Nur im Testmodus: Wann geht’s wieder in der DEL zu Sache?
+
Nur im Testmodus: Wann geht’s wieder in der DEL zu Sache?

Eishockey

Die Schicksalstage

  • Günter Klein
    vonGünter Klein
    schließen

Erst berät der internationale Eishockey-Verband über die Austragung der WM, dann der deutsche über jene der DEL.

Es gibt ein Event im Eishockey, dessen Austragung als sicher gilt: die Junioren-Weltmeisterschaft zwischen Weihnachten und Dreikönig in Edmonton, Kanada.

Die deutschen U-20-Junioren werden wieder dabei sein, die logistische Planung für sie steht fest: Anreise am 6. Dezember nach Füssen, Zutritt zum Bundesleistungszentrum mit negativem Corona-Test. Am 13. Dezember in mehreren Bussen nach Zürich. Von dort gemeinsamer Charterflug (Christian Künast aus dem deutschen Trainerstab: „Nur wer drei negative Tests hat, kommt in die Maschine“) mit der Schweizer Mannschaft nach Edmonton. Im Hotel dann jeder aufs Einzelzimmer.

Vier Tage Quarantäne, kein Sport, keine Kontakte. Psychisch extrem fordernd. „Wir wissen gar nicht, wie das sein wird“, so U-20-Bundestrainer Tobias Abstreiter. Gespielt wird in Edmonton „komplett in der Bubble, ohne Zuschauer“, sagt Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes und hoher Funktionär im Weltverband IIHF,

Dessen Council tagt am Mittwoch in einer Videositzung und muss harte Entscheidungen treffen. Neben der vor allem in Nordamerika vermarktbaren U20-WM sollen auch die Topturniere A-Weltmeisterschaft, Frauen-WM und die höchste Klasse der U-18-Männer stattfinden. Alles andere wird wohl ausfallen. Im Eishockey gibt es noch mehr Leistungsklassen als beim Fußball in der Nations League, gespielt wird in den entlegensten Ländern, selbst Südafrika trägt regelmäßig Turniere aus, arabische, ozeanische und südamerikanische Länder mischen mit. DEB-Präsident Franz Reindl: „Plötzlich sagen Länder, wir können keine WM spielen. Das wird uns im Eishockey treffen.“ Corona infiziert den Sport, wo er eigentlich noch wachsen muss.

Doch es wird bei der Sitzung des Councils auch um die große Weltmeisterschaft im Mai/Juni 2021 gehen. Sie wurde dem Bündnis Lettland/Belarus zugesprochen. Nicht nur die Pandemie funkt hier dazwischen, sondern auch die politische Lage. Die lettische Regierung will nicht Seite an Seite mit der Lukaschenko-Diktatur stehen, die jede Woche Demonstranten niederknüppelt.

Expertise aus der Politik

„Die beiden Verbände“, sagt Reindl, „arbeiten aber super zusammen.“ Schwierige Situation für die IIHF, die daher eine „Expertengruppe mit hochkarätigen Politikern“ zusammengestellt hat. Bei der Entscheidungsfindung muss auch berücksichtigt werden: Wie wird die medizinische Lage in einem halben Jahr sein? Lässt sich absehen, ob die WM vor Publikum ausgetragen wird? Könnten die 16 Mannschaften an einem Standort statt an zweien untergebracht werden? Sind die Ausrichter (Deutschland und Frankreich 2017 waren es) gegen eine Pandemie versichert? Was würde es für die IIHF bedeuten, nach Lausanne und Zürich 2020 auch Riga/Minsk 2021 absagen zu müssen?

Am Mittwoch wird man mehr wissen – und das ist auch für die Tagung am Donnerstag in Deutschland von Belang. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) muss sich verbindlich äußern, ob sie am 18. Dezember anfängt. Und mit wem in welchem Modus. Gibt es keine WM, hat die DEL am Ende mehr Zeit, um eine Saison über die Bühne zu bringen.

Vor ein paar Wochen klagten die Klubs noch, sie könnten es nicht wirtschaftlich darstellen, wenn sie die Stadien nur zu 20 Prozent der Kapazität füllen dürfen. Nun haben sie neue Kalkulationen ohne Fans aufgestellt. Spieler, Trainer. Vereinsleute verzichten auf Geld (bis zu 60 Prozent), man hat sich zu einer gemeinsamen Anstrengung aufgerafft, den Sport über seine schwierigste Phase zu bringen. „Manche werden vielleicht trotzdem nicht spielen können“, sagte Daniel Hopp, Chef der Adler Mannheim, vorige Woche – doch mit jedem Klub, der zusagte, stieg der Druck auf die, die sich noch zurückhielten. Nun besteht Hoffnung, dass doch alle 14 am Start sein werden. Gestern haben die Augsburger Panther, bislang Wackelkandidat, ihre Teilnahme bestätigt.

Es wäre ein Anfang, mehr aber noch nicht. Dass das Virus einen Wettbewerb schnell durcheinanderbringen kann, zeigt sich an den krummen Tabellen in Österreich, Tschechien und in den unteren deutschen Ligen. Was kommt, weiß keiner.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare