HP_SportSPOD01FRD-B_111634
+
Wissen, wie es ist, ohne Fans zu spielen: Die Basketballer aus Göttingen und von Bayern München.

Beschluss der Politik

Die Hoffnung des Hallensports

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
    schließen

Eishockey, Handball, Basketball und Volleyball brauchen zahlende Fans - wann diese wieder dabei sein dürfen, ist offen.

Nächste Woche werden sich die Klubs der Handball-Bundesliga (HBL) noch einmal zusammensetzen. Ganz oben auf der Tagesordnung steht natürlich der Neustart mit Zuschauern in Zeiten der Coronavirus-Pandemie. Aus Sicht von HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann „hat sich an der Ausgangslage nichts geändert.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten sich am Donnerstag geeinigt, dass Großveranstaltungen, bei denen eine Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregelungen nicht möglich ist, bis mindestens Ende Dezember 2020 nicht stattfinden sollen.

„Ein Hygiene- und Betriebskonzept liegt sowohl im Handball, Eishockey und Basketball vor“, betonte Bohmann im Gespräch mit der FR. Er geht nach wie vor davon aus, dass die HBL wie geplant am 1. Oktober mit eingeschränkter Zuschauerzahl spielen kann. Ohne Fans zu spielen, sei nur für einen absolut begrenzten Zeitraum für ein oder zwei Spiele möglich. „Danach wird den ersten Klubs die Luft ausgehen“, befürchtet er.

Von der Politik erwartet Bohmann mehr Stringenz und „eine andere Verlässlichkeit in der politischen Entscheidungsfindung. Bei allem Verständnis für die neuerliche Bewertung des Pandemielevels brauche es klare Rahmenbedingungen.

Zum einheitlichen Umgang mit Zuschauern bei bundesweiten Sportveranstaltungen soll eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien bis Ende Oktober einen Vorschlag vorlegen. Die Hoffnung auf Einheitlichkeit eint alle Sportligen. Einen Flickenteppich will niemand. Auch wenn die Entscheidungshoheit immer bei den Gesundheitsämtern vor Ort liegen wird.

„Ganz entscheidend ist, dass wir trotz der schwierigen Situation optimistisch bleiben und nach vorne gerichtet arbeiten“, sagte Alexander Reil, BBL-Präsident und Geschäftsführer der Riesen Ludwigsburg der FR. Die BBL hatte im Juni in einem Finalturnier in München unter strengen Hygiene- und Sicherheitsauflagen die Saison im Gegensatz zum Handball, Eishockey und Volleyball zu Ende gespielt.

Am 17. Oktober wollen die Basketballer mit den ersten Vorrundenspielen des modifizierten Pokal-Wettbewerbs mit 16 Teams an vier Standorten beginnen. Ob bei diesen Pokalspielen zumindest ein paar Zuschauer dabei sein werden, ist noch unklar. „Das wird sicher von Standort zu Standort verschieden sein“, sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz.

Am 6. November ist der Bundesligaauftakt geplant. „Im Worst Case spielen wir für einen gewissen Zeitraum ohne oder mit wenigen Zuschauer. Eine Alternative, dass wir nicht spielen, sehe ich nicht“, sagte Reil. Auch am Startdatum sollte nicht gerüttelt werden, da es sonst Schwierigkeiten geben würde, die Saison ordentlich zu Ende zu bringen. Schließlich müssen die Hallenzeiten rechtzeitig gebucht werden. Gerade in Städten mit mehreren Profivereinen in einer Arena könnte es da problematisch werden.

In Ludwigsburg ist Reil derzeit in den Gesprächen mit dem Gesundheitsamt in den letzten Zügen. Allerdings gibt er zu Bedenken, dass ein Konzept heute genehmigt werden kann, aber in sieben Wochen die Lage aufgrund steigender Infektionszahlen wieder anders bewertet werden muss. „Jeder Einzelne muss sich die Frage stellen: Wie können wir mit kreativen Lösungen, den Schaden zumindest minimieren und so eine Saison trotzdem überstehen“, findet Reil.

Im Basketball macht das Ticketing rund 20 Prozent des Etats aller Klubs aus. Im Handball sind es 50 Prozent. Im Eishockey liegt diese Zahl weitaus höher bei rund 80 Prozent. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) ist deshalb dringend auf diese Einnahmen angewiesen. Wegen der Corona-Krise hatte die DEL ihren Saisonstart vom 18. September auf den 13. November verschoben.

„Ohne Zuschauereinnahmen bekommen wir keinen Spielbetrieb auf die Beine gestellt“, sagte Daniel Hopp, Gesellschafter des Spitzenklubs Adler Mannheim, im Gespräch mit dem „Mannheimer Morgen“. Die Aussagen der Politik seien, wenn man sich die Folgen für den Eishockey bewusst mache, „ein Schlag in die Magengrube“. Die Ausgaben der Teams bleiben weiter gleich: Die Reisen, die Präparierung der Eishallen und vielleicht würden sich die Kosten wegen der Hygienekonzepte sogar noch erhöhen, befürchten viele DEL-Klubs

Weitaus weniger betroffen ist die Volleyball-Bundesliga. Bis auf die Berlin Recyling Volleys hat kein Klub mehr als 1000 Zuschauer im Schnitt in der Halle und die Ticketeinnahmen machen nur rund 15 Prozent des Etats aus.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) will weiter die Gespräche mit der Politik suchen, um eine Fan-Rückkehr in die Stadien möglich zu machen. Darin sollten „auf Basis von Fakten verantwortungsvolle Stufen-Lösungen je nach Pandemie-Lage vereinbart werden, um im November mit der Umsetzung zu starten, sofern das Infektionsgeschehen dies erlaubt“, heißt es in einer Mitteilung vom Freitag. Weitaus optimistischer formulierte es Hans-Joachim Watzke: „Meiner Meinung nach sind die Beschlüsse ein Zeichen der Politik, dass man ab Anfang November mit Zuschauern spielen möchte“, sagte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund der „WAZ“.

Etwas anders sieht das unterhalb des Profifußballs aus. Der Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV), Hermann Winkler, zeigte sich enttäuscht über die Entscheidung der Bundespolitik. „Stadionatmosphäre ist das Salz in der Suppe bei Sportveranstaltungen für Sportler und Zuschauer. Dieses wird uns weiterhin mit der Schonkost aus Berlin vorenthalten.“ Winkler, der auch Vizepräsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes NOFV ist, befürchtet langfristige Schäden in der Sportlandschaft – vor allem im Osten. Gleichzeitig lobte Winkler die sächsischen Maßnahmen, die ab September Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern bei Einhaltung der Hygienebestimmungen möglich machen. „Das ist im Gegensatz zur Berliner Entscheidung das richtige Signal“, so Winkler.

Den ersten Testlauf mit Zuschauern wagt Bundesligist Union Berlin. Der Verein teilte am Freitag mit, dass für die Partie am 5. September gegen den Zweitligisten 1. FC Nürnberg Eintrittskarten verlost werden – die genaue Zahl ließ der Klub offen, möglich sind bis zu 5000 Zuschauer. Tickets werden unter Mitgliedern des Klubs verlost und dann personalisiert. Die Gewinner der Tickets müssen im Stadion eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen – dürfen diese aber auf dem Platz wieder abnehmen. mit dpa/sid

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare