1. Startseite
  2. Sport

Ein Kopfballtor gegen die Eintracht

Erstellt:

Von: Thomas Kilchenstein

Kommentare

Kurzweilig und gut gelaunt: Rudi Völler (re.) und Harald Stenger plauderten über mehr als gemeinsame Zeiten beim DFB - und brachten nicht nur Eintracht-Vorstand Axel Hellmann (li.) zum Lachen.
Kurzweilig und gut gelaunt: Rudi Völler (re.) und Harald Stenger plauderten über mehr als gemeinsame Zeiten beim DFB - und brachten nicht nur Eintracht-Vorstand Axel Hellmann (li.) zum Lachen. © Rolf Oeser

1990er-Weltmeister Rudi Völler träumt beim FR-Schlappekicker und Eintrachts Fußball-Gott Alex Meier erzählt, wie er zum Mann wurde

Es gibt schon ein paar Dinge, da beneidet Rudi Völler, mittlerweile 62, zwischen 1977 und 1996 ein Stürmer von Weltklasseformat, die heutige Fußballergeneration. Und es ist nicht das viele Geld. Es ist, erstens, der viel besser gepflegte Rasen in den Stadien („Da verspringt dir kein Ball“) und, zweitens, der höhere Schutz der Spieler. „Was wurde ich getreten, gerade bei Auswärtsspielen.“ Jeder erinnert sich etwa an das Foul von Klaus Augenthaler 1985, der Bayer trat den damals für Werder Bremer stürmenden Völler ins Krankenhaus. Heute sei das zum Glück anders, „da bin ich neidisch“, sagte Rudi Völler. Er sagte das am Montag auf einer Veranstaltung für Helfer, Förderer und Unterstützer des FR-Schlappekickers im Eintracht-Museum.

Der Schlappekicker, der seit 70 Jahren Sportlerinnen und Sportlern hilft, die unverschuldet in Not geraten sind, hatte neben dem früheren Teamchef der deutschen Nationalmannschaft die Eintracht-Ikone Alexander Meier eingeladen. Auch Vorstand Axel Hellmann schaute auf einen längeren Sprung vorbei. Alle drei standen den Schlappekicker-Vorstandsmitgliedern Arnd Festerling, Harald Stenger und Ingo Durstewitz im lockeren Plausch Rede und Antwort.

Dass es ein ausgesprochen kurzweiliger, ja beschwingter Abend wurde, lag natürlich an den Gästen, die bestens gelaunt nicht mit Anekdoten geizten, sondern sich nicht scheuten, über geheime Träume zu sprechen. Der Hanauer Rudi Völler („Ich komme immer wieder gern ins Rhein-Main-Gebiet, ich mag diesen Menschenschlag“), der seine Weltkarriere einst bei Kickers Offenbach begann, etwa träumt davon, noch einmal auf dem Bieberer Berg in einem Viertelfinale gegen Eintracht Frankfurt zu spielen. „Und ich mache in der 89. Minute ein Kopfballtor.“

Volles Haus im Eintracht-Museum: Viele Freunde und Unterstützer der FR-Aktion folgten dem Ruf des Schlappekickers.
Volles Haus im Eintracht-Museum: Viele Freunde und Unterstützer der FR-Aktion folgten dem Ruf des Schlappekickers. © Joachim Storch

Völler, nach wie vor beliebt wie kaum ein anderer aus der Branche, erzählte auch, wie er, längst Geschäftsführer bei Bayer Leverkusen, bei Verhandlungen mit dem Eintracht-Torwart Lukas Hradecky erwischt wurde. „Dabei hatten wir unser Auto extra zwei Straßen weg von Lukas Wohnung geparkt.“ Zwei Tage später hatte ihm der damalige Manager Fredi Bobic ein Bild mit seinem Auto mit Leverkusener Kennzeichen geschickt, „mit einem Smiley“. Und Sebastian Rode wollte er ebenfalls nach Leverkusen locken, „dann erfuhr ich, dass er mit der Tochter des Eintracht-Schatzmeisters liiert ist. Da konnte ich das lassen.“ Völler fand zudem lobende Wirte für die beeindruckende Entwicklung von Eintracht Frankfurt in den letzten Jahren. „Was ist das für ein Verein geworden, toll. Es ist nicht selbstverständlich, was die Eintracht geschafft hat!“

Die Wucht der Eintracht

Axel Hellmann hob hervor, dass Eintracht Frankfurt inzwischen eine „Wucht“ entwickelt habe, die mitreiße und jetzt dazu führe, sogar Spiele wie gegen den FC Augsburg zu gewinnen. „Vorher war ich sicher, wir verlieren das.“ Aber Trainer Oliver Glasner, „so unglaublich ehrgeizig“, habe noch in Lissabon die Mannschaft auf dieses Spiel eingeschworen. Der Flow trägt, „wir sind noch bis Mitte März Champions-League-Teilnehmer“, selbst wenn das „ein Traum“ sei, aber „nicht die Regel ist“. Womöglich geht die Reise über Neapel weiter, „ab und an schaffen wir ja ein Wunder, ich würde nichts ausschließen“. In drei Monaten könnte die prima Form der Italiener eine andere sein.

Für Alex Meier, den doppelten Torschützenkönig und Frankfurter Fußball-Gott, ist der ganz besondere Teamgeist, den diese Mannschaft hat, einer der Schlüssel dieses Höhenflugs. In der Kabine herrsche „eine Riesenstimmung, kein Wunder“, sagt Meier, der als Jugendtrainer und Botschafter weiterhin nah am Team ist, „dass die Jungs auf dem Feld zusammenhalten“. Jeder gucke sich von der Mentalität des anderen etwas ab, es sei da egal, welche Hautfarbe, Religion einer habe oder wo er herkomme. „Alle wollen das Gleiche, rausgehen, Spiele gewinnen.“

Der Fußball-Gott: Alex Meier (rechts) im Plausch mit FR-Eintracht-Experten Ingo Durstewitz,
Der Fußball-Gott: Alex Meier (rechts) im Plausch mit FR-Eintracht-Experten Ingo Durstewitz, © Joachim Storch

Mario Götze übrigens hält Meier für einen absoluten Gewinn fürs Team, „ein Jahrhunderttalent“, Kevin Trapp, mit dem er noch gekickt hat, habe sich „zum Leader“ entwickelt, Randal Kolo Muani könnte er ein wenig Nachhilfe geben beim coolen Innenseitenschuss „die Abgeklärtheit kommt mit dem Alter“, Niclas Füllkrug würde er mit zur WM nach Katar nehmen, „eine schöne Kante“, Friedhelm Funkel und Armin Veh seien die Trainer gewesen, die ihn am meisten geprägt hätten, „da bin ich zum Mann geworden“. Mit Niko Kovac, der ihn nicht für den Kader beim Pokalsieg 2018 nominiert hatte, hat er Frieden geschlossen. Er habe Verständnis, inzwischen müsse er als Trainer selbst „harte Entscheidungen“ treffen. Die ersten Trainerscheine hat der 39-Jährige bestanden, nun möchte er eigenverantwortlich ein Team übernehmen.

Auch interessant

Kommentare