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Ein Fall für den Laufdetektiv

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Von: Jakob Böllhoff

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Joasia Zakrzewski im Ziel.
Joasia Zakrzewski im Ziel. © Facebook

Die britische Läuferin Joasia Zakrzewski hat bei einem Ultramarathon in Nordengland betrogen: Vier Kilometer fuhr sie mit dem Auto.

Erfahrene Läuferinnen und Läufer wissen, wie wichtig das ist: noch einmal einen Gang höher zu schalten, wenn es schleppend vorangeht im Rennen. Den Besten gelingt es dann, Reserven zu mobilisieren und, ja, vielleicht sogar den inneren Schweinehund zu überwinden, der mit seinem destruktiven Wesen ja schon viel zu oft zwischen Menschen und ihren Topleistungen stand. Die dumme Sau.

Auch Dr. Joasia Zakrzewski hätte sich der Schweinehund gerne gepackt, aber das ging erst einmal nicht. Beim Ultramarathon von Manchester nach Liverpool (zirka 80 Kilometer) hat sich die Extremläuferin aus Schottland, 47, mitten im Rennen zu einer wirklich ganz bemerkenswerten Leistungssteigerung aufgerafft, durch die sie am Ende als Dritte ins Ziel kam.

Grandioserweise gelang es der Ärztin zwischenzeitlich, eine Meile (entspricht 1,6 Kilometern) in 1:40 Minuten zurückzulegen, wobei sie eine Spitzengeschwindigkeit von 56 km/h erreichte, das ließ sich hinterher den Geodaten entnehmen. Sensationell, dieser Zwischensprint, geradezu übermenschlich. Schnell wie ein Auto sauste die gute Dr. Zakrzewski da durch die Landschaft in Nordengland, könnte man sagen. Und läge überhaupt nicht falsch: Tatsächlich hatte sie vier Kilometer mit dem Wagen zurückgelegt.

Laufdetektive gegen Betrug

Aussagen von anderen Teilnehmern sowie Veranstaltern hätten den Verdacht gegen Zakrzewski erhärtet, sagte Rennchef Wayne Drinkwater. Den Verdacht erhärtet – das klingt natürlich herrlich nach britischem Understatement, wenn man davon ausgeht, dass die Zeugenaussagen unter anderem lauteten: „Dann ist die Frau ist in ein Auto gestiegen und losgefahren.“

Eigentlich hat Zakrzewski das ja gar nicht nötig. Sie ist eine Spitzenathletin, britische Rekordhalterin über 100 und 200 Meilen (wobei man da vielleicht noch mal die Geodaten checken sollte im Nachhinein). Andererseits hat jeder mal einen schlechten Tag. Der Vorfall tue ihr aufrichtig leid, sagte ein Freund der Läuferin der BBC. Zakrzewski habe sich vor und während des Laufs unwohl gefühlt, nachdem sie erst am Vorabend aus Australien angereist war.

Gewinnen will man natürlich trotzdem. Die Geschichte des Laufsports ist reich an vergleichbaren Fällen, manche kürzen ab, manche nehmen die U-Bahn, andere heften ihren Chip einem Schnelleren an und setzen sich ins Café und warten, dass sie mit einem Screenshot der Spitzenzeit bei Instagram prahlen können.

Für solche Schlawiner gibt es Laufdetektive, die es sich hobbymäßig zur Aufgabe gemacht haben, Betrüger und Betrügerinnen zu überführen. Im normalen Leben sind das vermutlich keine beliebten Mitmenschen, aber was soll’s: Auch der innere Schweinehund braucht draußen seine Leute.

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