1. Startseite
  2. Sport

Ein Aufstieg für die Geschichtsbücher

Erstellt:

Von: Markus Katzenbach

Kommentare

Geschafft: In Ravensburg machten die Frankfurter Cracks den Titel in der DEL 2 perfekt. imago images
Geschafft: In Ravensburg machten die Frankfurter Cracks den Titel in der DEL 2 perfekt. imago images © IMAGO/Eibner

Die Löwen Frankfurt kehren souverän in die erste Eishockeyliga zurück – sofern sie die Lizenz bekommen

Mittendrin in der spontanen Party nahm Pierre Preto Anlehnung an einen aus dem Fußball bekannten Schlachtruf. „Wir fahren nach Berlin“, skandierte der junge Stürmer der Frankfurter Löwen am späteren Freitagabend noch in der Ravensburger CHG-Arena, und tatsächlich konnte die Bundeshauptstadt wie beim DFB-Pokalendspiel ja auch in diesem Löwen-Zusammenhang symbolisch für das Erreichen eines Traumziels stehen: Angekommen in der ersten Klasse des deutschen Eishockeys, werden die Frankfurter in der nächsten Saison wieder beim Rekordmeister Eisbären Berlin antreten statt wie in den vergangenen Zweitliga-Jahren in Bayreuth oder bei den Nachbarn vom EC Bad Nauheim.

So denn die wirtschaftlichen Voraussetzungen für diesen Aufstieg auch gestemmt werden können. Aber da ist man im Löwen-Lager trotz einiger offener Fragen guter Dinge. Und erst einmal galt es ohnehin, die Leistung einer Mannschaft zu würdigen, die mit einer seltenen Souveränität ihren Eintrag ins Frankfurter Eishockey-Geschichtsbuch vollendete, einschließlich eines historischen Zahlenspiels für die bundesweiten Rekordbücher. Zwölf Spiele, zwölf Siege: So flott ist vorher noch kein Erst- oder Zweitligist hierzulande durch Best-of-Seven-Serien der Play-offs zum Titel gerauscht.

„Mega stolz“, war Franz-David Fritzmeier, als am Freitag dann auch die Ravensburg Towerstars mit 4:0 Siegen bezwungen waren, wie zuvor die Freiburger Wölfe und die Heilbronner Falken in Viertel- und Halbfinale. „Ich freue mich sehr für den Klub, dass wir wieder da sind, wo wir hingehören“, hielt der Sportdirektor fest inmitten der ersten Feierlichkeiten auf Ravensburger Eis, die mit der Schlusssirene begonnen hatten.

An die Größendimensionen dieser Angelegenheit hatte Fritzmeier seine Spieler in den vergangenen Wochen wiederholt erinnert. „Ihr habt die Chance, nicht nur Meister zu werden, sondern auch Legenden“, pflegte er zu sagen: „Denn ihr habt die Chance, diesen tollen, großen Klub in die DEL zurückzubringen.“

Vollendet wurde diese Mission im zweiten Anlauf. Als sich im vergangenen Jahr das Tor zur DEL erstmals seit 2006 wieder öffnete, scheiterten die Löwen im Viertelfinale knapp an den späteren Meistern und Aufsteigern von den Bietigheim Steelers, nach einer durchwachsenen Runde voller Corona-Problemen und großem Verletzungspech, unter anderem.

Dafür war diese Saison nun perfekt, „wie aus dem Bilderbuch“, meint Fritzmeier, auch ohne größere Verletzungen und andere Sorgen. Angefangen mit dem Sieben-Siege-Startrekord für die DEL 2, beendet mit dem Playoff-Rekord einer Zwölf-Siege-Serie fürs schnellstmögliche Weiterziehen bis zum Ziel. Hauptrundenerster mit Rekordwerten waren die Löwen auch wieder. Und pünktlich zum Finale durfte nach zwei Pandemie-Jahren die Eissporthalle am Ratsweg wieder voll gefüllt werden, mit 6770 Zuschauern beim berauschenden 7:0 am Karsamstag im ersten und dem dramatischen 1:0 nach Verlängerung im dritten Spiel, das allein war ein Fest.

Feiern bis zum Abwinken

„Wir sind einen langen Weg gegangen, jetzt haben wir es geschafft“, resümierte Franz-David Fritzmeier, in Gedanken an den Neuanfang vor vier Jahren, nicht zuletzt auch an die Corona-Saison 2020/2021. „Das war für uns als Klub die härteste Zeit. Wir haben das aber finanziell überlebt, sportlich das Beste daraus gemacht und es gemeinsam überstanden“, sagt er.

Auch weil danach selbst für die DEL entwickelte Talente wie Leon Hüttl nicht mehr zu halten waren, gab es vor dieser Eiszeit noch einmal einen größeren Umbruch. „Wir hatten ein fast komplett neues Team“, betont Kapitän Max Faber. Mit mehr erfahrenen Kräften, zusammengebaut für den Aufstieg, „in kurzer Zeit und unter vielen Unwägbarkeiten“, sagt Fritzmeier. „Da hat der Klub einen Superjob gemacht.“

Heraus kam eine Meistermischung mit vielen Facetten, „Sie haben es alle zusammen geschafft“, bemerkt Fritzmeier, „in einem Prozess, der schon früh angefangen hat und in dem die Mannschaft bis zum Schluss ihr Level erhöht hat“. Bis mit der letzten Sirene in Ravensburg die Festivitäten begannen. Auf die Feier rund um die Pokalübergabe mit den mitgereisten Fans folgte die Kabinenparty mit Bier und Zigarren, nach einer langen Heimfahrt mit dem Bus durch die Nacht am frühen Samstagmorgen ein begeisternder Empfang von hunderten Anhängern am Ratsweg, samstagabends eine selbstorganisierte Feier der Spieler und Trainer auf einem Schiff auf dem Main, und so schnell hören die Feierlichkeiten nicht auf: Am Mittwoch lädt die Stadt Frankfurt zum Empfang auf dem Römer, am Freitag steht noch eine Meisterfeier mit den Fans an.

„Das steht erstmal im Vordergrund“, sagt Fritzmeier, Analysen und Gespräche mit dem Klub und allen Spielern werden danach geführt. Mit der Frage: Wie geht es weiter, sportlich und wirtschaftlich? Nach der Corona-Pandemie haben den Klub auch die Auswirkungen des Ukraine-Krieges getroffen, vom Großsponsor VTB – einer russischen Bank – trennte man sich in der Folge. Mit der Lizensierung für die erste Liga ist trotzdem zu rechnen, ein Selbstläufer aber ist sie nicht – wobei ein Scheitern auf diesem Weg eine böse Überraschung wäre und nebenbei eine bittere Pointe.

Auch interessant

Kommentare