1. Startseite
  2. Sport

Einst wie jetzt

Erstellt:

Von: Günter Klein

Kommentare

Sitzreihen und das Dach im imposanten Münchner Olympiastadion.
Sitzreihen und das Dach im imposanten Münchner Olympiastadion. © dpa

Was bei den European Championships 2022 von Olympia in München 1972 geblieben ist - und was nicht.

Back to the roofs“ ist ein guter Slogan. Denn er spielt mit der Idee des „Zurück zu den Wurzeln“ (roots), dass die am Donnerstag gestarteten European Championships Munich 2022 sich also anlehnen an die Olympischen Spiele von 1972. Der Sport trifft sich wieder unterm (Zelt-)Dach, dem „roof“. Wobei der gelegentliche Hinweis, neun Europameisterschaften fänden unter einem Dach statt, nicht ganz richtig ist. Denn wie schon vor 50 Jahren gilt: Es geht auch nach draußen.

Das Olympiastadion ist das Herzstück, damals wie heute. 1972 beherbergte es aber nicht nur die Leichtathletik, sondern auch Fußball und den Mannschaftswettbewerb im Springreiten – aber Fußball und Pferdesport sind bei den Championships ebenso wenig im Programm wie Schwimmen.

Verschwunden aus dem Olympiapark ist der Bahnradsport. Das Velodrom von 1972 erfuhr keine dauerhafte Nachnutzung. Die Radbahn ist bei den Championships ein temporärer Bau in der Messe.

Als die Spiele in München waren, klebten die Menschen am Olympiaberg, um von dort aus mitzubekommen, was sich im Stadion tat. Das wird 2022 nicht in dem Maß der Fall sein können, denn der Berg ist hergerichtet für die neuen Raddisziplinen Mountainbike und BMX.

Vor fünf Jahrzehnten noch gar nicht erfunden war der Triathlon – nun hilft er, den Olympiasee einzubeziehen, der 1972 nur zur Zierde da war. Nicht einbezogen bei den European Championships ist der Nordteil des Olympiaparks: Seinerzeit waren dort Volleyball (der Bau ging an den Hochschulsport) und Hockey (das Stadion wurde abgebaut) gespielt worden. Die Eishalle, in der 1972 geboxt wurde, ist nun Volunteers-Center.

Die Messe war 1972 ein Olympiaviertel – allerdings noch die alte auf der Schwanthaler Höhe. Sie bot Ringen, Judo, Gewichtheben und Fechten eine Heimat – Sportarten, die bei den EMs nicht vertreten sind.

Alte Pläne hängen noch

Zum Konzept der Münchner Spiele gehörte es, lokale Sehenswürdigkeiten einzubeziehen: Bogenschießen wurde im Englischen Garten ausgetragen, Dressurreiten vor Schloss Nymphenburg – das auch die Marathonläufer passierten, ebenso wie den Königsplatz. 2022 spielt der Königsplatz eine tragende Rolle – für Klettern und Beachvolleyball, eine 1972 noch nicht absehbare Zukunft. Gehalten hat sich – obwohl sie zwischenzeitlich vom Verfall bedroht war – die Rudi-Sedlmayer-Halle. Der FC Bayern München hat sie gerettet und zum Dome gemacht, in der wie damals Basketball gespielt wird. Das Championships-Angebot 2022: Tischtennis.

Ein rauschendes Comeback erlebt die Oberschleißheimer Regatta mit Rudern und Kanu. Zuletzt entwickelte sich die riesige Tribüne in Richtung eines „lost place“. Schon 2007 bei der WM hatte die Weltpresse Witze über den morbiden Charme gerissen – weil noch die originalen Fernsehablaufpläne von 1972 aushingen. Sie sind noch da.

Die Straßenradfahrer brettern mitten durch die City. 1972 hatte man sie noch in Grünwald starten und ankommen lassen. 2022 hat der noble Ort seine Ruhe.

Auch interessant

Kommentare