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Selbstzerstörung: Julian Brandt zieht sich nach der gefühlten Niederlage das Trikot über den Kopf. 

Wenn Freude zu Frust wird

Eine Niederlage, die richtig wehtut

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Borussia Dortmund ärgert sich über krasse Patzer von Roman Bürki und Julian Brandt im Spitzenspiel gegen Leipzig.

Eigentlich war es ein typischer Flutlichtabend im Dortmunder Fußballtempel. Denn wenn dort die Scheinwerfer eingeschaltet werden, dann wird auf dem Rasen meist ein spektakuläres Menü serviert. Das 3:3 (2:0) im Bundesligagipfel zwischen dem BV Borussia Dortmund und RB Leipzig sorgte für große Emotionen – auf dem Platz und auf den Rängen. Und hinterließ nach packenden 90 Minuten zwei Mannschaften, die jeweils einen Punkt auf der Habenseite verbuchten, diesen aber völlig unterschiedlich bewerteten.

Während Leipzigs Coach Julian Nagelsmann von einem glücklichen Remis und deshalb einem gefühlten Sieg sprach, herrschte im Dortmunder Lager Ergebnis-Tristesse nach der gefühlten Niederlage. „Wir haben 3:3 verloren“, resümierte Sebastian Kehl, Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung. „Wir haben insgesamt eine sehr gute Leistung geboten, waren über weite Strecken trotz der Fehler die bessere Mannschaft. Doch wir haben nicht gewonnen. Das tut weh“, ergänzte Sportdirektor Michael Zorc. „Die Leipziger wissen doch gar nicht, wie sie an den Punkt gekommen sind.“ „Wir haben leider sechs Tore geschossen“, sagte Julian Weigl voller Sarkasmus. Drei eigene und quasi drei für RB durch eklatante Fehler von Torhüter Roman Bürki, Nationalspieler Julian Brandt und Raphael Guerreiro.

Zwei Aussetzer

Unbeantwortet blieb die Frage, wer sich von beiden Teams am Ende als Spitzenmannschaft bezeichnen würde. Die Leipziger, die laut dem sehr kritischen Nagelsmann im ersten Durchgang in fußballerischer Hinsicht chancenlos waren? Oder die Dortmunder, die sich laut Zorc durch grobe individuelle Fehler selbst um den verdienten Lohn gebracht hatten? Vermutlich beide, denn mitreißend war es allemal, was die Teams auf dem Platz zelebrierten.

Jedenfalls demonstrierten die Dortmunder trotz der Rückschläge Selbstvertrauen. Allen voran Roman Bürki. Der Schlussmann hatte in den vergangenen Wochen sensationelle Leistungen gezeigt, den BVB beim 2:1 im letzten Vorrundenspiel der Champions League gegen Slavia Prag mit überragenden Reaktion das Überwintern im Wettbewerb gesichert. Deswegen nahm er seinen groben Patzer gelassen hin. „Ich habe zuvor genug Saves gehabt, das kann mal passieren“, verteidigte sich der Schweizer. Und auch Julian Brandt, der beim 2:2 der Sachsen Timo Werner den Ball genau in den Lauf spielte, verließ den Platz erhobenen Hauptes, hatte er doch zuvor mit einer außergewöhnlichen Ballmitnahme den zweiten Dortmunder Treffer erzielt und im defensiven Mittelfeld eine hervorragende Leistung geboten.

Marco Reus glaubt nicht daran, dass die Partie gravierende Spuren hinterlassen wird. „Obwohl wir solche Gegentore bekommen haben, denke ich, dass wir gefestigt sind“, erklärte der Kapitän und sah den Aufwärtstrend über weite Strecken bestätigt. „Wir müssen das Positive mitnehmen. Vor allem, wie wir in der ersten Halbzeit umgeschaltet haben. Die Fehler, die wir diesmal gemacht haben, werden in der Art und Weise nicht mehr vorkommen.“

Allerdings ist der Druck vor dem letzten Jahresauftritt am Freitag (20.30 Uhr/ZDF) bei der TSG Hoffenheim ins Sinsheim enorm gestiegen. „Wir müssen uns jetzt straffen und in Hoffenheim ein besseres Ergebnis erzielen“, sagte Kehl. Nur ein Sieg würde einen ruhigen Jahreswechsel garantieren. Ansonsten könnte die Frage, ob Lucien Favre noch der richtige Trainer ist, in der Winterpause neu gestellt werden. Wiewohl er an den hanebüchenen individuellen Fehlern völlig unschuldig war.

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