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Auch Angelique Kerber darf den Manic Monday noch einmal miterleben.
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Auch Angelique Kerber darf den Manic Monday noch einmal miterleben.

Manic Monday in Wimbledon

Die letzte Dröhnung

  • VonJörg Allmeroth
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Er war wild, er war spektakulär, er war einzigartig: Am Montag findet der legendäre Manic Monday zum abschließenden Mal statt.

Es gibt Namen, Begriffe und Schlagworte, die unzertrennlich mit Wimbledon verbunden sind. „The Queue“ zum Beispiel, die Schlange der unermüdlichen Fans, die in normalen Zeiten bei Wind und Wetter für den Einlass in den Tennistempel anstehen. Oder auch die „Royal Box“, die kleine, feine, königliche Centre-Court-Loge, in die man sich mit keinem Geld der Welt einkaufen kann, sondern eingeladen wird vom All England Lawn Tennis Club. Oder der „heilige Rasen“, dieses wie manikürte grüne Spielfeld, in unverwechselbarer Akkuratesse von den Greenkeepern für die Besten im Tennis präpariert.

Allerdings ist auch in Wimbledon nichts für die Ewigkeit. Wer hätte einst gedacht, dass jemals ein bewegliches Dach wie ein Regenschirm den Centre Court und Court 1 vor den Unbilden des britischen Sommers schützen würde. Apropos Court 1, der hieß früher „Hinterhof des Henkers“, ein faszinierender Schauplatz beim größten aller Grand-Slam-Wettbewerbe. Genauso wie Court 2, der sogenannte „Friedhof der Champions“, auf dem regelmäßig die Stars und Sternchen strauchelten, auf dem einst auch die Karriere des siebenmaligen Champions Pete Sampras trostlos zu Ende ging. Aber Court 1 und Court 2 sind längst verschwunden und dem großen Modernisierungsprogramm der letzten Jahre zum Opfer gefallen.

Finanzielle Zwänge

Und nun auch noch dies: 2021 wird das letzte Jahr sein, in dem die Tennisfans den allseits bekannten „Manic Monday“ erleben können, entweder vor Ort an der Church Road in London SW 19 oder an den Bildschirmen weltweit. Rein technisch finden an diesem Tag einfach nur alle acht Achtelfinals bei Männern und Frauen statt. Doch wie der Begriff des „verrückten Montags“ schon sagt: Es ist ein Ausnahmezustand, ein einmalig dicht gedrängtes Schauspiel mit fast allen Szenegrößen. „Es ist nichts anderes als der beste Tag, den das Tennis kennt“, sagt John McEnroe, ein ums andere Mal Hauptdarsteller an diesem Wimbledon-Montag. „Du weißt gar nicht, wohin du schauen sollst als Zuschauer. Ein Highlight jagt das nächste.“

Auch der „Manic Monday“ ist nun ein wirtschaftliches Opfer der Corona-Pandemie, der größten Gesundheits- und Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg. 2020 war Wimbledon komplett ausgefallen, 2021 findet es mit eingeschränkten Zuschauerzahlen statt. Und die Realität ist: Der All England Lawn Tennis Club, diese stets so profitabel operierende Geldmaschine, muss jetzt seine hohen finanziellen Verluste aus zwei Jahren kompensieren – und so wird es ab 2022 ein neues Spielprotokoll geben. Der spielfreie „Middle Sunday“, eine ebenso eherne Tradition, verschwindet. Und das Achtelfinale wird auf zwei Tage verteilt, am Sonntag und am Montag je vier Matches bei Männern und Frauen. So wie bei allen anderen Turnieren auch, nix ist es mehr mit der Verrücktheit in Britannien. „Es war immer eine wunderbare Sache, einmal bei einem Grand Slam richtig durchschnaufen zu können – ganz ohne Tennis“, hat Legende Steffi Graf einmal gesagt. Aber das ist nun Vergangenheit.

Der Manic Monday war immer auch ein Sehnsuchtstag. Eine Zwischenstation, an der jede Spielerin und jeder Spieler wenigstens ankommen wollte – zum Auftakt der zweiten, alles entscheiden Turnierwoche, in der das Geschehen noch einmal eine ganz neue Dynamik entfaltet. Vierte Runde Wimbledon bedeutet: Auftritt am verrückten Montag, mitten drin sein im dicksten Trubel, im wahnsinnig prominent besetzten Programm. Und sich mit einem Sieg vielleicht noch größere Träume erlauben dürfen.

„Verdammt berührend“

Aber auch für die Wimbledon-Anhänger aus aller Welt war dieser Manic Monday das Ziel der größten Wünsche und Sehnsüchte, ein Ticket für die Tennisvorstellung am Montag begehrter als für die Finals. Früher, als die Fans noch an der Church Road campierten, konnte man bereits am Samstagabend die ersten Freaks sehen, die ihre Zelte aufschlugen in der vagen Hoffnung, für den Montag ein Ticket zu ergattern. „Es ist verrückt, es ist wahnsinnig. Und es ist verdammt berührend“, sagt Andy Roddick, der einstige US-Star, „als ich diese Szenerie zum ersten Mal sah, habe ich richtig schlucken müssen. Da wurde einem klar, was Wimbledon ist.“

Noch einmal die volle Wimbledon-Dröhnung, das spektakuläre Erlebnis. Novak Djokovic wird an diesem Montag dabei sein, der Mann, der vielleicht über einen Sieg an der Church Road den echten Grand Slam gewinnt, alle vier Pokale in einem Jahr. Roger Federer, der achtmalige König. Aber auch Angelique Kerber, die Rasen-Queen des Jahres 2018 (gegen Coco Gauff), und Alexander Zverev (gegen Felix Auger-Aliassime), die letzten deutschen Solisten. 5. Juli 2021 – oder: Goodbye, Manic Monday.

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