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Die Tränen des Trainers

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Von: Patrick Reichelt

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Obenauf: Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder.
Obenauf: Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder. © imago images/Hentschel

Langlauf-Bundestrainer Peter Schlickenrieder hat mit Beharrlichkeit und Teamgeist das Gold der Teamsprinterinnen mit geholt. Ein Kommentar.

Wer wissen wollte, was dieser Erfolg bedeutet, der brauchte nur ins Gesicht seines Vaters zu blicken. Peter Schlickenrieder, dem Bundestrainer und – wie passend – Geburtstagskind, schossen die Tränen in die Augen. Weil mit dem Sensationssieg der Teamsprinterinnen Katharina Hennig und Victoria Carl passiert war, wovon die bayerische Frohnatur, vier Jahre lang bestenfalls hatte träumen dürfen.

Man darf nicht vergessen, was der Schlierseer vorgefunden hatte. Damals, im April 2018, als er das Amt des DSV-Vizepräsidenten abgab, um das Ruder bei den Skilangläufern zu übernehmen. Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang war die Abteilung gelebte Zweitklassigkeit. Ein sechster Platz der Frauen-Staffel, mehr brachte man aus Südkorea nicht mit.

Klar, Schlickenrieder hat auf dem Weg nach Peking 2022 auch viel Lehrgeld zahlen müssen. Der nun 52-Jährige musste einsehen, dass ein Neuaufbau eben doch nicht im Eiltempo zu erledigen war. Während Skispringer und Kombinierer bei den Nordischen Weltmeisterschaften in Seefeld 2019 und Oberstdorf 2021 von Edelmetall zu Edelmetall schwebten, musste Schlickenrieder vor allem Mittelmaß erklären.

Man weiß, dass ihm das nicht immer leicht fiel. Dass auch er an der langsamen Entwicklung zu knabbern hatte. Doch der einstige TV-Experte tat es mit den Fähigkeiten eines Medienprofis. Und im Hintergrund feilte er an Strukturen und vor allem an einem Team mit Perspektive. Das tat er in einem Stil, der ungewohnt war, in einem Sport der Schleifer, in dem Strenge zum guten Ton gehört. Schlickenrieder vermittelte seinen Athlet:innen wie auch seinem Betreuerstab Selbstverantwortung. Setzte auf Teamgeist und Zusammenhalt statt auf blinden Gehorsam.

Und da passt es natürlich bestens, dass die Saat nun gerade in den Teamwettbewerben so spektakulär aufging. Die Staffel wie auch der Teamsprint mögen von der gerade jetzt an der Weltspitze kratzenden Katharina Hennig getragen worden sein – doch Silber und Gold waren Teamleistungen. Rennen, bei denen auch Läuferinnen wie Sophie Krehl und nun Victoria Carl fürs Kollektiv Dinge abriefen, die sie sich so vielleicht nicht einmal selbst zugetraut hatten. Und damit selbst den Bundestrainer zu Tränen rührten.

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