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Eine außergewöhnliche Sportfamilie: die Kordas

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Von: Jörg Allmeroth

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Sein größter Erfolg: Petr Korda gewinnt 1998 die Australian Open.
Sein größter Erfolg: Petr Korda gewinnt 1998 die Australian Open. © afp

Wie der Vater und die Töchter, so der Sohn: Sebastian Korda schickt sich bei den Australian Open an, eine bemerkenswerte Familientradition fortzusetzen.

Wenn Sebastian Korda (22) in Melbourne den „Walk of Fame“ entlangschreitet, dann vollzieht sich jedes Mal ein emotional anrührendes Ritual. Denn zwei der Stars und Champions aus vergangenen Zeiten, die im Tunnelgang wie eine Ehrenformation bildlich aufgereiht sind, kennt Korda ganz besonders gut. Andre Agassi, der in seiner jungen Karriere immer mal wieder ein Mentor und Berater war. Und natürlich seinen Vater Petr (54), den Mann, der vor 25 Jahren sensationell obenauf war in Down Under und seinen Triumphzug mit einem makellosen Finalerfolg gegen Marcelo Rios krönte. Korda junior berührt stets die Fotografien von Agassi und Korda senior, er sagt, es sei eine Geste der Verbundenheit: „Es fühlt sich für mich dann an, als wären sie hier bei mir.“

Inzwischen ist Sohnemann Korda selbst eine größere Nummer in der Tenniswelt, vielleicht schon sehr bald ein richtig großer Titel-Held. Bei den Offenen Australischen Meisterschaften des Jahres 2023 hat er zum ersten Mal in seiner Karriere ein Grand Slam-Viertelfinale erreicht (gegen den Russen Karen Khachanov), in seiner Partie der letzten Sechzehn behielt er in einem dramatischen Fünf-Satz-Ringen letztlich kühlen Kopf, schickte den deutlich höher gehandelten Polen Hubert Hurkacz auf die Heimreise – und vor allem tat er eins: Die Aufmerksamkeit auf die sportverrückte, unglaublich erfolgreiche Familie Korda zu lenken. Trotz aller jüngsten Erfolge steht Sebastian ja noch im Schatten seiner erfolgreicheren Schwestern Jessica (29) und Nelly (24). Kein Wunder, dass er selbst, der aktuell 31. der Weltrangliste, augenzwinkernd, aber auch wahrheitsgemäß befand: „Ich bin der schlechteste Athlet bei uns.“

Alle Korda-Kinder haben – unglaublich, aber wahr – schon einmal die Australian Open gewonnen. Schwester Jessica, die Älteste im Bunde, siegte 2012 auf den Golfgrüns. Nelly, die wohl talentiertere der beiden Schwestern, holte sich den Titel Down Under sieben Jahre später und erntete dafür von Jessica, ihrem größten Fan, den Twitter-Kommentar: „Du Irre“. 2018 gewann Tenniscrack Sebastian den Grand Slam-Titel bei den Junioren, natürlich zum Stolz aller anderen Kordas. „Es ist der absolute Wahnsinn, was bei uns so alles passiert“, sagt Petr Korda zu den Erfolgen seiner Kinder, „wir sind eine verrückte und verschworene Truppe.“ Gerade findet der Vater, der einst auch für seinen Scherensprung nach Siegmomenten bekannt wurde, wieder einmal wenig Schlaf – schließlich beobachtete er die Mission von Sohn Sebastian aus Florida, dort fand ein Golf-Wohltätigkeitsturnier statt. Tochter Nelly schlug dort auf, sie hatte ja sogar schon einmal 2021 die Nummer eins der Golf-Weltrangliste übernommen, nach dem Gewinn der PGA Championships, eines Grand Slam-Wettbewerbs.

Der gebürtige Tscheche Korda lebte mit der Familie seit dem Karriereende in den USA, seine Kinder besitzen alle die amerikanische Staatsbürgerschaft. In Bradenton, dem Sitz vieler Tennisakademien und Golfschulen, entwickelten die Geschwister schnell ihre Liebe zum Sport, sie spielten Golf und Tennis, entschieden sich dann aber für verschiedene Karrierewege. Jessica und Nelly spielten Golf, Sebastian folgte den Wegen von Vater Petr. Die meiste Trainingszeit in jungen Jahren verbrachte Sebastian allerdings mit seiner Mutter und früheren Profispielerin Regina (54/geb. Rajchrtova), ganz ähnlich wie auch Alexander Zverev mit Mama Irina.

Abertausende Kilometer auf Straßen und Hunderttausende Flugmeilen haben die Eltern auf dem Buckel, um alle Kinder zu näheren und fernen Zielen zu begleiten. Sie bemühten sich stets, alle gleich zu behandeln und niemanden zu vernachlässigen. „Die Kinder haben sich natürlich alle gegenseitig angestachelt und nach vorne getrieben. Es war immer eine positive Rivalität, sie freuen sich über nichts so sehr wie über Erfolge von Bruder oder Schwester“, sagt der Vater.

Kann auch Sebastian einen Major-Titel gewinnen? Viele Experten sehen in ihm den talentiertesten aller US-Spieler der jungen Generation. Die komplizierten Übergangsjahre vom Junioren- ins Erwachsentennis hat er gut gemeistert, dennoch weiß Papa Petr um kommende Tücken: „Du erlebst auch als junger Profi noch viele Rückschläge, darfst aber nie den Mut und die Geduld verlieren.“ Dieser Tage telefonierten sie viel und ausdauernd, Vater und Sohn. Der Papa hatte dabei auch stets eine Mission: „Mut machen. Druck nehmen. Zuspruch geben.“ Letztlich aber weiß er auch dies: „Du stehst irgendwann allein auf dem Platz. Und musst es allein schaffen.“

Jessica Korda.
Jessica Korda. © IMAGO/USA TODAY Network
Nelly Korda.
Nelly Korda. © imago images/Kyodo News
Sebastian Korda.
Sebastian Korda. © IMAGO/Uk Sports Pics Ltd

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