Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kann losgehen: Am Freitag startet auch die deutsche Mannschaft um Marian Michalczik (rechts) ins WM-Turnier.
+
Kann losgehen: Am Freitag startet auch die deutsche Mannschaft um Marian Michalczik (rechts) ins WM-Turnier.

WM

Die Mathematik des Handballs

  • vonMichael Wilkening
    schließen

Erstmals treten 32 Teams bei einer WM an – das bringt gerade dem Weltverband finanzielle Vorteile, doch der Aufwand ist groß.

Im Grunde ist es eine einfache Rechnung. Wenn 32 Nationen an einer Weltmeisterschaft teilnehmen, gibt es für den Handball-Weltverband (IHF) 32 Mal die Möglichkeit, die TV-Rechte ideal zu vermarkten. Vor zwei Jahren bei der WM in Deutschland und Dänemark umfasste das Teilnehmerfeld 24 Mannschaften, sodass diesmal 33 Prozent höhere Erlöse möglich sind und eine deutlich höhere Reichweite für den Sport generiert werden kann – zumindest theoretisch. „Wir möchten den Handball weiterentwickeln“, sagte IHF-Präsident Hassan Moustafa, als er vor zweieinhalb Jahren dafür votierte, mehr Ländern aus der „Familie“ die Möglichkeit zu eröffnen, beim globalen Kräftemessen dabei zu sein. Am Mittwoch startet das Mammutturnier mit der Partie zwischen Gastgeber Ägypten und Chile, am 31. Januar soll der neue Weltmeister gekürt werden.

„Das bringt nicht nur Europa etwas, sondern gibt auch anderen Kontinenten die Chance, sich weiterzuentwickeln“, sagte Michael Wiederer, der Präsident des europäischen Verbandes (EHF). Die Europäer waren den Weg vorausgegangen, denn bei der Europameisterschaft vor einem Jahr waren erstmals 24 Mannschaft statt zuvor 16 dabei. Die simple Mathematik der größeren Vermarktungschancen setzte sich bei der EHF wie bei der IHF durch.

An der Mega-WM haben die Verantwortlichen festgehalten, auch wenn die Voraussetzungen angesichts der Corona-Pandemie kompliziert sind und, anders als bis zuletzt geplant, keine Fans in den Hallen sein werden. Das hatte sich Hassan Moustafa, der seit mehr als 20 Jahren im Amt befindliche IHF-Präsident, anders vorgestellt. Der mächtige Handball-Boss wollte starke Bilder bei seinem Heimturnier produzieren. Starke Emotionen und Begeisterung sollten in Wellen aus Nordafrika in die Welt schwappen, womit sich der Ägypter ein Stück weit selbst beschenken wollte.

Die Vorzeichen haben sich aber geändert, im Moment wird in erster Linie über Hygienekonzepte und Infektionsgefahren gesprochen als über das erste Spiel der Ägypter in Kairo. Wochenlang rangen der Weltverband, der Ausrichter und die europäischen Nationen um ein schlüssiges Konzept, wie der Covid-19-Erreger von der WM ausgeschlossen werden soll.

Corona-Fälle bei US-Team

Helfen soll eine Turnierblase, in der sich alle Beteiligten während der WM begeben müssen. Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Offizielle und Medienvertreter werden von der Außenwelt abgeschottet – sie dürfen die Hotels nur für Fahrten zum Training oder Spiel verlassen. Der Aufwand ist riesig, alle an der WM beteiligten Personen dürfen die Blase erst betreten, wenn sie mindestens zwei negative Corona-Tests vorlegen können, und werden während Turniers alle drei Tage getestet.

So sollen Infektionen und negative Publicity verhindert werden. Das Ziel: Möglichst rasch soll sich die Berichterstattung auf die Geschehnisse zwischen den beiden Toren konzentrieren. Der Sport will sich die Aufmerksamkeit zurückerkämpfen.

Im Grunde ist Handball seit jeher eine europäische Sportart und die Versuche, sie außerhalb es „alten Kontinents“ zu etablieren, brachte nur kleine Erfolge. In Nordafrika hat sich die Sportart durch die frankophilen Einflüsse etabliert, in den vergangenen Jahren hat sie zudem im nahen Osten an Einfluss gewonnen.

Darüber hinaus ist Handball im Rest der Welt eine Randsportart. Vor etwa zehn Jahre scheiterte eine Charmeoffensive in den USA, so dass es kein Durchbruch auf dem lukrativen Markt in Nordamerika geben wird, dass die Vereinigten Staaten nicht zuletzt wegen der Aufstockung auf 32 Teilnehmer in Ägypten vertreten ist. Das Handball-Entwicklungsland hat keine Chance die Hauptrunde zu erreichen.

Und ausgerechnet das US-Team sorgt nun schon vor WM-Beginn für jene Schlagzeilen, welche vermieden werden sollen. Wie Nationaltrainer Robert Hedin am Dienstag bestätigte, sind in seiner Mannschaft 18 Spieler an Covid-19 erkrankt. Auch er selbst habe sich angesteckt. „Das ist unglaublich heftig“, sagte der Chefcoach. „Wir schicken am Mittwoch zwölf Spieler nach Ägypten, aber wir haben keine Abwehr“, sagte Hedin.

Die US-Handballer sind nicht die einzigen Betroffenen. Laut eines Berichts der Sportschau haben sich auch bei den Tschechen mehr als zehn Teammitglieder aus Mannschaft und Betreuerstab mit dem Virus infiziert, darunter seien auch die Cheftrainer Jan Filip und Daniel Kubes. Dennoch wollen beide Nationen die Reise nach Ägypten unbedingt antreten. mit sid

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare