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Die Stehauflöwen schlagen wieder zu

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Von: Markus Katzenbach

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Kollektive Feststimmung am Ratsweg: David Elsner (rechts) hat soeben das Siegtor erzielt.
Kollektive Feststimmung am Ratsweg: David Elsner (rechts) hat soeben das Siegtor erzielt. © IMAGO/Eibner

Erneut schafft der Eishockey-Erstligist aus Frankfurt ein spätes Comeback und schlägt Berlin mit 2:1

Als diesmal wirklich alles verloren schien, für diesen Sonntag zumindest, tankte sich Dominik Bokk mit letzter Kraft noch einmal an der Bande durch, Dylan Wruck holte nahe der blauen Linie weit aus und drosch den Puck entschlossen in die Maschen, genau 12,6 Sekunden vor dem Ende – und die Eissporthalle am Ratsweg erbebte. Der Löwen-Wahnsinn wiederholt sich: Kein anderes Team in der ersten Klasse des deutschen Eishockeys ist so erfolgreich in Last-Minute-Ausgleichsbemühungen wie die Frankfurter Aufsteiger, die Berliner Eisbären wussten das schon aus leidvoller Erfahrung. Und weil die Comeback-Experten kurz darauf entgegen bisheriger Gewohnheit erstmals auch ein glückliches Ende der Extraschicht erzwingen konnten, wurde aus dem Frankfurter Frust innerhalb weniger Minuten ein Löwen-Fest: Den kriselnden Meister aus Berlin bezwangen sie mit 2:1 (0:0, 0:0, 1:1/1:0) nach Verlängerung und wahrten mit dem späten Spektakel vor 6990 Zuschauern in ausverkaufter Halle ihren beachtlichen Abstand zur DEL-Abstiegszone, trotz aller Personalsorgen.

„Sensationell, mit so einem Line-up das Spiel zu gewinnen“, sagte Sportdirektor Franz-David Fritzmeier: „Wir haben immer noch gegen die Eisbären gespielt, die dringend Punkte gebraucht haben.“ Während die Löwen ihren achten Rang behaupteten, rutschten die strauchelnden Titelverteidiger auf den vorletzten ab, zehn Punkte dahinter. So schlecht wie in diesem Tabellenbild zeigten sich die Eisbären, die mit Sonderzügen und Bussen über 1000 trotz der Misere frenetische Fans mitgebracht hatten, gewiss nicht. Sie bestimmten das erste Drittel, die Löwen aber behaupteten sich nach anfänglichen Schwierigkeiten in einer bisweilen zähen, nicht unbedingt hochklassigen, aber immer umkämpften Begegnung.

Bei ihnen waren die ersten schlechten Nachrichten schon mit dem Aufstellungsbogen gekommen: Krankheitsbedingt fehlten nun auch noch ihr unverzichtbarer Anführer Carter Rowney, Stürmer Magnus Eisenmenger und Ersatztorwart Bastian Flott-Kucis – insgesamt wieder mehr als ein halbes Dutzend Löwen, wie seit Wochen. Wenn dazu der Dauerstress zum ersten und zweiten Advent mit vier unglücklichen Niederlagen in einem heftigen Programm voller DEL-Schwergewichte kommt, kann man schon in eine Abwärtsspirale geraten. Dagegen aber stemmten sich die Löwen erfolgreich. „Das war ein ganz wichtiger Sieg“, meinte Torschütze Wruck. „Respekt, so eine Moral zu zeigen“, lobte Fritzmeier.

Schlecht im Powerplay

Zu rechnen war damit nicht mehr wirklich, trotz aller Frankfurter Comeback-Qualitäten. Zumal auch die einzige offensichtliche Löwen-Schwäche dieser bislang sehr ordentlichen Saison zutage trat: Als die Eisbären gegen Ende des zweiten und Anfang des dritten Drittels plötzlich mit allzu großer Härte ihre Strafbank übervölkerten, ließen sie sämtliche und selbst doppelte Überzahlgelegenheiten aus. „Die Jungs wissen, dass das nicht gut läuft“,. sagte Fritzmeier zur schlechtesten Powerplay-Quote der Liga.

Bitter, dass Berlin stattdessen durch Giovanni Fiore nutzte in der 49. Minute in Führung ging. Eine Überzahl aber können die Löwen: Mit sechstem Feldspieler, ohne Torwart, ganz am Ende. So hatten sie am vierten Spieltag in Berlin gar zwei Tore aufgeholt, ebenso am Dienstag gegen Mannheim, diesmal reichte eines. „Wir hätten es uns leichter machen können und schon vorher treffen können“, erklärte Wruck seine „Willensleistung“ (Fritzmeier) zum 1:1 auch mit dem vorherigen Powerplay-Ärger.

Nun steht am Montag die Weihnachtsfeier für die Mannschaft an. „Da gibt es nichts Besseres als einen Sieg vorher“, sagte Fritzmeier. Nach einem Sonntag, der 12,6 Sekunden vor dem Frankfurter Frust die nächste glückliche Löwen-Ende erfuhr.

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