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Eishockey: Auf dünnem Eis

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Von: Markus Katzenbach

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Einlauf im Dunkeln: Die Adler Mannheim kommen zum Spiel gegen die Krefelder Pinguine auf die Eisfläche. imago images
Einlauf im Dunkeln: Die Adler Mannheim kommen zum Spiel gegen die Krefelder Pinguine auf die Eisfläche. © Thomas Frey/Imago

Die deutsche Eishockey-Liga DEL will insgesamt klimafreundlicher werden und den hohen Energieaufwand rund ums Eishockey verringern.

Wer beispielsweise in Mannheim zum Eishockey geht, kann den Wandel am eigenen Leib spüren. „Wir haben die Hallentemperatur um zwei, drei Grad heruntergefahren“, berichtet Matthias Binder von den Veränderungen in der hiesigen Arena. „Das macht schon einiges aus.“ In einem Prozess, in den er in doppelter Rolle eingebunden ist – der Geschäftsführer der Adler Mannheim ist auch Sprecher der von der DEL neu gegründeten Kommission Nachhaltigkeit, in Verbindung mit hehren Zielen: Die erste Klasse des deutschen Eishockeys will bis 2030 die CO2-Emissionen auf 50 Prozent reduzieren, um bis 2040 bei Null zu sein, entsprechend dem „Race to Zero“ der Vereinten Nationen – mit Maßnahmen, die teilweise auch bei der Lizenzierung berücksichtigt werden sollen.

„Es geht darum, Eishockey fit zu machen für die Zukunft, dass es Eishockey auch in 20 Jahren in Deutschland noch gibt. Aber dafür braucht es auch noch eine Erde, auf der gespielt werden kann. Das geht uns alle etwas an“, erklärte Geschäftsführer Gernot Tripcke bei der Vorstellung der neuen Nachhaltigkeitsstrategie, zu der die Liga am Montagmittag in die Frankfurter Gerbermühle geladen hatte. „DEL4 – das vierte Drittel“, solle als Titel für die Verantwortung des Sports über das dritte Drittel hinaus stehen.

Neben dem Umweltschutz sind drei weitere Felder benannt: Integrität des Spiels mitsamt finanziellen Fragen, Nachwuchsförderung sowie soziales Miteinander mit einer klaren gesellschaftlichen Haltung. Wichtig ist dem Ligachef, „dass das alles für uns dazugehört und wir Nachhaltigkeit auch so definieren“. Mit Themen, denen man sich schon länger widmet, die man aber im Zuge von Corona- und Energiekrise noch einmal aufgerollt hat, nicht nur wegen daraus entwachsenen Geldsorgen, mit noch stärkerem Fokus auf Umweltfragen.

Unnötigen Müll reduzieren

„Als Klub kommt man an dem Thema nicht mehr vorbei“, hat Matthias Binder gemerkt. Das würde auch von den Fans erwartet, die etwa auf die Vermeidung von unnötigem Müll drängen, und von Sponsoren, die sich selbst mit ihren Firmen der Nachhaltigkeit verpflichten. Binders erste Prognose: „Der Müll wird weniger, es wird kälter in den Hallen.“

Und das Eis womöglich dünner. Auch das spart Energie, wie Jörg von Ameln anführt, eine Sofortmaßnahme bei explodierenden Energiekosten. Gleichzeitig weiß der Leiter des DEL-Spielbetriebs, dass nicht ein Konzept auf alle Hallen anwendbar ist, dass in deren Verschiedenheit überall geschaut werden muss, was vor Ort möglich und sinnvoll ist und was nicht. Ebenso ist man sich bei der DEL bewusst, dass die Klubs dies gar nicht für sich bewältigen können. Schon weil die meisten nur Mieter in ihren Hallen sind, deren Betrieb oft – wie in Frankfurt – in städtischer Hand liegt.

„Wir müssen aber Konzepte erstellen, wo man sparen kann, und damit auf die Betreiber zugehen“; fordert Binder. Seine Kommission, besetzt mit Vertretern größerer und kleiner Klubs, Hallenbetreibern und externen Experten wie Stefan Wagner von der Initiative „Sports for Future“ oder Sebastian Tripp vom World Wildlife Fund (WWF), soll Vorschläge erarbeiten. Dass etwa jeder Klub einen Ansprechpartner für Nachhaltigkeit haben oder das Profil seines CO2-Fußabdrucks erstellen muss. Mit verbindlichen Maßnahmen, die über das Lizenzverfahren sichergestellt werden, aber auch mit Augenmaß, gemeinsam mit den Klubs, Stufe für Stufe.

„Wir haben keinen festen Plan für 18 Jahre“, betont DEL-Chef Tripcke. Das geht angesichts sich ständig ändernder Umstände auch gar nicht. Auf die Vereine kommt so oder so einiges zu, schon beim CO2-Fußabdruck. „Das geht vom Putzmittel bis zur Anfahrt der Fans“, erklärt WWF-Vertreter Tripp, von Ameln meint: „Oft kennen die Betreiber gar nicht genau die Verbrauchskosten für die das Eishockey betreffenden Bereiche. Da werden die Klubs noch Spaß haben.“

So oder so: „Wichtig ist, dass man losgeht und sich Ziele setzt, an denen man sich messen lassen kann“, sagt Experte Wagner. Der Sport stehe voll im Fokus, wenn es um Nachhaltigkeit gehe, meint er. Gerade das Eishockey mit hohem Energieaufwand für Eisflächen bietet sich als Angriffsfläche. Statt als Negativbeispiel in Klimafragen zu dienen, will Gernot Tripcke den Spieß umdrehen und Vorbild sein. Und wenn es nicht vorangeht, die ganze Kampagne zum vermeintlich umweltfreundlichen Schein ohne Substanz wird? „Dann“, ahnt er, „wird uns der WWF schon in den Allerwertesten treten“.

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