zuvor gezeigte Leistungsstärke an.

Vor der Kür, die die beiden zusammen an diesem Wochenende im Biebricher Schlosspark zeigen wollen und bei der sie unter anderem auf die für den Frankfurter Turnierstall Schwarz-Gelb startende Team-Olympiasiegerin Dorothee Schneider und deren Stute Sisters Act treffen, macht Werth sich denn auch keine Sorgen, obwohl dort beim Tanz zur Musik unter Flutlicht auch stets ein paar Schatten mitgeistern und die Tiere nicht selten irritieren. „Das sollte er schaffen“, betont sie mit Blick auf ihren Partner.

Beim Thema Karriereende fühlt sie selbst sich im Übrigen auch schnell angesprochen. Die Olympischen Spiele 2024 in Paris, so hatte sie es einmal gesagt, würden für sie „eine Zäsur“ bedeuten. Was nicht heißen soll, dass sie danach Schluss macht. Noch immer bilde sie mit viel Spaß Talente aus. Diese Arbeit sei ihr deutlich wichtiger, als Titel und Medaillen zu sammeln.

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