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Erfolgreich in Polen: Kosta Runjaic.
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Erfolgreich in Polen: Kosta Runjaic.

Kosta Runjaic findet sein Glück

Ein bisschen Titel-Schnuppern

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Der ehemalige Darmstädter Chefcoach Kosta Runjaic führt mit Pogon Stettin die polnische Liga an

Mitunter muss Kosta Runjaic ganz schön laut werden. „Wir trainieren mitten auf einer Baustelle“, berichtet der Chefcoach des polnischen Tabellenführers Pogon Stettin am Telefon. Stadion und Trainingszentrum werden hochmodern ausgebaut. Runjaic, Ex-Trainer unter anderem von Darmstadt 98 und dem 1. FC Kaiserslautern, kommt mit den schwierigen Umständen gerade ganz besonders gut klar: Die letzten sechs Spiele wurden allesamt gewonnen, in Stettin träumen die Fans vom ersten Titel der Klubgeschichte. Bisher reichte es nur zu zwei Vizemeisterschaften und drei Pokalfinalteilnahmen. „Die Leuten lechzen danach, endlich mal ganz vorn zu sein“, weiß Runjaic. Aber das werde trotz des aktuellen Höhenflugs eher schwierig. Es dürfte wohl beim Schnuppern am Titel bleiben. Legia Warschau, finanziell viel besser ausgestattet, sitzt den Stettinern mit nur zwei Punkten Rückstand im Nacken.

11., 7., 6. und jetzt 1. Platz

Runjaic stemmt sich mit seiner Mannschaft emsig dagegen. Es ist wieder spät geworden an diesem verschneiten Tag. Eigentlich hatte er zur Mittagszeit für das Telefonat zugesagt, es wird dann abends, er ist vorher noch die acht Minuten aus dem Büro am Stadion in seine Wohnung ins Stadtzentrum gefahren. Der 49-Jährige ist bei Pogon mehr als ein Fußballlehrer. Seit seinem Amtsantritt im November 2017 ist es stetig bergauf gegangen: 11., 7., 6. Platz. Als der in Rüsselsheim aufgewachsene Runjaic kam, war Pogon Tabellenletzter der Ekstraklasa, es folgte die Rettung, jetzt sind sie Erster.

Das ist auch deshalb alles andere als selbstverständlich, weil zwischenzeitlich einige der besten Spieler verkauft wurden: Mittelstürmer Adam Buksa für vier Millionen Euro zu New England Revolution in die Major League Soccer, Sebastian Walukiewicz für fast den gleichen Betrag nach Cagliari (Italien), Jakub Pietrowski für knapp zwei Millionen Euro nach Genk (Belgien), Przemyslaw Kazmlerczak für 1,3 Millionen zum FC Porto nach Portugal. „Für viele polnische Spieler ist das Hauptziel, raus in die Welt zu ziehen“, berichtet Runjaic. Bei Anfangsgehältern von kaum mehr als tausend Euro ist das nachvollziehbar. Pogon Stettin hat bei einem Gesamtbudget von sechs Millionen Euro wirtschaftlich bisher keine Chance gegen Topklub Legia Warschau, auch nicht gegen Lech Posen oder Wisla Krakau mit dem im Dezember verpflichteten deutschen Trainer Peter Hyballa.

Aber auch dank einer guten Nachwuchsakademie gelingt es Runjaic nun schon im vierten Jahr in der nicht weit von der deutschen Grenze an der Oder gelegenen Hafenstadt Stettin, aus wenig viel zu machen. Viermal wurde er schon zum „Trainer des Monats“ gewählt, zuletzt im Dezember. „Es ist ein familiärer Verein mit einem guten Arbeitsklima“, erzählt Runjaic, der einen Kader aus zwei Dritteln Polen und einem Drittel ausländischer Spieler beieinander hat.

Sieben Stunden nach Hause

Er hat anfangs nicht gedacht, dass er so lange bleiben würde, polnisch spricht er nur brockenweise, mit der Mannschaft kommuniziert er deutsch oder englisch, die Pressekonferenzen, derzeit alle digital, werden übersetzt. Wenn der Neubau fertig ist, für den mit Hilfe der Stadt bis zu 80 Millionen Euro verbuddelt werden, könnte Pogon Stettin stabiler oben angreifen.

Runjaic´ Vertrag läuft bis 2022. Er ist jetzt schon sehr lang weit weg von der eigenen Familie. Die wohnt im Rheingau, seiner Frau ist Zahnärztin, die Söhne sind 21 und 14, die Tochter zwölf, und der Vater schafft es mühevoll alle zwei, drei Wochen, nach Hause zu kommen. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Flugverbindungen von Berlin rar geworden, die Preise gleichzeitig extrem gestiegen. Runjaic nimmt jetzt öfter den Zug. Fast zwei Stunden Autofahrt von Stettin nach Berlin, dann viereinhalb Stunden Zugfahrt, noch mal ins Auto bis in den Rheingau - alles nicht einfach. Sein Leben ist auch eine Baustelle - wie die am Trainingsplatz.

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