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Elisabeth Seitz: „Ich habe meine Tricks gefunden“

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Ein Ausrufezeichen gesetzt: Elisabeth Seitz im Ganzkörpereinteiler bei den Olympischen Spielen in Tokio.
Ein Ausrufezeichen gesetzt: Elisabeth Seitz im Ganzkörpereinteiler bei den Olympischen Spielen in Tokio. © imago images/Schreyer

Die Weltklasseturnerin Elisabeth Seitz will mit ihrem Buch „Charakterstark“ auch Vorbild sein.

Mentale Stärke spielt im Leistungssport eine zentrale Rolle. Elisabeth Seitz (28) – zweifache EM-Medaillengewinnerin und WM-Dritte – hat das in ihrer Karriere mehrmals erfahren. Vor Kurzem veröffentlichte das Turn-Ass ihr erstes Buch „Charakterstark“, ein Ratgeber zum Umgang mit schwierigen Situationen und mentalem Druck. Im August dieses Jahres wartet mit der Heim-EM eine nächste Drucksituation auf die Stuttgarterin.

Frau Seitz, was bedeutet Ihnen Ihr erstes Buch?

Ich bin wahnsinnig stolz, dass ich sagen kann: Ich habe ein eigenes Buch mit meinem Gesicht, mit meinen Texten. Das ist etwas, was ich mir bis vor Kurzem nicht vorstellen konnte. Die Idee war zu teilen, wie ich das alles schaffe, und zwar so, dass es ein Ratgeber mit eigenen Anekdoten ist.

Vielleicht kommt im August noch eine Anekdote hinzu. Dann steht die EM in München an. Wie fühlen Sie sich im Hinblick darauf?

Ich freue mich extrem. Das letzte große Event mit Zuschauern war die Heim-WM 2019 in Stuttgart. Dieses Jahr fiebere ich schon sehr auf die EM hin, zum einen, weil sie in Deutschland stattfindet und zum anderen, weil es nicht nur eine reine Turn-EM ist. Das wird ein Zuschauermagnet.

Haben die Zuschauenden dann auch die Chance Ihr eigenes Element, den Seitz (Aufschwung am Stufenbarren mit Längsachsendrehung, Anm. d. Red.), noch einmal zu sehen?

Tendenziell eher nicht. Nicht, weil er mir nicht mehr gefällt, sondern weil das Element sehr schwer ist, aber gleichzeitig von der Wertigkeit nicht so schwer eingestuft wurde wie erhofft. Das ist sehr schade, weil ich ihn gerne wieder zeigen würde.

In Deutschland wird sehr viel über Fußball gesprochen, würden Sie sich für das Turnen mehr Aufmerksamkeit wünschen?

Die Wunschvorstellung ist die, dass Fußball nicht mehr über allem thront. Natürlich würden wir uns ähnlich viel Aufmerksamkeit wünschen, wobei ich zugeben muss, dass ich in der Hinsicht fast aufgegeben habe. Trotzdem wünsche ich mir, dass wir Stufe für Stufe in die Richtung kommen. Und bei „wir“ rede ich nicht nur vom Turnen, sondern auch von den anderen Sportarten, die zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.

Bei der EM werden die Turner und Turnierinnen dagegen besonders im Rampenlicht stehen. Damit geht auch eine Menge Druck einher. Wie gehen Sie damit um?

Tendenziell wird der Druck immer größer. Ich habe aber meine Tricks in den letzten Jahren herausgefunden, um bei mir selbst zu bleiben und mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, vor allem durch Rituale. Ich schmiere zum Beispiel vor dem Wettkampf die Holmen des Barrens immer mit Honig und Magnesia ein, dabei folge ich immer demselben Ablauf.

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie ein Vorbild für junge Mädchen sein wollen. Würden Sie ihnen den Weg in den Turnsport empfehlen?

Ich würde es schon empfehlen, allerdings mit dem Zusatz, dass es ziemlich hart ist. Das Wichtigste ist doch aber nicht, ob es Leistungs- oder Breitensport ist, sondern, dass es Spaß macht. Solange du tatsächlich Spaß daran hast und der Druck nicht überhandnimmt, versuche es.

Beim Sport steht auch das Wohlfühlen im Vordergrund. Gerade deshalb haben Sie die Ganzkörpereinteiler mit initiiert. Wie sieht hier die Zukunft aus?

Wir haben mit den Unitards ein ziemliches Ausrufezeichen gesetzt. Vorher haben wir uns zwangsläufig mit den Fragen beschäftigt: Was ist, wenn jetzt mein Anzug verrutscht? Oder ist das vielleicht sogar schon passiert und die Leute schauen mich deshalb alle so komisch an? Wir haben gezeigt, dass man mit Kleinigkeiten ganz viel verändern kann. Die Message dahinter war, dass man die Wahl haben soll, was man trägt.

Welchen Traum möchten Sie sich in oder nach Ihrer Karriere noch erfüllen?

In meiner Karriere gibt es noch den Traum von einer Medaille bei den Olympischen Spielen. Selbst wenn das nichts wird, ist mein Lebenstraum nicht zerplatzt. Es kommt noch ein Leben nach dem Turnen. Ich möchte einen Beruf haben, in dem ich glücklich bin. Ich hätte gerne Kinder und ein normales Familienleben.

Interview: Michel Egenolf

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