Robert Lewandowski (rot) will nicht „unvollendet“ bleiben.
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Robert Lewandowski will nicht „unvollendet“ bleiben.

Der Triple-Traum des FC Bayern München

Die Vorzeichen stimmen

Beim FC Bayern München erinnert Vieles an das Jahr 2013, als Jupp Heynckes das Triple gelang - der hält Hansi Flick für fähig, es ihm nachzutun.

Istanbul, eine schöne Stadt“, das waren die Worte von Jupp Heynckes, ehe in diesem Jahr alles anders kam. Und womöglich wäre der Triple-Trainer von 2013 – hätte Corona die Saison beziehungsweise das ganze Leben nicht durcheinandergewirbelt – tatsächlich am 30. Mai an den Bosporus gereist. Wenn der FC Bayern das ersten Mal seit sieben Jahren das Champions-League-Finale erreicht hätte, hätte Heynckes das Atatürk Olympic Stadium dem Sofa in Schwalmtal vorgezogen. Er hätte gerne live verfolgt, ob das, was bisher nur er geschafft hat, auch Hansi Flick gelingt. Dem Mann, der ihm ja so ähnlich sein soll.

Das Endspiel hat bekanntlich nicht im Mai in Istanbul stattgefunden, sondern wird am 23. August in Lissabon angepfiffen. Heynckes bleibt fern, denn Zuschauer sind beim Finalturnier nicht zugelassen, strenge Hygienevorschriften begleiten den Bayern-Tross. Trotzdem wird der 75-Jährige – je weiter sein Ex-Verein kommen wird – in aller Munde sein. Das Wort „Triple“ begleitet die Bayern ja seit dem Double-Gewinn, es steht für eine Mischung aus Hoffnung und Selbstvertrauen, die das Team umgibt. Flick strahlt sie aus, sie färbt ab. Nicht nur intern ist man von Auftritt, Mentalität und Willen des aktuellen Bayern-Teams begeistert. Man sagt gerne: Das hat es seit 2013 nicht gegeben.

„Hansi Flick macht gute Arbeit, das zeigt er jeden Tag“, sagt auch Peter Hermann und ergänzt: „Das ist ähnlich wie bei uns damals.“ Heynckes’ langjähriger Co-Trainer weiß, wovon er spricht. Der heute 68-Jährige war 2012 dabei, als das bittere Vize-Jahr verarbeitet werden musste. Und er saß auch 2013 auf der Trainerbank, als die richtigen Lehren gezogen wurden – und der Triple-Geist entstand. „Die Dominanz“, erzählt er heute, „fing 2013 an, mit einer Mannschaft, die einfach funktionierte.“

Achtelfinale gegen Chelsea

Sie war aufgebaut auf einer Achse, die von Manuel Neuer über Kapitän Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger zu Thomas Müller ging. Gespickt mit Stars wie Arjen Robben und Franck Ribery. Aufgefüllt mit Spielern wie Mario Mandzukic, Dante, Javi Martinez, Xherdan Shaqiri, die Hermann noch heute aufzählt: „Sie waren alle wichtig, sie haben das Team komplett gemacht.“ Er sagt aber aus voller Überzeugung: „Ich finde die Mannschaft jetzt noch besser als 2013.“

Hermann verfolgt das Geschehen wie Heynckes aus der Ferne, die beiden sind gut befreundet und tauschen sich regelmäßig aus. Über den Fußball und weit darüber hinaus. Dem Duo gefällt, was es aktuell in München sieht. Die Ruhe, die Flick in den Klub gebracht hat, die Philosophie, die sie an ihre eigene erinnert. „Er setzt alle Spieler ein, vertraut den Jungen, schätzt die Erfahrung“, sagt Hermann. Das führt zu großer Zufriedenheit: „Und siehe da: Sie gewinnen! Immer!“ So war das in den vergangenen 17 Pflichtspielen. So soll das morgen (21 Uhr) im Achtelfinal-Rückspiel gegen Chelsea sein. Und auch in Viertel- und Halbfinale sowie dem Endspiel von Lissabon.

„Unvollendet“ sagte man ja gerne vor 2013 über Lahm, Schweinsteiger, Robben und Ribery. Heute fehlt vor allem Robert Lewandowski noch der entscheidende Titel auf der Autogrammkarte. „Das nagt an einem“, sagt Hermann über die Situation damals, „gerade für diese Jungs hat es mich daher unheimlich gefreut.“ Er spricht von „Top-Spielern und Top-Menschen. Alle haben alles für das Team gegeben.“ Der „Geist der Mannschaft“ sei es gewesen, „gemeinsam zu gewinnen. Jeder wusste, was seine Rolle war.“

Irgendwie klingt das alles ähnlich wie aktuelle Aussagen aus dem Team. Die Vorzeichen scheinen zu stimmen. Wenn nicht in Istanbul, dann eben in Lissabon. Auch eine schöne Stadt übrigens.

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