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Ein bisschen Olympia-Gefühl in Bayern

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Von: Günter Klein

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Unter Druck: Sideris Tasiadis war von der Atmosphäre am Eiskanal beeindruckt.
Unter Druck: Sideris Tasiadis war von der Atmosphäre am Eiskanal beeindruckt. © IMAGO/kolbert-press

Der Sportsommer 2022 mit den European Championships soll in München an die olympischen Spiele 1972 erinnern. Augsburg macht es bei der Kanuslalom-WM vor.

Waldi, der Münchner Olympia-Dackel von 1972, hat einen Verwandten in Augsburg: Gustl, den Biber. Der wurde als Maskottchen für die Kanuslalom-WM 2022 erst vor einem Jahr geschaffen, doch ist absolut Retro: plüschig-knuffig wie Waldi und in den sanften Otl-Aicher-Farben gehalten, die vor 50 Jahren das Design der Spiele prägten und untrennbar mit dem Teil von Olympia 1972 verbunden sind, den man als heiter und friedlich in Erinnerung hat. Augsburg spielte mit der Weltmeisterschaft im Kanuslalom sehr bewusst die 1972er-Karte. Damals war die Wildwassersportart erstmals Bestandteil des olympischen Programms. Gute alte Zeit – und sie lebte auf der am Wochenende ausverkauften Anlage am Lech wieder auf.

„Unbeschreiblich“ nannte Sideris Tasiadis, der mit zwei Olympia-Bronzemedaillen dekorierte Augsburger, der Weltmeister im Canadier wurde, was er auf seiner Strecke erlebte. Die Stimmungsexplosion nahm er bereits wahr, als er noch den Startbügel hielt und sein Rennen noch gar nicht aufgenommen hatte. Der Leipziger Franz Anton, der Dritter wurde, empfand es als anspruchsvoll, sich überhaupt auf die Tore zu konzentrieren: „Jeder Trommelschlag auf die Bande treibt den Puls ein Stück in die Höhe.“ Tasiadis räumte ein: „Der Druck hat mich fast zerrissen.“ Der 32-Jährige fühlte sich außerdem geschmeichelt vom Auftrieb an Prominenz: IOC-Präsident Thomas Bach war da, aus der überregionalen Politik Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Kulturstaatssekretärin Claudia Roth. Tasiadis: „Dass wir mal eine solche Aufmerksamkeit erfahren...“

Augsburg hätte eigentlich gut ins Münchner Portfolio der European Championships (ab 11. August) gepasst – doch der Kanuslalom hatte nun mal WM-Jahr. Doch im Münchner Organisationskomitee wurde registriert, wie gut die Veranstaltung in der 65 Kilometer entfernten Nachbarstadt lief. Den Geist der Spiele von 1972 zurückzubringen, sagt ein Sprecher der Championships, sei auch das Konzept bei der Ansammlung von neun Europameisterschaften in München. Deshalb gebe es zahlreiche frei zugängliche Wettbewerbe im Olympiapark und in der Stadt: Mountainbike, BMX, die Straßenradrennen, Marathon, Gehen, teilweise auch Klettern und Beachvolleyball.

Jeder Selfie-Wunsch erfüllt

In Augsburg wurde zwar Eintritt verlangt, dafür konnten die Fans auf denkbar unkomplizierte Weise mit den Kanutinnen, Sportlern, Trainern zusammenkommen. Selbst Jessica Fox, Superstar aus Australien, die in jedem Wettbewerb startete (und in den Einzeln einmal Gold und zweimal Silber gewann), erfüllte, gerade aus dem Eiskanal gestiegen und noch in der tropfenden Wettkampfkluft, lächelnd jeden Autogramm- und Selfie-Wunsch. Die Augsburgerin Elena Lilik (Gold und Silber mit den Teams, Bronze im Kajak) verweigerte das Bad in der Menge nicht, obwohl es am Ende zu einem Leistungsabfall führte: „Im Ausland wäre es leichter gewesen, das zu verarbeiten.“ Sie fand trotzdem alles großartig: „Das nimmt mir keiner.“ Bei Olympia war die 23-Jährige noch nicht, Startplätze sind rar.

Doch sie lernte klassische olympische Musik kennen. Die Siegerehrungen beim Kanuslalom wurden mit der Hymne von 1972 eingeleitet.

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