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Eine Heim-EM im Hinterkopf

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Von: Jörg Hanau

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Enttäuscht über sich: Gesa Krause. Foto: dpa
Enttäuscht über sich: Gesa Krause. Foto: dpa © dpa

Leichtathletik Made in Germany ist längst kein Gütesiegel mehr. Für den Misserfolg bei der WM in den USA aber gibt es eine Erklärung. Ein Kommentar.

Das Gejammer ist groß, die Suche nach den Schuldigen in vollem Gange. Die zentrale Frage: Warum nur sind Deutschlands Leichtathletinnen und Leichtathleten bei der gerade in Eugene ausgetragenen Weltmeisterschaft so schlecht?

Darauf eine allumfassende Antwort zu finden, fällt gar nicht so leicht. Meist sind es individuelle Probleme: Gesa Felicitas Krause etwa war lange verletzt. Eine optimale Vorbereitung war für sie nicht drin. Nicht anders verhält es sich bei Konstanze Klosterhalfen, die nach überstandener Coronainfektion in Oregon gar nicht wettbewerbsfähig sein konnte. Aber klar, nicht alle, die dieser Tage hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren, können das auch erklären. Vielleicht müssen sie es auch gar nicht. Vielleicht ist einfach nicht mehr drin. Seit der letzten WM 2019 in Katar, als der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sechsmal Edelmetall einfuhr - darunter zweimal Gold, geht es sichtlich bergab für die einst stolze Leichtathletik-Nation Deutschland. Schon während der Olympischen Spiele in Tokio im vergangenen Jahr liefen, warfen oder sprangen deutsche Athlet:innen meist hinterher. Weitsprung-Olympiasiegerin Malaika Mihambo blieb eine Ausnahme und bestätigt damit die Regel. Leichtathletik Made in Germany ist längst kein Gütesiegel mehr.

Auch in Eugene ist Malaika Mihambo in der Nacht zu Montag die letzte wirkliche Gold-Hoffnung. Ohnehin zählt sie zu den wenigen im DLV-Team, die auf Weltklasseniveau unterwegs sind. Die meisten deutschen Leichtathletinnen, die die Reise in die USA antreten durften, finden sich in der Weltrangliste aber nicht unter den Top 20. Von ihnen Medaillen zu erwarten, verbittet sich im Grunde von selbst. Einzig der Wunsch ist zulässig - nur der erfüllte sich bislang eben nicht.

Und dann wäre da noch diese unsägliche Terminplanung. Nach der coronabedingten Verlegung der Olympischen Spiele 2020 um ein Jahr zog die Leichtathletik nach. Weil für 2022 aber auch schon die Europameisterschaft in München (15. bis 21. August) feststand, wurde die WM irgendwie noch dazwischengeschoben. Zwei Großveranstaltungen binnen eines Monats, das kann aber eigentlich nicht gutgehen. Das passt einfach nicht. Natürlich gilt das für alle Starter:innen aus Europa - für die deutschen aber im Besonderen. Eine EM im eigenen Land ist und bleibt eben etwas ganz besonderes. Viele hätten die Heim-EM im „Hinterkopf“, sagt auch Claudine Vita, die mit ihrem fünften Platz im Diskuswurf für die bisher beste deutsche Platzierung sorgte. Ob das wirklich als Begründung reicht? Wir werden im August genau hinschauen.

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