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Viele helfende Hände: Ohne Volunteers wäre Olympia nicht möglich.
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Viele helfende Hände: Ohne Volunteers wäre Olympia nicht möglich.

Olympia-Serie Tokio 2021

Ein bisschen ernüchtert

  • VonFelix Lill
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Der steinige Weg nach Toki0, Teil 3: Was tun, mit den zehntausenden Volunteers? Und wer will überhaupt noch helfen?

Wenn Olympische Spiele eröffnet werden, dürfen zwei Sätze nie fehlen. Mit minimalen Variierungen sagen die Organisatoren das immer so: „Und ein riesiges Dankeschön gilt noch den Volunteers! Ohne euch wäre das alles hier gar nicht möglich!“ Dann wird geklatscht. Von den Rängen im Olympiastadion jubeln die Zuschauer, aus den Logen winken die VIPs. Bei der Abschlussfeier wiederholt sich das Ritual noch einmal. Es sind diese zwei Momente, in denen die Helfer:innen im Mittelpunkt stehen.

Die Bilder ähneln jenen aus dem ersten Lockdown im Deutschland des Jahres 2020. Eine ganze Nation sollte pandemiebedingt daheimbleiben, während das Kranken- und Pflegepersonal unter großem gesundheitlichen Risiko Extradienste schieben musste. Abgesehen von ein paar Boni ist deren Bezahlung unterdurchschnittlich geblieben, obwohl die Wichtigkeit ihrer geleisteten Arbeit weiterhin absolut überdurchschnittlich ist. Stattdessen wird eben viel geklatscht.

So ist es auch mit den Freiwilligenhelfern. Überlebenswichtig sind sie bis auf Weiteres nicht, systemrelevant für das Ereignis aber schon. Während der insgesamt rund vierwöchigen Sportparty aus Olympischen und Paralympischen Spielen stehen sie an den Ausgängen von U-Bahnstationen und weisen den nicht ortskundigen Besucher:innen den Weg. In den Pressezentren erklären sie Journalist:innen, wo es zur Pressekonferenz geht und wie das mit dem digitalen Informationssystem funktioniert. In den Stadien sorgen sie für Ordnung.

110 000 Personen sollen mit solchen Aufgaben die Spiele von Tokio diesen Sommer unterstützen. Die rituellen Dankesworte der Organisatoren sind keine Übertreibung: Ohne diese helfenden Hände wäre die größte Sportveranstaltung der Welt wirklich nicht zu stemmen. Was den offiziellen Begriff „Volunteer“ – Freiwillige – aber euphemistisch klingen lässt, ist die Frage der Entlohnung. Denn es ist zwar richtig, dass sich diese Personen auf einen Aufruf der Organisatoren hin freiwillig melden. Ungern wird von offizieller Seite aber erwähnt, dass sie tatsächlich nicht bezahlt werden.

Bei Olympischen Spielen „Volunteer“ zu sein, bedeutet, nicht mehr als ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr und einen Trainingsanzug mit Olympialogo zu erhalten, im Gegenzug mehrstündige Tagesschichten abzureißen. Diese Personen müssen einem nicht per se leidtun, denn keiner zwingt sie zum Mitmachen. Viele von ihnen wollen Teil eines historischen, wahrlich globalen Ereignisses sein. Sie wollen in Austausch mit der Welt kommen und ihre Englischkenntnisse einsetzen. Fast alle Volunteers nehmen sich extra Urlaub, wer von außerhalb anreist, zahlt die Flug- und Unterkunftskosten selbst.

Allerdings könnte sich man vom IOC oder der lokalen Ausrichterstadt, die mit Olympischen Spielen Milliardenumsätze erwirtschaften, ein bisschen weniger Knausrigkeit erhoffen. Immer wieder kam es deshalb auch schon zu Verstimmungen. Bei den vergangenen Winterspielen, Pyeongchang 2018 in Südkorea, streikten Volunteers wegen der harten Arbeitsbedingungen und der schlechten Verpflegung. Und auch für „Tokyo 2020“ sind diese hilfsbereiten Freiwilligen mittlerweile zu einem Problem geworden.

Schon als die Spiele letztes Jahr pandemiebedingt verschoben wurden, fühlten sich viele Volunteers alleingelassen, weil sie auf Kosten für bereits bezahlte Flüge sitzenzubleiben schienen. Auch jetzt wissen sie nicht, wie sie planen sollen, warten lange auf Ansagen oder Unterstützung. Und dann waren da noch die frauenfeindlichen Bemerkungen des im Februar dann zurückgetretenen Cheforganisators Yoshiro Mori, woraufhin 1000 Volunteers ihre Hilfsbereitschaft zurückzogen. Für dieses Event wolle man nicht weiter seinen Kopf hinhalten, erklärten viele der Desillusionierten.

Womöglich ist es Zeit, auch diesen eigentlich hilfsbereiten Menschen etwas mehr zu bieten. Dass ohne sie kein Olympia möglich ist, ist ja längst aktenkundig.

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