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Die großen Pläne von Boss Weikert

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Von: Jan Christian Müller

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Netzwerker: Thomas Weikert (re.) im Gespräch mit Innenministerin Nancy Faeser und Behindertensport-Boss Friedhelm Julius Beucher. Foto: dpa
Netzwerker: Thomas Weikert (re.) im Gespräch mit Innenministerin Nancy Faeser und Behindertensport-Boss Friedhelm Julius Beucher. Foto: dpa © dpa

DOSB-Präsident Thomas Weikert werkelt an einer Strategie, um bestenfalls die Olympischen Spiele 2036 nach Deutschland zu holen

Ein Jahr nach seiner Wahl zum Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wird Thomas Weikert bei der Mitgliederversammlung am 3. Dezember in Baden-Baden wieder kandidieren. Das gab der 60-Jährige beim „Sports Business Talk“ der Klinkert-Rechtsanwälte in Frankfurt bekannt. „Wenn ich vorher keinen Bock schieße, werde ich wieder antreten“, witzelte Weikert.

Den Termin nutzte der ehemalige Tischtennisspieler zudem, die Köpfe mit dem vormaligen Boss der Deutschen Fußball-Liga, Christian Seifert, zusammenzustecken. Seifert arbeitet derzeit am Aufbau einer Streamingplattform für Ligenwettbewerbe und herausragenden Einzelsportevents abseits des Fußballs, die 2023 starten soll. Ein interessantes Feld natürlich auch für den DOSB mit seinem noch relativ taufrischen Präsidenten.

Der Limburger Fachanwalt für Familienrecht ist der mit einigem Abstand Älteste im stark verjüngten DOSB-Präsidium, dem inzwischen fünf Frauen angehören. Weikert möchte das Team in Zukunft so zusammenhalten, sagte er.

Im kommenden Dezember in Baden-Baden sollen die DOSB-Mitglieder auch darüber befinden, „ob wir Olympia in Deutschland haben wollen?“. Die nächsten Olympischen Spiele, für die sich der DOSB bewerben könnte, wären die im Winter 2034 oder die im Sommer 2036, hundert Jahre nach jenen von 1936 in Berlin, die die Nazis schamlos für ihre Propaganda nutzten und so schwer belasteten.

Weikert ist klar, dass nach zwei Bürgerentscheiden, die erst Winterspiele in München 2022 und dann Sommerspiele in Hamburg 2024 mit deutlichen Mehrheiten verhinderten, eine bessere Vorbereitung notwendig ist: „Ohne die Bevölkerung werden wir das nicht schaffen.“

Gute Kontakte zu Bach

Der DOSB hat sich deshalb kürzlich mit dem erfahrenen Netzwerker und Kommunikationsexperten Stephan Brause verstärkt und strebt eine breite basisdemokratische Debatte über das Thema „Welches Olympia wollen wir?“ an. Vorstellbar sind auch Szenarien, die Spiele flächendeckend über das gesamte Land zu organisieren: ganz Deutschland als großes Olympisches Dorf mit entsprechend nachhaltiger Nutzung der Sportstätten zwischen Kiel und München. Klingt nicht uninteressant, wenn denn das Internationale Olympische Komitee (IOC) da mitspielen würde.

Dessen Entscheidung wird für 2024 oder 2025 erwartet. Bis dahin müsste sich Deutschland für Olympia 2034 oder 2036 aufgestellt haben. Das unter Weikerts Vorgänger Alfons Hörmann belastete Verhältnis des DOSB zum deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach hat sich inzwischen offenbar spürbar entspannt. „Wir telefonieren mindestens alle zwei Wochen“, berichtet Weikert. Auch, wenn der interne Umgang bisweilen kritisch sei, werde er daraus nicht regelmäßig ein öffentliches Thema machen. Er weiß natürlich, dass Bachs Ruf in Deutschland nicht der allerbeste ist. Ganz im Gegenteil. Weikert befindet sich auf einem nicht ganz einfachen Weg des Lobbyings an Basis und Spitze und der hohen Sportdiplomatie.

Dazu gehört auch das dringende Ansinnen des DOSB, den Sport künftig direkt ans Bundeskanzleramt anzudocken - nach Beispiel von Grünen-Politikerin Claudia Roth, die als Staatsministerin für Kultur und Medien an den Sitzungen des Bundeskabinetts teilnimmt. Der Sport ist derzeit noch außen vor. Jüngst hat der DOSB die Bundesregierung dazu aufgefordert, zeitnah einen „Bewegungsgipfel“ zu organisieren. „Wir müssen die Gesellschaft wieder in Bewegung bringen. Dafür bedarf es eines Kulturwandels, der anerkennt, dass Bewegung und Sport unverzichtbar sind“, so Weikert.

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