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Will zupacken: Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß .
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Will zupacken: Hoffenheims Trainer Sebastian Hoeneß .

TSG Hoffenheim in der Krise

Ein Machtwort mit begrenzter Halbwertszeit

Beim Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim steht Trainer Sebastian Hoeneß wohl schon am Scheideweg.

Es gäbe eine Menge Gutes zu berichten über die TSG Hoffenheim, wären da nicht der Fußball und die Bundesligatabelle. Dort befinden sich die Kraichgauer im 13. aufeinanderfolgenden Spieljahr in der hiesigen Eliteklasse nach zuletzt nur zwei Siegen in 13 Spielen auf einem unschönen Platz 14. Am Samstag kommt Arminia Bielefeld in die schicke Arena nach Sinsheim, und wenn der Aufsteiger gewinnen sollte, würde er den Tabellennachbarn Hoffenheim gar überholen.

Die ungewohnt unangenehme Situation für den erfolgreichen Europa League-Teilnehmer überschattet die nach wie vor hervorragende Nachwuchsarbeit, die klasse Kassenlage, die Innovationskraft und die soziale Kompetenz des Vereins und des Klubeigners Dietmar Hopp. Der 80-jährige Multimilliardär, Mehrheitseigentümer des aussichtsreichen Tübinger Corona-Impfstoffherstellers Curavec, denkt in großen Linien: „Ich wünsche mir, dass wir die gemeinsame Anstrengung in der Corona-Bekämpfung, politisch, ökonomisch wie privat, übertragen auf das Menschheitsthema Klimawandel“

Die TSG hat auch dank Hopp schon im vergangenen Frühjahr ein vorbildliches Corona-Hilfsprogramm aufgesetzt und inzwischen 253 regionale Klubs und Einrichtungen mit bis zu 10 000 Euro unterstützt. Dazu die Bilanz 2019/20: 229 Millionen Euro Umsatz, 56 Millionen Euro Gewinn.

Viel mehr mediale Wucht entwickelt gerade aber die anhaltende Erfolglosigkeit und die sich daran anschließende Berichterstattung, dass der zu Saisonbeginn verpflichtete Jung-Trainer Sebastian Hoeneß (38) nicht mehr die volle Rückendeckung von Hopp genieße. Der mächtige Investor und Mäzen dementierte energisch. „Mit einigem Erstaunen habe ich gelesen, dass ich aufgrund der aktuellen Situation Fristen gesetzt und zum Rapport gebeten habe. Dies ist nicht der Fall.“ Er habe „Vertrauen in die handelnden Personen, diese Lage zu meistern und habe ihnen das auch persönlich mitgeteilt“.

Die Kommunikation ist somit klar, die Halbwertszeit des Machtworts aber überschaubar, die Spielergebnisse sollten besser folgen. Nach Bielefeld stehen Partien gegen die schwächelnden Hertha BSC und 1. FC Köln an. Hoeneß steht - trotz aller verbalen Hilfen von Hopp und Manager Alex Rosen - mächtig unter Druck. Auch wenn der Sohn von Dieter und Neffe von Uli Hoeneß in der Pressekonferenz am Donnerstag tapfer das Gegenteil behauptete,

Viele krank oder verletzt

Es gibt keinerlei Zweifel, dass Hoeneß es ungeheuer schwer hatte bisher und dafür weitgehend nicht verantwortlich ist. In keine andere deutsche Fußballmannschaft schlich sich das Coronavirus vergleichbar hartnäckig ein (zehn Covid-19-Erkrankungen im Kader), kein anderes Bundesligateam wurde zudem derart heftig von langwierigen Verletzungen gleich im Dutzend gebeutelt. Hoeneß sprach angesichts des Lazaretts schon mal von einem „Horrorfilm“.

Auffällig ist aber auch, dass eine alte Krankheit wieder diagnostiziert werden kann: Hoffenheim spielt nett nach vorn, vergibt haufenweise Chancen und kassiert regelmäßig viel zu leichte Gegentreffer, die mit mehr Instinkt und Hingabe für die Defensive vermeidbar gewesen wären. Es fehlt möglicherweise etwas an Klebstoff unter den Spielern, es herrscht eine gewisse Freudlosigkeit, der Teamgeist war schon besser. Eine Stimmungskanone - wie sie einst der noch dazu fachlich hochkompetente Julian Nagelsmann war - ist Hoeneß nun mal nicht. Eher wohl ein typischer Vertreter der Laptop-Generation. Gestern sagte er tapfer: „Die Mannschaft lebt. Ich habe deshalb Hoffnung, dass wir uns stabilisieren.“ Er weiß aber auch, dass er keine Truppe anleitet, die auf Abstiegskampf vorbereitet wäre.

Die große Frage, die der für die Personalie Cheftrainer hauptverantwortliche Rosen sich stellen muss: Ist Sebastian Hoeneß in der Lage, am Krisenmanagement zu wachsen? Hat er die Kraft und die Ausstrahlung, die Reihen zu schließen? Schafft er es, seine mit wenig Widerstandvermögen ausgestattete Mannschaft so zu konditionieren, dass sie einem limitierten, aber extrem körperlichen Gegner wie Bielefeld die Stirn bietet? Neulich im DFB-Pokal kam das Aus daheim gegen den Zweitligisten Fürth zwar erst nach Elfmeterschießen, aber dennoch nicht unverdient. Haben sie daraus und aus dem 0:4 vergangene Woche bei Schalke 04 in Hoffenheim gelernt? Wenn nicht, wird es eng für Sebastian Hoeneß. (Jan Christian Müller)

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