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Alles im Griff: Anna-Maria Wagner mit der entscheidenden Wertung gegen die Kubanerin Kalima Antomarchi im Kampf um Bronze.
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Alles im Griff: Anna-Maria Wagner mit der entscheidenden Wertung gegen die Kubanerin Kalima Antomarchi im Kampf um Bronze.

Judo bei Olympia 2021

Olympia 2021: Ein wenig Erweckung durch Medaillen für Judo

  • VonMichael Wilkening
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Anna-Maria Wagner gewinnt bei Olympia 2021 Bronze, aber der deutsche Verband erhofft sich im Judo-Mutterland Japan die Schubwirkung einer Goldmedaille für seinen gebeutelten Sport.

Tokio – Die Unterschiede könnten nicht größer sein. „Hier macht jedes Kind in der Grundschule irgendwann einmal Judo“, sagt Daniel Keller. Er sitzt in der Nippon Budokan, der Kampfsporthalle in Tokio, einem Heiligtum in Japan. Die Olympischen Spiele in der Millionenmetropole führen den traditionsbewussten Sport zurück an seinen Ursprung. Keller, Präsident des Deutschen Judo-Bundes, (DJB) genießt die Wettkämpfe in der Arena, denn sie offenbaren ihm die Kraft, die Judo entwickeln kann. Einen Stellenwert, der an den in Japan heranreicht, ist in Deutschland nicht denkbar, aber Keller glaubt daran, seinen Sport populärer machen zu können. In der Nippon Budokan hoffte er bislang jedoch vergeblich auf ein Erweckungserlebnis.

Am Donnerstag platzte der große Goldtraum im Halbfinale. Anna-Maria Wagner landete gegen die an diesem Tag übermächtige Japanerin Shori Hamada nach nicht einmal zwei Minuten auf dem Rücken. Wagner, die bei den Weltmeisterschaften im Juni in der Gewichtsklasse bis 78 Kilogramm die Goldmedaille gewonnen hatte, belohnte sich aber später für ihre starken Leistungen. Die 25-Jährige sicherte sich durch einen Sieg gegen die Kubanerin Kaliema Antomarchi die Bronzemedaille. „Das Gefühl ist gar nicht zu beschreiben. Ich bin so unglaublich glücklich, diesen Tag mit einer Medaille abzuschließen, egal welche Farbe“, sagte Wagner.

Olympia 2021: Gold hätte stärkere Wirkung als Silber

Eine Goldmedaille bei einer Weltmeisterschaft, gefolgt von Bronze bei den Olympischen Spielen, ist eine herausragende Leistung. Wagner war am Donnerstag in Tokio ein glücklicher Mensch, die Freudentränen schossen ihr nach dem letzten Kampf in die Augen. Für die Athletin ging ein Traum in Erfüllung, doch der Traum des Verbandes hatte sich nicht ganz erfüllt.

Er beruhte darauf, dass Wagner oder ein anderer Athlet des DJB beim olympischen Turnier den buchstäblich ganz großen Wurf landen würde. Wie Yvonne Böhnisch, die 2004 in Athen Gold gewann, oder Ole Bischof, der 2008 in Peking ganz oben auf dem Treppchen stand. „Das hat den Sport damals gepusht“, sagt Keller. Bischofs Coup liegt mittlerweile 13 Jahre zurück.

„Wir hätten gerne wieder so ein Erweckungserlebnis“, sagt Keller. Am Mittwoch hatten der DJB es ganz knapp verpasst. Eduard Trippel hatte sich überraschend ins Finale bis 90 Kilogramm vorgekämpft, unterlag dort jedoch gegen einen Georgier. Trippels Silbermedaille ist eine große Leistung, in der öffentlichen Wahrnehmung bei Randsportarten ist Gold allerdings die mit Abstand stärkste Währung. Die Kanu-Slalomfahrer spüren das gerade nach dem Erfolg von Ricarda Funk. Aber der populäre Anschub durch einen Triumph bei den Olympischen Spielen bleibt für den Judo-Verband vermutlich aus, sodass Keller und seine Kollegen andere Wege finden müssen, um ihren Sport voranzubringen.

Durch Corona-Pandemie: Initiativen früh ausgebremst

Die Verbandsspitze machte sich, frisch in die Ämter gehievt, Ende 2019 mit Elan und vielen Ideen ans Werk, um nur wenige Monate später unvermittelt gestoppt zu werden. „Wir mussten als erste aufhören und durften als letzte wieder anfangen“, berichtet Keller. Die Corona-Pandemie hatte weltweit Auswirkungen, auf die Kampfsportarten waren sie besonders groß. Wettkämpfe waren lange Zeit gar nicht, Wettkampftraining nur sehr eingeschränkt möglich – und ausschließlich für Kaderathlet:innen erlaubt. Die geplanten Initiativen wurden ausgebremst, ehe sie Fahrt aufgenommen hatten.

Weil Judo ein Sport mit einer hohen Fluktuation ist, traf den Verband die erzwungene Pause besonders hart. Das Coronavirus sorgte wie bei anderen für einen Rückgang der Mitgliederzahlen, und es ist aktuell nicht absehbar, ob und wie er aufgefangen werden kann. Knapp 130 000 Mitglieder hat der Verband. „Wir wollen wachsen“, kündigt Keller an. Eine Popularität wie in Japan wird in Deutschland nie möglich sein, aber ein bisschen Relevanz will Keller in den kommenden Jahren hinzugewinnen. „Bei uns lernen die Kinder Werte wie Respekt und Fairness“, sagt er: „Es lohnt sich, Judo zu betreiben.“ Die Botschaft würde mit einer Goldmedaille in der Nippon Budokan besser durchdringen. (Michael Wilkening)

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