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„Das ist schon zäh und tut weh“: der deutsche Spitzenfahrer Thomas Dreßen über seine erneute Verletzungspause.
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„Das ist schon zäh und tut weh“: der deutsche Spitzenfahrer Thomas Dreßen über seine erneute Verletzungspause.

Thomas Dreßen

„Eine WM-Teilnahme ist unrealistisch“

Der deutsche Top-Abfahrer Thomas Dreßen über seine Hüft-OP, die mögliche WM-Teilnahme im Februar und wie es ist, Skirennen am TV verfolgen zu müssen.

Herr Dreßen, Sie waren bis auf die Weihnachtstage in der Reha in Bad Wiessee. Wie geht’s Ihnen?

Ich habe schon gute Fortschritte gemacht. Aber man sieht auch, dass die letzten Jahre, in denen ich bereits mit den Hüftproblemen Ski gefahren bin, Spuren hinterlassen haben. Nicht nur in der Hüfte, sondern auch in der Muskulatur drum herum. Die hat sich an die Schonhaltung angepasst. Jetzt geht es in erster Linie darum, dass sich das löst und die Hüfte frei ist, bevor ich mit der Belastung und dem richtigen Konditionstraining beginne.

Was wurde bei der Operation Anfang Dezember konkret gemacht?

Das Grundproblem war ja, dass mein Oberschenkelkopf zu groß war für die Hüftpfanne, und das hat dazu geführt, dass der Oberschenkel im tiefen Winkel, also wenn ich in der Hocke war, an den Rand der Pfanne gerieben hat. Und das hat die Reizung ausgelöst. Bei der Operation wurde der Oberschenkelkopf für die Hüftpfanne passend gemacht. Das heißt, der Knochen wurde abgeschliffen und der Knorpel wurde geglättet. Die Hüfte müsste deshalb jetzt eigentlich frei sein.

Hat diese Reibung dazu geführt, dass sich ein Gelenkskörper gelöst hat?

Vermutlich. Aber der ist nach wie vor in meinem Körper. Jetzt schauen wir, dass wir das so gut wie möglich ohne weitere Operation hinbekommen. Ob das funktioniert, wird man aber erst sehen, wenn ich wieder auf Skiern stehe. Denn beim Konditionstraining habe ich die letzten Jahre ja auch nichts gespürt.

Die Hüftprobleme waren nicht neu. Die plagten Sie schon die vergangenen drei Jahre.

Wenn du in der Hüfte Schmerzen hast, bist du einfach gehandicapt. Es hatte im vergangenen Jahr schon ein paar Rennen gegeben, bei denen ich vor dem Start Schmerzmittel nehmen musste – und nicht wegen des Knies, sondern wegen der Hüfte. Da ging ja manchmal sogar das Treppensteigen nicht mehr gut. Das zeigt, wie schlecht die Hüfte war.

Wieso wurde denn der Gelenkskörper bei der Operation nicht gleich entfernt?

Der sitzt so versteckt zwischen Hüftkopf, Pfanne und Schleimhäuten, dass der Doktor bei der Operation erst einmal gar nicht hingekommen ist. Außerdem war die Hüfte sehr gereizt, und es hat extrem eingeblutet. Deshalb hat die Operation auch zweieinhalb Stunden gedauert – statt einer wie geplant. Da mussten sie dann abbrechen.

Es ist nicht die erste Vollbremsung in Ihrer Karriere. Vor zwei Jahren zogen Sie sich eine schwere Knie- und Schulterverletzung zu und fielen eine komplette Saison aus. Wie nervig ist es, jetzt schon wieder länger pausieren zu müssen?

Ich muss schon sagen, die Diagnose hatte mich schon extrem hart getroffen. Ich habe zwar schon gewusst, dass die Hüfte irgendwann operiert werden muss, weil ich ja die Probleme seit fast drei Jahren kenne. Aber ich hatte natürlich gehofft, dass das noch nicht jetzt sein muss, nachdem ich gerade so eine lange Reha gehabt hatte. Da habe ich ja auch sehr viel investiert, nicht nur Zeit, sondern auch finanziell mit einem Konditionstrainer. Und dann stehst du da und fängst wieder an. Da sind gleich alle möglichen Emotionen aufgekommen.

In einer Videobotschaft kurz nach der Diagnose wirkten Sie aber schon wieder sehr gefasst.

Der nächste Gedanke war ja auch: Das ist jetzt bei weitem nicht so schlimm wie vor zwei Jahren, und da bist du wieder zurückgekommen. Dann wirst du jetzt auch wieder zurückkommen. Und am nächsten Tag habe ich schon wieder das Telefon in die Hand genommen, um die Reha zu organisieren. Denn erstens, aufgegeben wird nur der Brief, zweitens ist mit der Verletzung ja nicht die gesamte Saison futsch.

Wie sieht Ihr Comebackplan aus?

Ich habe das Ziel, dass ich definitiv bei den Rennen in Kvjitfjell Anfang März am Start stehe. Das ist für mich der Fixpunkt, weil ich auf jeden Fall noch einen guten Test haben will in dieser Saison.

Zur Person

Thomas Dreßen , 27, ist Deutschlands bester Abfahrer. Er hat im vergangenen Winter drei Weltcuprennen gewonnen und wurde Gesamtzweiter in der Disziplinwertung. Im Moment muss der Mittenwalder mit Wohnsitz in Oberösterreich wegen einer Hüftoperation pausieren – wieder einmal.

Das klingt aber nicht so, als hätten Sie die WM im Februar in Cortina d’Ampezzo schon komplett abgehakt.

Freilich wäre ich gerne bei der WM dabei, aber im Moment ist es unrealistisch. Es hängt davon ab, wie gut und wie schnell es in der Reha geht. Es ist so eine 50:50-Chance. Der Plan ist, dass ich in der letzten Januar-Woche mit dem Skifahren wieder anfange. Aber da muss dann schon alles gut zusammenpassen. Denn ich muss ja nicht nur körperlich fit sein, sondern auch skifahrerisch in Form sein. Denn nur einfach mitzufahren bei der WM, ohne konkurrenzfähig zu sein, das interessiert mich nicht.

Da muss man sich eigentlich keine Sorgen machen, denn Sie sind ja Spezialist für erfolgreiche Comebacks. Nach Ihrer Knieverletzung sind Sie gleich mit einem Sieg zurückgekehrt.

Ja, beim letzten Mal hat es funktioniert. Aber vor einem Jahr war es für alle das erste Rennen der Saison. Jetzt ist es anders. Bis ich wiederkomme, sind alle schon einige Rennen gefahren und haben einen extremen Vorsprung.

Aber weil die Pause kürzer ist, müssen Sie auch nicht von ganz vorne anfangen. Können Sie dann noch ein wenig von der Vorbereitung profitieren?

Naja, die Vorbereitung auf diesen Winter war alles andere als gut. Im Sommer war ich auch schon mal außer Gefecht gesetzt wegen des Knies, allerdings war es diesmal das linke Knie. Da wurde ein Knorpelschaden festgestellt, deshalb konnte ich erst spät mit dem Ski-Training beginnen. So wenige Skitage wie vor dieser Saison hatte ich nicht einmal im vergangenen Jahr nach der Verletzung.

Auch wenn die beiden Verletzungen sicher nicht miteinander zu vergleichen sind: Hilft es Ihnen, wenn Sie schon weiß, was auf Sie mit der Reha und dem Schuften fürs schnelle Comeback zukommt?

Es ist auf alle Fälle ein Vorteil, dass ich die Situation schon einmal hatte, auch wenn sie damals eine ganz andere war. Ich habe auf alle Fälle vom letzten Mal mitgenommen, dass speziell jetzt am Anfang weniger mehr ist. Der Körper braucht Pausen, denn alles, was du machst, ist ein Reiz, den der Körper verarbeiten muss. Wenn du da noch drauftrainierst wie wild, dann überforderst du deinen Körper. Es ist wichtig, dass ich auf den Körper höre. Und wenn ich das Gefühl habe, ich bin müde oder wenn es in der Hüfte arbeitet, wie ich immer sage, dann ist es eben genug für den Tag.

War das nach Ihrer Knieverletzung 2018 anders?

Damals war ja klar, dass die Saison vorbei ist. Ich habe dann zu Hause auch nichts gemacht. Jetzt habe ich nach der OP daheim schon ein bisschen was getan, damit ich den Kreislauf in Schwung halte und nicht zu viel Muskulatur verliere.

Sind Sie jemand, der das Beste aus der Situation zu machen versucht?

Ich schaue schon, dass ich das Ganze positiv angehe, denn positiv zu denken ist ja auch gut für die Heilung. Das ist ja generell meine Einstellung. Ich war früher auch verbissener, aber dann habe ich gelernt, dass mich das langfristig nicht weiterbringt und ich habe mich umgestellt. Natürlich ist es nicht schön, verletzt zu sein. Auf der anderen Seite konnte ich jetzt an Weihnachten daheim bei meiner Freundin sein und musste nicht schon wieder am ersten Weihnachtsfeiertag nach Bormio anreisen.

Fällt es Ihnen schwer, die Skirennen jetzt am Fernsehen anzuschauen?

Das ist schon zäh und tut weh. Einerseits denke ich: Mist, dass ich nicht dabei sein kann. Auf der anderen Seite ist es aber auch Motivation.

Achten Sie bei den Rennen eigentlich auf Details wie bei einer Videoanalyse oder können Sie eine Abfahrt als Zuschauer einfach nur genießen?

Ich schaue die Rennen schon analytisch an. Vielleicht sehe ich ja was, was mir zukünftig was bringt (lacht).

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