1. Startseite
  2. Sport

Die Krone und der Sport

Erstellt:

Von: Günter Klein

Kommentare

Reitsport war ihre Leidenschaft: Queen Elizabeth II. 2018 auf der Rennbahn in Ascot.
Reitsport war ihre Leidenschaft: Queen Elizabeth II. 2018 auf der Rennbahn in Ascot. © Imago

Die Queen eröffnete Olympische Spiele, besaß Rennpferde, mied Tennis. Wie wird es unter King Charles?

Queen Elizabeth II. ist tot – und das geht auch den Sport an. Über ihren Einfluss war erst vor einigen Wochen gesprochen worden, aus ebenfalls traurigem Anlass. In den Nachrufen auf Uwe Seeler tauchte die Geschichte vom Fußball-WM-Finale 1966 in London auf. Das Wembley-Tor gegen die deutsche Mannschaft hätte Anlass sein können für einen Proteststurm auf den Schieds- und den Linienrichter. Doch Seeler, der Kapitän, hielt seine Mitspieler zurück: „Die Queen war im Stadion, da macht man keine Schwierigkeiten, sondern benimmt sich.“

Queen Mum flüstert ein

1966 gingen die deutschen Kicker folglich sieglos an der königlichen Loge vorbei, aber die Königin war ja noch länger da. Dreißig Jahre später wurde Deutschland Europameister in England – und die Queen zur Gratulantin für Jürgen Klinsmann und die anderen. Klinsmann war ihr ein Begriff, denn er hatte eine großartige Saison für Tottenham Hotspur gespielt (1994/95), und auch wenn Elizabeth selbst am Fußball nur peripher interessiert war – sie hatte eine gute Informantin: Queen Mom war bekennende Anhängerin des FC Arsenal.

Verwurzelt war die Königin im Pferdesport. Mit ihrer Regent- übernahm sie die Schirmherrschaft in Ascot, beim berühmten Galopprennen und Aufmarsch der britischen und im Wortsinn gut behüteten Society; nur in den Jahren 2020 und 22 fehlte sie. Oft hatte sie eigene Pferde am Start, also die des königlichen Hofs. Prinzgemahl Philip war 22 Jahre lang Präsident der Reiterlichen Vereinigung, und Tochter Prinzessin Anne nahm sogar an Olympischen Spielen teil, 1976 in Montreal, in der damals noch Military genannten Vielseitigkeitsreiterei (allerdings schied das englische Team aus).

Überhaupt hatte Montreal 1976 einen royalen Einschlag, denn die Queen eröffnete die Spiele. Das hätte sie dank der Commonwealth-Konstellation auch 1956 in Melbourne tun können, doch da ließ sie Philip den Vortritt. Sie selbst übernahm die Pflicht als Staatsoberhaupt dann wieder 2012 in London. Und ist somit die einzige Person, die zweimal Olympische Spieler eröffnete.

Olympias Ruf erhörte sie – Wimbledon hatte es da schon schwerer. Zwar stand sie dem Ausrichter, dem All England Lawn Tennis and Croquet Club 64 Jahre vor (2017 übergab sie an Schwiegerenkelin Kate), doch konnte dem Ball-übers-Netz-Schlagen nichts abgewinnen. Lediglich 1957, 1962, 1977 und 2010 wurde sie gesichtet. Die Königliche Loge besetzten andere – vor allem die wasserstoffblonde Herzogin von Kent, die über Jahrzehnte die Siegerin im Frauen-Einzel kürte.

Auch zum Fußball ging Elizabeth – abgesehen von WM 1966 und EM 1996 – auf Distanz. Bei der EM 2021 gab es Spekulationen, sie würde das Finale England – Italien mit ihrer Anwesenheit beehren. Das bestätigte sich nicht. William war da – aber klar: Er ist seit 2006 Präsident der Football Association (FA). 1939 wurde beschlossen, dass der Vorsitz über den englischen Fußball-Verband immer einem Angehörigen des Königshauses gebühre. Charles, der neue König, ließ da aber gerne seinen jüngeren Bruder Andrew, Cousins oder zuletzt den Sohn ran.

Charles fährt Ski

Und wie steht Seine Königliche Hoheit Charles III. zum Sport? In seinen wilden Jahren als begehrter Junggeselle jagte er auf einem Pferd dem Ball hinterher, er war Polospieler. Seine zweite Leidenschaft: der alpine Skisport. Charles besucht regelmäßig Klosters im Schweizer Kanton Graubünden. Der Gast im etwas altmodisch gewordenen steingrauen Overall fällt auf den Pisten aber allenfalls dadurch auf, dass er von Mitfahrern umgeben ist – seine Bodyguards. Die britischen Touristen, die im Sog von Charles kommen, sind in Klosters ein wirtschaftlicher Faktor. Aus Verbundenheit hat der Ort die beiden Gondeln auf den Hausberg Gotschna mit Anschluss ins Davoser Parsenn-Gebiet „Prince of Wales“ benannt. Das ist nicht mehr aktuell. Es sind jetzt Königs-Gondeln.

Auch interessant

Kommentare