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Mal wieder Dortmunds Matchwinner: Erling Haaland. dpa
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Mal wieder Dortmunds Matchwinner: Erling Haaland. dpa

Fußball-Bundesliga

Eine neue Mentalität

  • VonAndreas Morbach
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Unter Marco Rose zieht Borussia Dortmund knappe Spiele wie den wilden Schlagabtausch in Leverkusen auf seine Seite - auch wenn die Balance noch nicht stimmt.

Zur Feier des Tages begleitete Marco Rose seine Mannschaft zu deren Jubeleinlage vor den Gästeblock. Auf dem Weg dorthin wuschelte Dortmunds Cheftrainer Abwehrkraft Raphael Guerreiro kumpelhaft durchs Haar und redete anschließend intensiv auf den 27-jährigen Portugiesen ein. Die Analyse des wüsten Fußball-Spektakels in Leverkusen lief da bereits auf Hochtouren – doch dann musste Rose erst mal runterkommen: Gemeinsam mit den BVB-Kickern hockte er sich vor der entzückten Anhängerschaft auf den Hosenboden. Das obligatorische Zappel-Tanzen, das folgte, ließ der gebürtige Leipziger aber lieber aus – und mühte sich stattdessen langsam wieder nach oben.

Die turbulente Achterbahnfahrt, die Dortmund nach dreimaligem Rückstand 4:3 gewann, hatte Rose erkennbar geschafft. „Die drei Punkte sind das Wichtigste – in einem sehr, sehr wilden Spiel von zwei sehr guten Mannschaften“, holte der Bank-Vorstand der Westfalen deshalb erst einmal tief Luft und freute sich darauf, seinen 45. Geburtstag bei einem Abendessen mit seiner Lebensgefährtin und der gemeinsamen Tochter, die beide aus Leipzig angereist waren, deutlich entspannter ausklingen lassen zu können.

Das Duell schmeckte wie ein saftiger Braten – nach dem der siegreiche Gourmet Rose „die offensive Qualität und Mentalität“ seiner Mannschaft würdigte. Allerdings erwähnte der Jubilar auch mehrfach sein Missfallen über das allgemeine Defensivverhalten seines Teams, angefangen im Angriff. „Es macht mich sauer, wie viele Gegentore wir bekommen. Wir haben nicht viele Schüsse zugelassen. Aber die Qualität der Torchancen – das war too much“, ärgerte er sich und zog zweierlei Schlüsse: „Wir fahren glücklich nach Hause. Aber wir wissen auch, dass wir über ein paar Dinge sprechen müssen.“

Rose ist „megastolz“

Die erste Führung für die Werkself durch Florian Wirtz leitete Guerreiro mit einem Fehlpass ein. Vor der zweiten – erzielt durch Patrik Schick – verlor der Ex-Leverkusener Julian Brandt den Ball gegen Kerem Demirbay. „Das waren wilde 90 Minuten, die wir uns so nicht vorgestellt haben“, sagte BVB-Kapitän Marco Reus, an der Vorgeschichte zum finalen siebten Treffer entscheidend beteiligt.

Ehe die norwegische Torfabrik Erling Haaland die Schwarz-Gelben vom Elfmeterpunkt aus mit seinem fünften Saisontreffer auf Rang drei hinter Wolfsburg und München schoss, war Reus nach einem – nicht allzu heftigen, aber überflüssigen – Schlag von Bayers Innenverteidiger Odilon Kossounou, der ihm eine blutende Nase bescherte, zu Boden gegangen. „Der Schiedsrichter hat Interpretationsspielraum, wir akzeptieren das sportlich“, erklärte Leverkusens Coach Gerardo Seoane souverän. Sein Kollege Rose äußerte sich noch differenzierter zu dem Strafstoß: „Der Schiedsrichter hat in dieser Szene den Regeln entsprechend gepfiffen. Aber als Fußballfans sehen wir das nicht als Foul, das steht außer Frage. Darüber müsste man nachdenken.“

Er selbst wird sich angesichts von neun Gegentoren und dem Start in die Champions League – am Mittwoch bei Besiktas Istanbul – noch intensivere Gedanken um eine bessere Balance machen. In bestimmten Situationen, wie etwa bei Ballverlusten, müsse er die Sinne seiner Spieler noch schärfen. Sagt Rose – der aber auch weiß, dass die in Dortmund einst so verhasste Mentalitätsdebatte unter seiner Leitung einen ganz anderen Zungenschlag bekommen hat.

Beim 3:2 gegen Hoffenheim konterte der BVB kürzlich das 2:2 der TSG in der 90. Minute mit Haalands Siegtor in der 91. Minute. Und besonders anschaulich wird der charakterliche Wandel des Teams durch dessen letzten Auftritte in Leverkusen: Im Februar 2020 kassierten die Dortmunder dort – nach zweimaliger Führung – eine 3:4-Pleite. Elf Monate später gestatteten sie Jungstar Florian Wirtz zehn Minuten vor Schluss den Treffer zum entscheidenden 2:1. Diesmal hingegen bäumten sich die Gäste wieder und wieder auf, klauten der Werkself das Happy End – so dass Rose vermelden konnte: „Ich bin megastolz auf die Mentalität meiner Mannschaft.“

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