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Ein Titel fürs Handballherz

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Von: Daniel Schmitt

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Geballte Fäuste, leere Ränge: der SC Magdeburt feiert - ziemlich alleine.
Geballte Fäuste, leere Ränge: der SC Magdeburt feiert - ziemlich alleine. © dpa

Stell Dir vor, Du wirst Weltmeister - und keiner bekommt es mit - der SC Magdeburg verteidigt in Saudi-Arabien fast unbemerkt seinen Titel. Ein Kommentar.

Wir sind Weltmeister! Jedenfalls plakativ betrachtet, vor allem dann, wenn das Wir für die deutsche Handballgemeinde im Allgemeinen und den SC Magdeburg im Speziellen steht. Am Sonntagabend kürte sich die Mannschaft von Trainer Bennet Wiegert zum zweiten Mal nacheinander zum Klub-Weltmeister, 41:39 nach Verlängerung gegen den FC Barcelona, ein Finale, das alles hatte, was ein Handballherz höher schlagen lässt: sehenswerte Tore, brillante Keeper, vor allem Spannung weit über die 60 Minuten hinaus. „Oops, we did it again“, jubelierte der SCM zu Recht auf der eigenen Homepage.

Schade nur: Trotz des Britney-Spears-Evergreens bekam die breite Öffentlichkeit davon kaum etwas mit. Ausgetragen wurde die Begegnung im fernen Saudi-Arabien, in der Hafenstadt Dammam, lediglich 3000 Menschen kamen in die Halle, verwaiste Sitze noch und nöcher. Übertragen wurde die Partie zudem ausschließlich von einem schwedischen Streamingdienst – gegen eine Gebühr, versteht sich. Recht unbemerkt also avancierten der Torhüter Nikola Portner mit herausragenden Paraden und der zwölffache Torschütze Omar Ingi Magnusson zu den Magdeburger Matchwinnern.

Es ist in Deutschland das Schicksal einer Sportart fernab des Fußballs, es selten hinauf zu schaffen auf die ganz große Bühne. Olympische Spiele, Nationenkämpfe bei Welt- und Europameisterschaften, auch manch darauf vorbereitende Länderspiele der Truppe von Bundestrainer Alfred Gislason - der Vereinshandball aber muss hierzulande um Aufmerksamkeit ringen. Es fällt ihm nicht immer leicht.

Dabei verspricht die Bundesliga doch seit Jahrzehnten sportliche Extraklasse, war unbestritten die beste Liga ihrer Art, und ist es wohl noch immer. Europaweit aber mehren sich erfolgshungrige Handballprojekte, etwa Kolstadt im norwegischen Trondheim. Einzelne Standorte also, an denen viel Geld investiert wird, wodurch sich die internationale Konkurrenzsituation verschärfen wird. Entsprechend wichtig ist es, dass deutsche Klubs gemeinsam mit der Liga und dem Verband gegenhalten, an ihrem Produkt arbeiten und es weiterentwickeln - wie es etwa der Traditionsklub aus Magdeburg tut.

Für Kenner:innen war es keine Riesenüberraschung, dass Sachsen-Anhalts Landeshauptstädter ihren Titel verteidigten, sind sie doch amtierender Meister in der Bundesliga. Die Vormachtstellung des THW Kiel, noch immer das Aushängeschild des deutschen Handballs, scheint derzeit ein wenig gebrochen. Zwar liegen die Kieler auch jetzt nach acht Spieltagen in der Liga auf Rang zwei, haben am Wochenende zudem ein Ausrufezeichen gesetzt gegen die Rhein-Neckar Löwen, alles in allem aber könnte sich wie im Vorjahr erneut ein umkämpftes Meisterschaftsrennen entwickeln.

Tabellenführer Berlin, Verfolger Kiel, Meister Magdeburg wirken titelreif, die Rhein-Neckar Löwen klopfen an, Erlangen und Flensburg haben Außenseiterchancen. Die Spitze scheint enger zusammengerückt. Eine sehr gute Nachricht für die deutsche Handballgemeinde, generiert Spannung doch Aufmerksamkeit, diese mittelfristig mehr Geld und damit oft genug auch große Erfolge.

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