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 Üben lohnt sich: Sarah Fuller spielte als erste Frau an der Seite von Männern in einer der fünf höchsten College-Ligen.
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Üben lohnt sich: Sarah Fuller spielte als erste Frau an der Seite von Männern in einer der fünf höchsten College-Ligen.

USA

American Football: Ein Kick in die Geschichtsbücher

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Glorifiziert als reiner Männersport wird American Football in den USA auch bei Frauen immer gefragter – die 21-jährige Sarah Fuller dient ihnen als gutes Vorbild.

Zugegeben: Spektakulär war er nicht, dieser Kick, gerade mal so hart getreten, dass das Spielgerät drei, vier Meter über dem Boden durch die Luft eierte und an der 35-Yard-Linie wieder runterfiel. Ein beherzter Zupacker des Gegners, ein Pfiff des Schiedsrichters. Und schon war er vorbei, dieser historische Moment.

Sarah Fuller, 21 Jahre alt, Texanerin, schrieb am vergangenen Samstag ein klein wenig Sportgeschichte, weil sie als erste Frau in einer Footballpartie der fünf stärksten College-Ligen in den USA zum Einsatz kam – für genau diese eine Aktion. Als Kickerin der Vanderbilt Commodores aus Nashville in Tennessee machte sie mit ihrem Anstoß zur zweiten Hälfte bei den Missouri Tigers etwas, was vor ihr noch keine Frau gemacht hatte. Hinterher, das Spiel ging für ihr Team übrigens sang- und klanglos mit 0:41 verloren, sprach sie zu den zahlreichen anwesenden Medienleuten. Sie sagte dann Sachen wie: „Ich will allen Mädchen da draußen sagen, dass ihr alles schaffen könnt, was ihr euch vornehmt.“ Und weiter: „Es war einfach so toll und aufregend.“ Als Beweis rutschte prompt ihr Schal vom Mund – Stichwort Corona – und offenbarte das breite Grinsen der Medizinstudentin.

American Football in den USA: Fuller war sich Bedeutung bewusst

Der Bedeutung dieses Tages war sich Fuller bewusst. Auf der Rückseite ihres Helmes trug sie die Aufschrift „Play like a girl“, „Spiele wie ein Mädchen“, auch ihre extra aus der Heimat Wylie in Texas angereisten Eltern (rund neun Autostunden) verfolgten die Begegnung samt dieses Aufdrucks auf ihren Masken. „Eine Reihe von Vätern und von Trainern ist nachher zu mir gekommen und hat mir gesagt, dass ich sie und ihre Töchter inspiriere.“ Stolz schwang in Sarah Fullers Stimme mit.

21 Jahre alt, Medizinstudentin, Fußball-Torhüterin und Football-Kickerin: Sarah Fuller.

American Football ist wegen seiner Körperlichkeit ein Sport, den Männer gerne für sich beanspruchen. Durchaus eine Fehleinschätzung. Freilich, seit jeher spielen mehr Männer als Frauen, das schon, in den USA aber nahm die Zahl der Frauen in den vergangenen Jahren deutlich zu. Laut einer Studie der National Federation of State High School Associations spielten in der Saison 2018/19 doppelt so viele Schülerinnen Football wie vor zehn Jahren, während die Zahl bei den Jungs seit fünf Jahren zurückgeht.

Auch in der National Football League (NFL), der besten Liga der Welt, die Jahr für Jahr am selbstgeschaffenen Festtag, dem Super Bowl, weltweit rund 800 Millionen Menschen vor die TV-Geräte lockt, gibt es bereits Schiedsrichterinnen, Trainerinnen und Eigentümerinnen. Nur eben eine Spielerin noch nicht. Erlaubt wäre es, die Statuten legen kein Geschlecht für die Athlet:innen fest.

Sarah Fuller ist von diesem Schritt trotz ihres College-Einsatzes natürlich meilenweit entfernt. Eigentlich spielt sie sowieso lieber Fußball, Soccer, sie ist Torhüterin an ihrer Uni und holte erst vor wenigen Wochen mit ihrem Team den ersten Titel seit 26 Jahren.

American Football in den USA: „Will gerne wieder aufs Feld“

Weil die männlichen Kicker der Commodores jedoch zuletzt in Corona-Quarantäne mussten, lud Football-Coach Derek Mason die Fußballtorhüterin zum Probetraining ein. Abschläge und Kicks ähnelten sich schließlich, hieß es. Sie sei hochkonzentriert gewesen, und motiviert, sagte Mason: „Ich habe immer daran geglaubt, dass Frauen zu fantastischen Dingen in der Lage sind.“

Als sich abzeichnete, dass Fuller für die Partie nominiert werden würde, schaltete sie alsbald die Benachrichtigungen an ihrem Handy stumm, zu viele Nachrichten von zu vielen Menschen. Auch erste US-amerikanische Medien berichteten über sie und ihr Vorhaben. Es richteten sich gar die aktiven NFL-Profis Dak Prescott (Quarterback bei den Dallas Cowboys) und Nick Folk (Kicker bei den New England Patriots) an die junge Frau. Letzterer empfahl ihr per Videobotschaft: „Sei selbstbewusst, mach’ dir keine Sorgen.“ Nervös war sie trotzdem.

Dass Frauen Football spielen, ist nicht neu. In den USA gibt es mehrere Ligen, in denen sie nach denselben Regeln wie Männer, aber mit einem kleineren Ei gegeneinander antreten. Auch können sie nicht als Profis von ihrem Sport leben. Zudem kamen diverse Frauen im College-Football zum Einsatz, aber eben nicht in einer der fünf höchsten Ligen wie nun Fuller.

Für die 21-Jährige soll der Auftritt mit der Nummer 32 auf dem Rücken kein Einzelfall bleiben. Sie wolle weiter lernen, sagte Fuller, „weil ich wirklich denke, dass ich es verfeinern kann und mich verbessern werde.“ Ihr Coach, Derek Mason, hat ihr öffentlichkeitswirksam schon für das kommende Wochenende im Spiel gegen Georgia eine Einsatzgarantie gegeben. „Ich würde gerne wieder aufs Feld gehen und diesmal auch ein Field-Goal schießen.“ Es wäre der nächste historische Kick – und vermutlich auch ein deutlich spektakulärerer. (mit dpa)

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