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Zusammen für Deutschland: Michael „Megabit“ Bittner und Mohammed „MoAuba“ Harkous.

E-Sports

Die Konsolenkicker

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Mohamed Harkous und Michael Bittner treten für Deutschland beim Fifa E-Nationscup an.

Am Dienstag stand Mohammed Harkous zuletzt auf dem Fußballplatz. Bei seinem Heimatverein Rot-Weiß Stiepel II in Bochum trainierte er mit seinen Jungs, so wie er das fast jede Woche macht. Nur ein Spiel hat der gebürtige Bochumer mit libanesischen Wurzeln in dieser Saison nicht absolviert. „Ich habe höher gespielt, aber seit drei Jahren geht es immer eine Liga runter“, sagt der 22-Jährige schmunzelnd. Der Grund ist ganz einfach: Er hat an den Wochenenden keine Zeit, selbst über den Platz zu rennen.

Stattdessen lässt er Wochenende für Wochenende als „MoAuba“ – früher trug er die Haare wie Pierre-Emerick Aubameyang – die besten Kicker dieser Welt in der Fußballsimulation Fifa 19 auf der Playstation durch die gegnerischen Abwehrreihen tanzen. In dieser Disziplin ist er weltweit einer der Besten und gewann zuletzt mit seinem Teamkollegen von Werder Bremen Michael „MegaBit“ Bittner die Klubmeisterschaft der Virtuellen Bundesliga (VBL).

An diesem Wochenende (13. und 14. April) werden die beiden Bremer am erstmals organisierten Fifa E-Nationscup in London für Deutschland teilnehmen. Vor knapp zwei Woche stellte der Deutschen Fußball-Bund (DFB) Harkous und Bittner als erste E-Nationalspieler vor. Anfang Februar hatte der Fußballweltverband Fifa den DFB zu dem Kräftemessen der besten Konsolenkicker eingeladen. Mitte März hatte sich das Präsidium dann einstimmig für die Teilnahme entschieden, auch wenn der ehemalige Präsident Reinhard Grindel E-Sports zuvor als „geistige Verarmung“ bezeichnet hatte. Offensichtlich eine Minderheitenmeinung im Verband, der die Zukunft jetzt nicht verschlafen will, wie Generalsekretär Friederich Curtius betonte. Alles was den Namen Fußball beinhalte, so Vizepräsident Rainer Koch, „soll unter dem Dach des DFB sein.“

Michael Bittner hätte sich niemals erträumen können, was aus E-Sports innerhalb kürzester Zeit geworden ist, seit er damit als 17-Jähriger angefangen hat. „Die Sprünge seit Fifa 17 sind kometenhaft. Ich weiß nicht, wo das Ganze in zwei Jahren steht“, sagt der heute 20-Jährige, der auf der X-Box spielt. In den vergangenen zwei Jahren wurden rund 1,9 Millionen Euro bei 28 Turnieren im Modus Fifa-Ultimate-Team ausgespielt. Beim E-Nations-Cup bekommt das Siegerteam 40 000 Dollar (rund 35 000 Euro). Zum Vergleich: der Taktikshooter Counter Strike hat zwischen 2012 und 2019 in 3964 Turnieren rund 64 Millionen Dollar an Preisegeldern ausgelobt. Andere populäre Spiele wie League of Legends und Dota2 verteilen ebenfalls wesentlich höhere Preisgelder als die Fußballsimulation Fifa.

„Sind Turnierfavorit“

Trotzdem können Bittner und Harkous von ihren Einnahmen – ein Grundgehalt von Werder Bremen sowie den Preisgeldern – bestens leben. „Ich habe meinen Traum, mit Vereinen zusammenzuarbeiten, in gewisser Weise erfüllt“, sagt Bittner. Dass er kein Fußballprofi werden würde, habe er schon früh erkannt. Also wollte er mit einem Sportmanagementstudium Teil der Fußballbranche werden. Sein großes Talent an der Konsole hat ihm dazu früher als gedacht, die Türen geöffnet.

In London rechnen sich die beiden E-Sportler gute Chancen aus. „Wir sind neben Saudi-Arabien Turnierfavorit“, ist Bittner überzeugt. Denn neben den Einzelspielen auf der X-Box und der Playstation wird der Zwei-gegen-Zwei-Modus entscheidend sein. Da Bittner und Harkous in den vergangenen Monaten gegen die besten deutschen Spieler in der VBL in diesem Modus gespielt haben, sind sie anderen Nationen vielleicht einen kleinen Schritt voraus.

In den vergangenen Tagen bereiteten sich Harkous und Bittner bei einem Bootcamp in der DFB-Zentrale in Frankfurt mit den Kaderspielern Niklas „NRaseck“ Raseck und Tim „TheStrxngeR“ Katnawatos auf das Turnier vor. Zur Unterstützung nach London fährt Benedikt ‚SaLz0r‘ Saltzer vom VfL Wolfsburg als Trainer mit. Der 26-Jährige soll nochmal mit einem Blick von Außen die letzten Prozent aus den beiden Nationalspielern rauskitzeln.

E-Nations Cup

Der Fifa E-Nations Cup wird erstmals am 13. und 14. April in London ausgetragen. Organisiert wird das E-Sports-Turnier vom Fußballweltverband. Gespielt wird die Fußballsimulation Fifa 19 auf der Playstation und der X-Box. 20 Nationen aus sechs Konföderationen nehmen teil. Alle Länder stellen zwei Spieler, einen pro Konsole. Für Deutschland treten Mohammed „MoAuba“ Harkous und Michael „Megabit“ Bittner an. Sie gehören neben Saudi-Arabien zu den Favoriten.

Während der Gruppenphase werden sowohl auf der X-Box als auch auf der Playstation Einzel und Teamspiele (zwei gegen zwei). Die besten beiden Teams in jeder der vier Fünfer-Gruppen qualifizieren sich für die K.O.-Phase. Deutschland trifft in der Vorrunde auf Argentinien, Brasilien, Norwegen und Schweden.

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