Tennis

„Einfach nicht wahr“

Vor den ATP-Finals ist Alexander Zverevs Privatleben weiter Thema.

Alexander Zverev wusste schon, was ihn erwartet. Natürlich wollte der deutsche Topspieler über seine Vorfreude auf die ATP-Finals sprechen – sein Lieblingsturnier in London. Doch dann drehten sich die Fragen an den 23-Jährigen erneut vor allem um die schweren Vorwürfe seiner Ex-Freundin. Zverev war vorbereitet, ein vorgefertigtes Statement lag auf seinem Knie.

„Die Anschuldigungen sind unbegründet und unwahr, und ich weise sie weiterhin zurück“, sagte Zverev zwei Tage vor dem am Sonntag beginnenden Turnier der acht Jahresbesten in der britischen Metropole: „Wir hatten unsere Hochs und Tiefs, aber so, wie unsere Beziehung in der Öffentlichkeit dargestellt wird, war es nicht.“ So sei er nicht, „so wurde ich nicht erzogen von meinen Eltern. Es macht mich traurig, welche Auswirkungen solche falschen Anschuldigungen haben können.“

Das schwierige Thema der von Zverev stets bestrittenen Vorwürfe seiner Ex-Freundin Olga Scharypowa wird Zverev auch beim letzten Turnier 2020 begleiten. Scharypowa hatte zuletzt auf der Website des US-Tennismagazins „Racquet“ gegenüber dem renommierten Tennisjournalisten Ben Rothenberg (unter anderem „New York Times“) neue Anschuldigungen über physische und psychische Gewalt während der 13-monatigen Beziehung erhoben. Auf rechtliche Schritte gegen Zverev möchte die Russin aber explizit verzichten.

In der Hoffnung auf sportliche Erfolge wird es für Zverev darauf ankommen, den Trubel auszublenden. Glücklich ist er laut eigener Aussage vor allem, wenn er auf dem Court steht. London und der Millennium Dome sind dabei ein ganz besonderer Ort für ihn. 2018 gelang Zverev mit dem Triumph beim Turnier der Tennisweltstars der endgültige Durchbruch, auch in diesem Jahr rechnet er sich eine Menge aus – trotz einer schwierigen Auslosung. In der Vorrundengruppe „Tokio 1970“ trifft er zunächst am Montag auf den Russen Daniil Medwedew, gegen den Zverev in der Vorwoche im Paris-Finale verloren hatte. Es folgen Duelle mit dem Weltranglistenersten Novak Djokovic und dem ebenfalls formstarken Argentinier Diego Schwartzman.

Viel wird davon abhängen, wie Zverev die Schlagzeilen seines Privatlebens ausblenden kann. In der Auseinandersetzung vertraut er auf den Rat seines nahen Umfelds, zudem hat er einen erprobten Krisenmanager an seine Seite geholt: Bela Anda, früherer Regierungssprecher und Kommunikationsprofi. Einen näheren Austausch mit der Spitze des Deutschen Tennis Bundes (DTB) hat es dagegen bislang in der Angelegenheit nicht gegeben.

DTB sieht „tolle Auftritte“

„Ohne etwas herunterspielen zu wollen – bisher sind es einseitige Vorwürfe, und sie sollten es am besten untereinander klären, wenn es etwas zu klären gibt“, sagte DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff: „Der Verband konzentriert sich auf das Sportliche. Für seine privaten Sachen hat er seine Familie und sein Management, wir sind auch keine Experten dafür. Wenn wir über das deutsche Tennis sprechen, hat er zuletzt tolle Auftritte gezeigt.“

Und Hordorff glaubt daran, dass Zverev in London an seine insgesamt starke Serie nach der Corona-Pause anknüpfen kann mit Finalteilnahmen bei den US Open und beim Masters in Paris sowie den beiden Titeln in Köln. „Jemand, der das Turnier schon gewonnen hat, gehört in London zu den Mitfavoriten“, sagte Hordorff: „Aber die ATP Finals sind so offen wie lange nicht mehr. Natürlich sind Novak Djokovic und Rafael Nadal zu nennen. Aber die Jungen stellen eine echte Herausforderung für die Führenden in der Weltrangliste dar.“ sid/FR

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