Erfolgreich für die Lilien: Serdar Dursun.
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Erfolgreich für die Lilien: Serdar Dursun.

Zweite Liga

Darmstadt 98: Eine Story von Leo und Sergio

Darmstadt 98 bleibt bei Last-Minute-Sieg spielerischer Linie treu. Dafür werden die Lilien beim 3:1-Auswärtssieg in Nürnberg in der Nachspielzeit belohnt.

Sich in Sachen Toreschießen über Serdar Dursun hinwegzusetzen, bedarf ganz grundsätzlich einer Menge Zutrauen in die eigenen Qualitäten. Dies in der allerletzten Spielminute, der dritten der Nachspielzeit, zu tun, noch ein wenig mehr. Nicolai Rapp, der am Montagabend beim Gastspiel in Nürnberg im Mittelfeld eingesetzte Verteidiger des SV Darmstadt 98, ließ sich selbst von den Schreien seines stürmenden Knipserkollegen nicht aus der Ruhe bringen. Beim finalen Freistoß in die Mitte liefen Rapp und Dursun Seite an Seite in den Strafraum ein, der Ball segelte genau in ihre Richtung – und Dursun macht sich mit „Leo, Leo“-Rufen bemerkbar. Leo, die verbale Fußballformel für: „Lass das verdammt Ding durch“. Ließ Rapp nicht und köpfte den Ball stattdessen aus zehn Metern präzise zum 3:2-Auswärtssieg ins Eck.

„Ich stand so frei und war bereit“, sagte Rapp hinterher zu seinem zweiten Zweitligator überhaupt, das Mitspieler Marvin Mehlem, Schütze zum 2:2, mit folgenden Worten adelte: „Es ist natürlich super, dass Rappo einen Sergio-Ramos-Kopfball auspackt hat.“ Sergio Ramos, Kapitän von Real Madrid und der wohl torgefährlichste Verteidiger der Welt.

Natürlich konnte ob des späten Glücksmoments auch Serdar Dursun die Missachtung seiner selbst verkraften, hatte der Türke doch vorher ein starkes Spiel gezeigt und zum zwischenzeitlichen 1:1 seinen ersten Saisontreffer markiert – einen sehenswerten noch dazu, als der 28-Jährige im Rückwärtslaufen den Ball mit dem Hinterkopf gekonnt ins Netz bugsierte. Den Ball macht nicht jeder, vor allem nicht jeder Zweitligaspieler, da gehört Dursun gewiss zur gehobenen Güteklasse.

Überhaupt: Obwohl die Darmstädter zu Rundenbeginn ja zweimal nicht gewinnen konnten, sie daher in Nürnberg schon ein wenig unter Erfolgsdruck standen, ließen sie sich auch vom zweimaligen Rückstand nicht von ihrer spielerischen Linie abbringen. Trainer Markus Anfang forderte seine Truppe immer wieder gestenreich dazu auf, den Ball geduldig durch die eigenen Reihen zirkulieren zu lassen. Im Spielaufbau beorderte der im Sommer neu gekommene Coach dafür die Außenverteidiger ins Mittelfeldzentrum, um dort Überzahl zu schaffen und die freigewordenen Räume auf den beiden Seiten erst weiter vorne anvisieren zu können. Ein eher ungewohntes taktisches Mittel, das seine Wirkung aber nicht verfehlte.

„Wir haben unseren Fußball durchgezogen, haben nach vorne gespielt und hatten viele Torchancen“, sagte Anfang: „Die Mannschaft ist dafür belohnt worden, dass sie gegen einen starken Gegner guten Fußball gespielt hat.“

Der bereits unter Vorgänger Dimitrios Grammozis praktizierte Spielstil, jener auf Ballbesitz ausgelegte, wurde seit Sommer unter Markus Anfang noch einmal intensiviert. Pro Partie spielten die Darmstädter bisher im Schnitt 514 Pässe. Zum Vergleich: Ligaweit kommen die Teams nur auf 394. Auch sind die Lilien in Sachen Passquote (79 Prozent) besser als die Konkurrenz (74), ebenso schossen sie häufiger auf des Gegners Kasten (16 zu 13). Dank ihres Leo-Verweigerers und Sergio-Doubles Nicolai Rapp wurde diesmal der letzte Versuch von Nürnberg auch mit dem so wichtigen ersten Dreier der Saison belohnt.

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