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Trockenübung: Rikako Ikee wird bei den Olympischen Spielen in der Lagen.staffel am Start stehen.
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Trockenübung: Rikako Ikee wird bei den Olympischen Spielen in der Lagen.staffel am Start stehen.

Der steinige Weg nach Toki0, Teil 7

Die Pandemie als Chance

  • VonFelix Lill
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Die an Leukämie erkrankte Schwimmerin Rikako Ikee kann Dank der einjährigen Olympiaverschiebung nun doch zum Star der Spiele aufsteigen

Man mag es nicht glauben, aber es gibt sie: Coronagewinnerinnen im Sport. Im Olympiagastgeberland Japan heißt die eindeutigste Vertreterin dieser seltenen Spezies Rikako Ikee. Sie ist 20 Jahre alt, war mal die große Medaillenhoffnung ihres Landes im Schwimmen, musste aber dann eher ums Überleben kämpfen als um Platz eins, zwei oder drei. Rikako Ikee hat dies zwar nie ausgesprochen, aber keiner Sportlerin dürfte die einjährige Verschiebung der Spiele von Tokio so gut passen wie ihr.

Eigentlich sollte Rikako Ikee nämlich sowieso zum Star der Spiele werden. Als die Tokioterin 2016 ihr Olympiadebüt in Rio gab, war sie erst 16 Jahre alt, hielt aber schon den Landesrekord über 100 Meter Schmetterling und war Nachwuchsweltmeisterin über 50 und 100 Meter. Zu einer Berühmtheit in der japanischen Sportszene wurde Ikee spätestens 2018, als sie bei den Asian Games im indonesischen Jakarta mit sechs Goldmedaillen einen Rekord aufstellte. Man prophezeite ihr eine große Zukunft. Im Jahr 2020 würde Ikee „eines der Gesichter der Spiele“ werden, vermutete die Nachrichtenagentur Reuters.

Nur stellte sich bald heraus, dass die Topathletin bis dahin doch nicht topfit sein würde. Auf einem dreiwöchigen Trainingslager in Australien im Februar 2019 fühlte sie sich nach einer Trainingseinheit seltsam schlapp. Sie reiste frühzeitig ab, um sich daheim untersuchen zu lassen. Kurz darauf erhielt sie eine erschütternde Diagnose: Leukämie. Der Traum von Olympia in ihrer Heimatstadt war ganz klein geworden. Vornan stand der Wunsch nach Überleben.

Als die Therapie begann, ging die junge Frau, die eigentlich für ihr Lächeln bekannt war, wohl durch die Hölle. Während auf ihrer persönlichen Website bald mehr als 1,3 Millionen Unterstützungsbekundungen eintrafen, zog sie sich aus der Öffentlichkeit komplett zurück. Ein Jahr nach ihrer Diagnose, im Februar 2020, gab Ikee wieder ein Interview. „Ich konnte keine Geräusche ertragen, hatte keinen Appetit und konnte den Fernseher nicht ausstehen“, sagte sie dem Fernsehsender TV Asahi. „Ich wollte sterben.“ Hätte man ihr nicht versichert, dass sie die Therapie überstehen könnte, hätte sie den nötigen Mut wohl nicht aufbringen können.

Kurze Zeit darauf aber sah die Welt ganz anders aus. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus im Dezember 2019 absolvierte Ikee zwei Monate später gleich ihre erste Trainingseinheit. Bald profilierte sie sich sogar zu einem nationalen Vorbild. Inmitten der sich vor einem Jahr gerade ausbreitenden Pandemie bat sie als Leiderprobte ihre Mitmenschen, dass diese auch in schwierigen Zeiten nicht das Blutspenden vergessen sollten. Als die Regierung im vergangenen Frühjahr den nationalen Ausnahmezustand ausrief und die Menschen damit zum Daheimbleiben aufforderte, mahnte Rikako Ikee ihre Landsleute via Twitter: „Im Supermarkt sollten wir alle nur so viel kaufen, wie wir wirklich brauchen!“

Nachdem die Pandemie dann die einjährige Verschiebung der Spiele von Tokio erzwang, wollte sich die Schwimmerin lange Zeit nicht zur Frage äußern, ob sie nun doch wieder auf eine Teilnahme hoffte. Anfang dieses Monats konnte man die Antwort deutlich in ihrem Gesicht ablesen: mit Tränen in den Augen jubelte sie im Becken des Tokyo Aquatics Centre, nachdem sie bei den japanischen Landesmeisterschaften dort die nötige Normzeit geschafft hatte. Sofern die Spiele von Tokio tatsächlich stattfinden, finden sie nun doch mit Rikako Ikee statt. Sie wird in der 4x100-Meter-Lagen-Staffel an den Start gehen.

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