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Lichtershow an der neuen Skisprunganlage für Peking 2022. afp
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Lichtershow an der neuen Skisprunganlage für Peking 2022. afp

Olympia im nächsten Jahr

Die Propagandaspiele

  • VonFabian Kretschmer
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Corona und Menschenrechtsvergehen trüben die Aussicht auf die Olympischen Winterspiele in nur einem halben Jahr in Peking. Das Corona-Konzpt ist noch unklar.

Nach den Spielen ist vor den Spielen: Schon in weniger als 180 Tagen werden die Athleten im Pekinger „Vogelnest“ zur Eröffnungszeremonie der Olympischen Winterspiele einlaufen. Auch wenn das Sportereignis immer mehr offene Fragen aufwirft, steht doch eine Sache unweigerlich fest: Sie werden in jedem Fall stattfinden. Eine öffentliche Debatte über die Gretchen-Frage, wie sie etwa in Japan teils kontrovers geführt wurde, gibt es im autoritär regierten China nicht.

Laut den Organisatoren läuft ohnehin alles nach Plan: Die insgesamt zwölf Austragungsstätten, die sich zwischen der chinesischen Hauptstadt und der umliegenden Provinz Hebei erstrecken, seien „nahezu fertig“. Einige der Stadien wurden neu errichtet, andere sind bereits altbewährt: Im Nationalen Schwimmzentrum Peking etwa, wo vor 13 Jahren bei den Sommerspielen die Schwimmer antraten, werden nun die Curling-Spieler um die Goldmedaille kämpfen.

Corona-Konzept offen

Bislang hat sich Chinas Olympisches Komitee noch nicht zum Corona-Konzept der Veranstaltung geäußert. Schließlich hängt dieses auch davon ab, ob die Behörden den derzeitigen Infektionsstrang der Delta-Variante mit seinen Lockdown-Maßnahmen eindämmen können. Mit noch weit unter Tausend lokalen Ansteckungen sind die Zahlen an sich verschwindend gering, jedoch haben bereits über 40 Städte Virusfälle registriert.

Allerdings ist generell davon auszugehen, dass die Vorschriftsmaßnahmen strenger ausfallen werden als in Tokio: Die Volksrepublik verfolgt schließlich eine strikte „Zero Covid“-Strategie, die auch auf praktisch geschlossenen Grenzen basiert. Wer eine der seltenen Einreisegenehmigungen erhält, muss für drei Wochen in ein staatlich zugewiesenes Hotelzimmer in Quarantäne. Ob dies auch für Athleten und ausländische Regierungsvertreter durchgehalten wird, bleibt offen.

„Für die Olympischen Winterspiele muss sich China wenigsten ein bisschen öffnen“, sagt Politikwissenschaftler Dali Yang von der University of Chicago: „Wahrscheinlich kann sich Peking an dem japanischen Modell orientieren – mit sehr wenigen Zuschauern“.

Doch die epidemiologischen Bedenken dürften schlussendlich die geringeren Sorgen für die Volksrepublik darstellen. Die politischen Herausforderungen hingegen werden mit Heranrücken der Eröffnungszeremonie am 4. Februar immer dringlicher: Wie ein drohendes Damoklesschwert kreist nämlich die Boykott-Debatte über den Olympischen Winterspielen.

Dass einzelne Länder trotz Aufrufen einzelner Abgeordneter im angelsächsischen Raum ihre Athleten nicht nach China schicken werden, ist mehr als unwahrscheinlich. Ein sogenannter diplomatischer Boykott hingegen scheint realistisch: Bereits im Februar haben mehr als 180 Menschenrechtsorganisationen in einem offenen Brief gefordert, dass Staaten keine Regierungsvertreter entsenden sollten – vor allem wegen der Repressionen in Tibet und Xinjiang.

Die US-amerikansiche NGO Human Rights Watch wertet die Spiele gar als die möglicherweise „problematischsten seit den Olympischen Spielen 1936 in Nazi-Deutschland“. In einer aktuellen Online-Konferenz schilderte deren Leiterin für globale Initiativen, Minky Worden, wie sich das Land seit der Sommerspiele in Peking verändert hat: 2008 habe es noch Hoffnung gegeben, dass die Sommerspiele einen positiven Effekt auf Pressefreiheit und Menschenrechtsbilanz haben könnten. „Stattdessen befindet sich China 13 Jahre später inmitten seiner schwersten Menschenrechtsverbrechen seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989“, sagt Worden.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker mit Sitz in Göttingen sieht auch IOC-Präsident Thomas Bach in Zugzwang: „Wenn er sich nicht vollends lächerlich machen will, muss Thomas Bach Farbe bekennen und den Völkermord an Uiguren verurteilen“, sagt Hanno Schedler, Referent für Genozidprävention und Schutzverantwortung.

Eine solche Forderung bleibt jedoch reines Wunschdenken. Genauso wenig wird wohl unter den internationalen Sponsoren – von Coca-Cola bis hin zu Airbnb – Kritik zu erwarten sein. Denn in der Vergangenheit hat Pekings wiederholt bewiesen, dass es selbst bei sanften Anflügen von Tadel mit wirtschaftlicher Vergeltung reagiert.

Dabei besteht kein Zweifel, dass Chinas Staatsführung die Winterspiele für eine nationalistische Propaganda-Show nutzen wird. Sport und Politik ist in der Volksrepublik nicht klar zu trennen,

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