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Ein schönes Anti-Olympia

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Von: Günter Klein

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Beeindruckende Bilder: BMX-Fahrer Ryan Henderson in München.
Beeindruckende Bilder: BMX-Fahrer Ryan Henderson in München. © AFP

Die Championships in München haben sich als ungezwungenes Fest gut angelassen. Ein Kommentar.

Kleiner Test, ganz spontan: Welches Bild, welches Motiv bringen Sie bisher mit den European Championships in München zusammen? Wir würden tippen: Die BMXler, wie sie – einer sogar auf dem Kopf stehend – vor den Türmen der Frauenkirche fliegen. Es ist natürlich viel fotografisches Geschick im Spiel, den Olympiaberg und die Innenstadt einander so nahe erscheinen zu lassen. Jedenfalls: BMX macht Eindruck, weckt Neugier. Die Protagonistinnen und Stars dieser Sportart zu benennen, dürfte allerdings auch denen schwerfallen, die ihren Blick gerade nicht abwenden können. Und BMX wird durch München und die European Championships auch nicht zum Weltsport werden – genauso wenig wie Kanu-Polo, dem bei den deutschen „Die Finals“ in Berlin die Bude eingerannt wurde.

Doch vielleicht sollten wir über den (Leistungs-)Sport nicht immer in diesen klassischen Kategorien vom Wert einer bestimmten Disziplin oder ihrer Langlebigkeit denken. Zum Beispiel das Format European Championships, das wir gerade in München erleben: Das Konglomerat verschiedener Sportarten hat nichts Offizielles, sondern etwas Zufälliges: Es richtet sich nach dem, was ein Ausrichter zu leisten vermag. Bei der ersten Ausrichtung vor vier Jahren in Berlin und Glasgow war Schwimmen dabei, das nun fehlt, weil der Pool von 1972 die Vorgaben nicht mehr erfüllt und es verrückt gewesen wäre, woanders ein temporäres Becken zu bauen. Und Golf? Ja mei. Kann, aber muss nicht. Dafür hatte München die Idee mit Klettern und Beachvolleyball mittendrin.

Die European Championships gehen nicht so streng mit dem Sport um wie das Internationale Olympische Komitee. Und sie pfeifen auf die bürokratischen Regularien, die die Kommerzmaschine IOC erlassen hat. Ja, es gibt Werberummel, aber wenigstens lokalen, das örtliche Gewerbe darf sich zeigen, mitverdienen. Die Championships haben sich als ungezwungenes Fest gut angelassen. Eigentlich sind sie gar kein Mini-Olympia, wie es immer heißt, sondern ein Anti-Olympia. Bei dem Bilder so wichtig sind wie Resultate.

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