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Bester Laune: Bundestrainer Hansi Flick. dpa
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Bester Laune: Bundestrainer Hansi Flick. dpa

Deutsche Nationalmannschaft

Diplomat im Trainingsanzug

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Hansi Flick hat schnell erkannt, dass er als Bundestrainer nicht nur Nationalspieler nominiert, sondern auch sportpolitisch unterwegs ist. Die Vereine nimmt er geschickt mit ins Boot.

Im Urlaub vor seinem Amtsantritt hat Hansi Flick unsanft zu spüren bekommen, wie schwierig es ist, hohe Wellen zu meistern. An der französischen Atlantikküste zwischen Bordeaux und Biarritz können die Kracher schon mal furchteinflößend Richtung Strand donnern, Flick hat sich beim Surfen den einen oder anderen blauen Fleck geholt. Als Fußball-Bundestrainer tut sich der 56-Jährige leichter, die Welle zu reiten. Keiner seiner Vorgänger ist so gut wie er mit 12:0 Toren und neun Punkten aus drei Spielen in den Job gestartet.

Wer ihn im Training beobachtet, sieht einen Fußballlehrer, der auffällig mehr an seine Assistenten delegiert, als das Vorgänger Joachim Löw getan hat. Flick schaltet sich nur bei dringendem Bedarf in die Trainingsarbeit ein. Was bewirkt, dass ihm dann umso intensiver zugehört wird. Der gebürtige Heidelberger ist handlungssicher in seinem Job, er hat nach einem Umweg über zwei Sportdirektorenposten beim DFB und bei der TSG Hoffenheim dann beim FC Bayern gespürt, „wo ich hingehöre: auf den Platz.“

Als Chef tut sich Flick in der Öffentlichkeitsarbeit viel leichter als zuvor in der Assistentenrolle, die er bis 2014 unter Löw ausfüllte und mit dem WM-Titel krönte. Seinerzeit hatte er allergrößte Mühe, als zweiter Mann meinungsstark aufzutreten. Pressekonferenzen waren ihm ein Graus, er litt geradezu körperlich.

Jetzt, als erster Mann, noch dazu mit viel selteneren offiziellen Terminen als beim FC Bayern, wirkt er viel lockerer, Fragen, die ihm nicht gefallen, lächelt Flick bewusst mit Antworten weg, die nicht zu Schlagzeilen taugen. Etwa die nach dem im aktuellen Kader für das WM-Qualifikationsspiel am Freitagabend (20.45 Uhr, RTL) gegen Rumänen fehlenden Mats Hummels und dessen mutmaßlich unsicherer Zukunft im DFB-Team. Oder zu seiner Meinung zum WM-Ausrichter Katar. Wenn Flick will, bleibt er im Ungefähren und lässt seine Sätze ins Aus laufen. Früher passierte ihm das auch, wenn es er eigentlich nicht wollte.

Er kann auch sehr konkret werden, lieber im persönlichen Gespräch, als hinter einem Mikrofon vom Podium aus. Dem „Kicker“ sagte er dieser Tage: „Ich bin ein Freund des Ballbesitzfußballs aber nicht in der Form, dass wir uns permanent den Ball zuschieben. Wir wollen immer ein Ziel sehen, bei jedem Kontakt muss der Gedanke der Offensive sichtbar sein.“

So agierte Deutschland stets, wenn Löw in einer Symbiose mit Flick entschied. Erst als Flick sich 2014 von der A-Nationalmannschaft verabschiedet hatte, begann eine deutsche Tiki-Taka-Phase und schließlich der Verlust der eigenen Identität.

Das wahrscheinlich beste Spiel in der Ära Löw-Flick erlebte just dasselbe Hamburger Volksparkstadion, in dem sich nun Deutschland und Rumänien sich gegenüberstehen, vor fast genau zehn Jahren. Am 15. November 2011 schlug das DFB-Team die komplett chancenlose Niederlande 3:0. Thomas Müller, Miroslav Klose und Mesut Özil erzielten Tore, deren Vorbereitung im Training genauso einstudiert gewesen waren, Kurzpassspiel und Tiefenläufe ergänzten sich perfekt. Löw und Flick verließen die Coachingzone nach dem Schlusspfiff mit glänzenden Augen. Dahin will Flick wieder kommen.

Viel mehr als der mitunter eigenbrötlerische, sympathische, individualistische Löw setzt Flick auf eine ganzheitliche Strategie, den Teamgedanken lebt er nicht nur mit seinen Assistenten, denen er viel Raum gibt, sondern auch mit den Klubtrainern, mit denen er einen regen Austausch pflegt. Übrigens auch mit denjenigen, die gerade keine deutschen Nationalspieler in ihrem Kader haben. So zieht Flick die Vereine mit auf seine Seite, schenkt Vertrauen und fordert Verantwortung ein. Er hat schon festgestellt, dass „die Rolle des Bundestrainers mehr Einflussmöglichkeiten bietet“ als die eines Vereinscoaches. Er ist jetzt viel mehr sportpolitisch unterwegs, er gibt eine hohe Taktung vor. Seine diplomatische Mission: „Ich möchte, dass wir miteinander agieren und füreinander da sind, der Verband für die Vereine und umgekehrt.“

Dieser Tage unter der Herbstsonne Hamburgs fällt Hansi Flick die Kommunikation mit dem ansässigen Zweitligisten Hamburger SV besonders leicht. Dessen Sportmanager Jonas Boldt kennt er noch aus alten Zeiten in Heidelberg. „Jonas hat sogar mal in meinem Sportgeschäft gearbeitet.“ Das engmaschige Netzwerk des Bundestrainers trägt. Wie weit, muss sich noch zeigen.

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