1. Startseite
  2. Sport

Ein gebrauchter Tag

Erstellt:

Kommentare

Nachdenklich: Der Mainzer Torwart Robin Zentner.
Nachdenklich: Der Mainzer Torwart Robin Zentner. dpa © dpa

Vor dem Wiedersehen mit Ex-Trainer Sandro Schwarz läuft beim FSV Mainz 05 schief, was schieflaufen kann

So manch Anhänger hat das Kopfkino am Wochenende noch mal durchgespielt. Mal angenommen, der FSV Mainz 05 hätte vor der erstaunlichen Zahl eigener Anhänger tatsächlich den nächsten Auswärtssieg gelandet: die Rückfahrt über die A6 wäre wohl eine einzige rot-weiß-rote Triumphtour gewesen. Als Tabellenführer für eine Nacht.

Aber die Realität hat dann am Samstag nach einem 1:4 (0:0) bei der TSG Hoffenheim doch ein bisschen anders ausgesehen: ein Verletzter, ein Feldverweis und am Ende die erste Auswärtsniederlage in dieser Saison. Im Kraichgau lief schief, was schiefgehen konnte. So verloren die Rheinhessen zuerst Stürmer Jonathan Burkardt mit einer Risswunde am Fuß, dann Alexander Hack durch eine Rote Karte und schließlich das Spiel.

„Es waren zwei Situationen entscheidend: Das verletzungsbedingte Aus von Johnny Burkardt gab unserem Spiel einen Bruch, da haben wir den Faden verloren und da hat sich die Statik des Spiels verschoben. Und dann natürlich der Platzverweis für Alexander Hack, das hat es in der zweiten Halbzeit in Unterzahl sehr schwierig gemacht“, analysierte FSV-Sportdirektor Martin Schmidt die Partie vor nur 20 114 Zuschauern. „Der Gegner war in Überzahl einfach zu stark. Sie haben uns oft ins Leere laufen lassen.“

Rote Karte als Knackpunkt

Andrej Kramaric (53.), Grischa Prömel (69.), Munas Dabbur (80.) und Pavel Kaderabek (90.+2) trafen für die TSG, der Treffer von Dominik Kohr (83.) war für den FSV nur ein schwacher Trost. Dabei hatten die Mainzer gut losgelegt und waren bis zur Pause ebenbürtig. „Es war ein Spiel mit zwei Phasen: vor der Roten Karte, nach der Roten Karte“, befand Trainer Bo Svensson. In Unterzahl konnte sein Team dem spielstarken Gegner nicht mehr Paroli bieten. „Wir haben es nach der Pause nicht geschafft, lange stand zu halten und haben das Gegentor aus einer Umschaltsituation heraus bekommen. Da waren wir naiv“, sagte Svensson.

Nach zuvor drei Auswärtssiegen mussten die Nullfünfer die kurze Heimreise erstmals seit 2018 mit leeren Händen antreten. „Elf gegen elf haben wir viel gut gemacht, deswegen müssen wir es abhaken“, sagte Abwehrspieler Stefan Bell. „Schade, dass wir so hoch verloren haben. Aber das darf niemanden aus der Bahn werfen.“

Immerhin gibt es eine gute Gelegenheit zur Fehlerkorrektur: Am Freitag kommt erstmals nach seiner Entlassung im November 2019 der Fußballlehrer Sandro Schwarz zurück in die Arena am Mainzer Europakreisel. Für Hertha BSC, erst fünf Punkte nach sechs Spielen, ist diese Begegnung bedeutsamer als für die Mainzer, denen Existenzängste auch diese Saison offenbar abgehen. Schwarz aber muss mit Berlin liefern: Der 43-Jährige, in Mainz geboren, in Ginsheim aufgewachsen, hat gefühlt sein halbes Leben als Spieler und Trainer bei den Nullfünfern zugebracht. Er kennt im Mainzer Kosmos noch jeden Winkel – und fast jeden Mitarbeiter.

Schwarz weiß, dass sein Heimatverein keine Geschenke zu verteilen. Schmidt versprach bereits: „Wir fallen nicht um, der Kopf bleibt oben.“ Der Schweizer fordert für die Herausforderung unter Flutlicht gegen Hertha: „Da müssen wir unsere Heimstärke in die Waagschale werfen und beginnen dann eben eine Heimserie, nachdem die Auswärtsserie gerissen ist.“ hel/dpa

Auch interessant

Kommentare